Schiffsverkehr an Main und Tauber

Talfahrt eines mit Gütern und Passagieren beladenen Boots auf dem Main, Kartenausschnitt, 1807. Quelle LABW (StAWt R K 1202)
Talfahrt eines mit Gütern und Passagieren beladenen Boots auf dem Main, Kartenausschnitt, 1807. Quelle LABW (StAWt R K 1202)

Dass in einem Landkreis, der nach den zwei Flüssen Main und Tauber benannt ist, auch der Schiffsverkehr eine Rolle spielt, ist nahezu selbstverständlich. Die Tauber, von vielen Wehren und Mühlenanlagen unterbrochen, war wohl schon immer nur für kleinere Boote befahrbar. So findet sich in einer Urkunde des Klosters Bronnbach aus dem Jahr 1244 ein Passus über die Offenhaltung des Schiffswegs von Wertheim bis zum Kloster Bronnbach für Nachen – lateinisch alveus. Nicht zur Ausführung kam hingegen ein 1662 entworfenes Projekt, wie der Tauberfluß von Weickersheimb biß nacher Wertheimb schiffreich zue machen sei.

Weitaus größere Bedeutung für den Schiffsverkehr hatte der Main. Flussabwärts Richtung Frankfurt wurden von Wertheim aus unter geblähten Segeln vor allem Wein, Getreide und Tuche verschifft, aber auch die Personenschifffahrt war hoch entwickelt. Ein einträgliches Geschäft, wie die repräsentativen Gebäude des 15. und 16. Jahrhunderts in der Wertheimer Altstadt belegen. Auf der Rückreise, beladen mit Waren vom Frankfurter Messeplatz, wurden die Schiffe dann durch Pferde bergauf getreidelt. Die Fischer und Schiffer hatten sich in einer gemeinsamen Zunft, mitgliederstark und vermögend, zusammengeschlossen. Die im Stadtarchiv Wertheim verwahrte schriftliche Überlieferung dieser Zunft beginnt 1495. 1684 setzen die Unterlagen des ebenso aus einer Zunft hervorgegangenen Schiffer- und Fischervereins Freudenberg ein, die sich im Kreisarchiv des Main-Tauber-Kreises befinden.

Mit dem Aufkommen der Dampfschiffe im 19. Jahrhundert ging auch auf dem Main die Zeit der Segelschiffe zu Ende. Eine Art Zwischenlösung auf dem Weg zur Motorisierung der Lastschiffe bildete die Kettenschleppschifffahrt. Auf dem Flussgrund wurde ab 1886 eine durchlaufende Kette verlegt, an der sich Schleppschiffe entlanghangelten, wegen ihres Dampfpfeifensignals im Wertheimer Idiom Maakuh, also Mainkuh genannt. An diese angehängt wurden dann die flussaufwärts zu schleppenden Frachtschiffe. Beginnend bei Mainz-Kostheim wurde der Kettenschiffbetrieb in den Folgejahren bis Bamberg ausgebaut. Der Bau von Stauanlagen zur Stromerzeugung durch die Rhein-Main-Donau AG ab 1922 und die Verbreitung schnellerer Dieselschlepper führten 1937 schließlich zur Einstellung der Kettenschleppschifffahrt.

Als natürlicher Hafen bot sich in Wertheim die Taubermündung an. Für die Winterzeit, wenn wegen Eisgangs der Schiffsverkehr auf dem Main ruhte, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Winterhafen gebaut. Die moderne Hafenanlage am Main nahe des seit 1945 entstandenen Industriegebiets Wertheim-Bestenheid wurde 1967 eingeweiht. Die Eigentümer des Hafens, Main-Tauber-Kreis und Stadt Wertheim, haben sich dafür zu einem Zweckverband zusammengeschlossen. Dokumente zum Mainhafen finden sich daher sowohl in den Beständen des Kreisarchivs wie auch im Stadtarchiv Wertheim. Mit dem jüngsten Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals zur europäischen Großschifffahrtsstraße erleben die Städte entlang des Flusses ein neues Phänomen – Flusskreuzfahrten. Kaum noch an Schiffe erinnernde schwimmende Hotels legen an extra dafür gebauten überlangen Landestegen an und entlassen Hunderte meist amerikanischer Touristen in die pittoresken Altstadtgässchen. Wollte man früher von einem Flussufer ans andere, war man in den meisten Orten entlang des Mains auf Furten oder Fährverbindungen angewiesen. Brücken gab es nur in den großen Städten wie Würzburg, Aschaffenburg und Frankfurt. Für die Verkehrsbedürfnisse des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche neue Querungsmöglichkeiten geschaffen, der moderne Brückenbau bedeutete aber das Ende der traditionsreichen Mainfähren. Eine der Letzten verkehrt heute zwischen dem Wertheimer Stadtteil Mondfeld und dem bayerischen Stadtprozelten. Nicht nur Berufspendler nutzen diese Verkehrsverbindung auf dem täglichen Weg zur Arbeit, auch für Radtouristen ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, mit der Motorfähre überzusetzen.

Claudia Wieland

Quelle: Archivnachrichten (2010), S.31-32.