Die Mineralquellen von Beuren und die Panorama Therme

Beuren am Fuß der Schwäbischen Alb, ganz rechts die Panorama Therme - Quelle LABW

Beuren am Fuß der Schwäbischen Alb, ganz rechts die Panorama Therme - Quelle LABW

Schon 1526 ist in Beuren eine öffentliche Badstube genannt, die bis 1889 in Betrieb war und von einer Quelle unterhalb des Rathauses mit Wasser versorgt wurde. In den 1920er Jahren versiegte diese Quelle. Der Beurener Gemeinderat beschloss 1968 im Rahmen von Erweiterungsplänen für die Hauptschule den Bau einer Kleinschwimmhalle. Da um 1970 in Urach nach thermalem Mineralwasser gebohrt wurde, empfahl der Nürtinger Landrat Dr. Ernst Schaude der Gemeinde, dies auch in Beuren zu versuchen. Aufgrund eines positiven Gutachtens des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg gründete sich im April 1970 die Thermalwassergesellschaft Beuren mbH, an der die Beurener Bürger Anteile erwerben konnten. Am 28. September begann Bohrung I (Friedrichsquelle), schon Anfang November stieß man in 382 m Tiefe im Rhätsandstein des Oberkeupers auf Thermalwasser (36,7 Grad Celsius), am 3. Februar 1971 erneut im Mittleren Muschelkalk in 755 Meter Tiefe (46,3 Grad Celsius). Die Friedrichsquelle speist mit einer Fördermenge von 2 Liter/Sek. (2007; Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Thermal-Säuerling) zusammen mit einer zweiten Bohrung in den Muschelkalk (Wilhelmsquelle, 2007: 4,7 Liter/Sek.: Natrium-Hydrogenkarbonat-Thermalwasser) die Therme.

Anfangs floss das Wasser einzig in ein zur Freude der Bevölkerung aufgestelltes Plastikschwimmbecken, im Oktober 1972 jedoch wurde ein neben der Kleinschwimmhalle erbautes Außenbecken als vorläufiges Thermalbad in Betrieb genommen. 1975 begann der Bau der Panorama Therme, die die Gemeinde nach vergeblichen Verhandlungen der Thermalwassergesellschaft mit möglichen Bauträgern in eigener Regie zu bauen und zu betreiben beschloss. In einer Gesellschafterversammlung der Thermalwassergesellschaft stimmten 1171 gegen 722 Anteilseigner für den Verkauf der Gesellschaft an die Gemeinde. Kein Investor, sondern die Gemeinde selbst übernahm Risiko und Verantwortung; mit großem Erfolg bis heute. Im Januar 1977 konnte die Therme eingeweiht, im gleichen Jahr der Therapiebereich und die Massagepraxis eröffnet werden. Weitere Ausbauphasen: Kaltwasserbecken mit 24 Grad Celsius (1989), Thermalgarten mit Dampfbädern und Sauna (1993), Strömungsbecken und Quelltopf sowie Thermengrotte mit verschiedenen Dampfbädern (1999), Thermal-Sprudelbecken (2004), Dampfbad Salomelium (Salz und Honig, 2005). Das Prädikat Ort mit Heilquellenkurbetrieb erhielt Beuren 1980. 632 000 Badegäste besuchten 2006 die Panorama Therme.

Raimund Waibel

Veröffentlicht in: Der Landkreis Esslingen. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2009, Bd. 1, S. 178.