Max Eyth (1836–1906), Ingenieur, Schriftsteller, Zeichner

Ehemalige Lateinschule und Geburtshaus von Max Eyth in Kirchheim unter Teck. Copyright: LMZ BW
Ehemalige Lateinschule und Geburtshaus von Max Eyth in Kirchheim unter Teck. Copyright: LMZ BW

Friedrich Maximilian (genannt Max) Eyth wurde am 6. Mai 1836 in Kirchheim unter Teck geboren. In der ehemaligen Lateinschule, wo sein Vater Oberpräzeptor war, verbrachte er die ersten fünf Jahre seines Lebens. Den größten Teil seiner Jugendzeit lebte er im Kloster Schöntal, sein Vater Eduard Eyth war 1841 als Professor an das dortige evangelisch-theologische Seminar versetzt worden.

In Schöntal nahm er als Hospes am Unterricht teil. Der im Kloster vermittelte Bildungsstand war so gut, dass Max Eyth nur noch ein knappes halbes Jahr die Realschule in Heilbronn besuchen musste, an der sein Großvater Friedrich Gottlieb Eyth alte Sprachen unterrichtete, bevor er im Oktober 1852 das Studium aufnehmen konnte.

Nach dem Studium an der Polytechnischen Hochschule in Stuttgart bis 1856 widmete sich Max Eyth vor allem der Mechanisierung in der Landwirtschaft, wofür die Entwicklung und Verbreitung des Dampfpfluges das bekannteste Beispiel ist. Eine erste Beschäftigung fand Max Eyth in der Hahn & Göbelschen Maschinenfabrik in Heilbronn, die nach sechs Wochen durch Kündigung seitens des Firmeninhabers endete. Im Januar 1857 trat Eyth seine zweite Stelle als Ingenieur in der Dampfmaschinenfabrik von Gotthilf Kuhn in Stuttgart-Berg an. Im Frühjahr 1861 kündigte Max Eyth seine Stelle, um außerhalb Württembergs eine neue Herausforderung zu suchen, die er schließlich in England fand. Von 1861 bis 1882 arbeitete er als leitender Angestellter beim Dampfpflughersteller John Fowler Ltd. in Leeds. Über 20 Jahre war Max Eyth für diese Firma in Ägypten, Nord- und Mittelamerika, Russland und Europa unterwegs, um Dampfpflüge zu entwickeln und zu verkaufen.

Die Gründung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) 1885, die nach englischem Vorbild u.a. durch Ausstellungen die Entwicklung der Landwirtschaft fördern sollte, geht auf Max Eyth zurück. Von 1885–96 war er geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DLG mit Sitz in Berlin. Zahlreiche Landschaftszeichnungen und vor allem Bücher, wie z.B. Wanderbuch eines Ingenieurs (1871), Hinter Pflug und Schraubstock (1899), Der Kampf um die Cheopspyramide (1902), Der Schneider von Ulm (1906), zeigen das künstlerisch-poetische Talent dieses hochbegabten Mannes. 1896 war er in den persönlichen Adelsstand erhoben worden; 1905 zeichnete ihn die Technische Hochschule Stuttgart mit dem erstmals verliehenen Titel Dr. Ing. h.c. aus. Von 1898 an lebte der unverheiratete Max Eyth in Ulm. Dort verstarb er am 25. August 1906 in seiner Wohnung auf dem Michelsberg Nr. 227 (heute Lichtensteinstr. 16).

Mit seiner Geburtsstadt blieb Max Eyth verbunden. Als Student des Polytechnikums Stuttgart kam er oft nach Kirchheim. 1923 entschied die Stadt die Umbenennung des alten Lateinschulgebäudes in Max-Eyth-Haus. Seit diesem Jahr trägt zudem eine der Hauptstraßen Kirchheims den Namen Max Eyth. 1951 errichtete man im Erdgeschoss des Max-Eyth-Hauses ein Gedenkzimmer. 1994 öffnete das Literarische Museum im Max-Eyth-Haus u.a. mit der Präsentation Max Eyth als Literat und Zeichner seine Pforten und trägt dazu bei, die Erinnerung an einen großen Sohn der Stadt wach zu halten.

Rainer Kilian

Veröffentlicht in: Der Landkreis Esslingen. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2009, Bd. 2, S. 78.