Verpflegung auf der frühneuzeitlichen Burg Sponeck

Die Reste der Burg Sponeck um 1840, Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Sponeck 3
Die Reste der Burg Sponeck um 1840, Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Sponeck 3

Ein kleines, unscheinbares Heft, das der Verwalter der am Kaiserstuhl gelegenen Burg Sponeck, Heinrich Kebis, als Nachweis für den damaligen Burgbesitzer von 1529 bis 1531 anlegen musste, bietet detaillierte Einblicke in die Nahrungsmittelversorgung einer frühneuzeitlichen Burg. Akribisch beschreibt Kebis in chronologischer Reihung alle seine Ausgaben, die durch Käufe, Ausbesserungsarbeiten an der Burg oder Entlohnung von Personal entstanden. Durchschnittlich alle zwei bis drei Wochen erhielt er in der Regel zehn oder 20 Gulden, mit denen er seine Ausgaben bestritt. Waren größere Zahlungen fällig, so wurde das Budget in kürzeren Abständen ergänzt. Das Abrechnungsheft wurde von seinem Vorgesetzten kontrolliert, das dieser bei Unstimmigkeiten mit Randnotizen versah.

Die eigene Landwirtschaft reichte damals nicht aus, den Lebensmittelbedarf der Burgbewohner zu decken, sodass Käufe auf den Wochenmärkten der umliegenden Orte Riegel, Kenzingen, Breisach, Burkheim oder Endingen, aber auch im weiter entfernten Freiburg notwendig wurden. Zu den zugekauften Grundnahrungsmitteln gehörten Fleisch, Fisch (Hering, Plattfisch), Eier, Brot, Käse, Salz und Korn oder Mehl sowie Butter, Zwiebeln, Erbsen, Linsen, Hühner, Kraut, Äpfel und Pfirsiche. Seltener genannt werden die damals erleseneren Speisen und Zutaten Essig, Münsterkäse, Krebse, Lebkuchen und Fleischkäse.

Besonders belastet wurde der Haushalt immer dann, wenn der Burgherr oder Gäste auf der Burg weilten. Beispielsweise bewirtete der Wirtschaftsverwalter zur Jahreswende 1529/30 den neuen und den alten Bürgermeister des nahegelegenen Dorfes Jechtingen mit einer Mahlzeit bestehend aus Fisch, Krebsen und Brot. Gäste aus Waldkirch wurden mit Brot, Fleisch, Fisch, Hühnern, Kraut und Äpfeln versorgt.

Eintrag zur Verköstigung von Alt- und Neubürgermeister von Jechtingen auf der Burg Sponeck. Vorlage: Landesarchiv GLAK 81 Nr. 1576, Blatt 36 (Vorderseite)
Eintrag zur Verköstigung von Alt- und Neubürgermeister von Jechtingen auf der Burg Sponeck. Vorlage: Landesarchiv GLAK 81 Nr. 1576, Blatt 36 (Vorderseite)

Als Verwalter der Burg Sponeck war Heinrich Kebis in den umliegenden Städten und Dörfern ein bekannter Mann, sodass er auch repräsentative Aufgaben erfüllen und den Kontakt zur Bevölkerung aufrechterhalten musste. Anlässlich der Kirchweihe 1529 in Burkheim verzehrte er im Haus des Pfarrherren Speisen im Wert von einem Schilling und acht Pfennigen. Teurer war die Kirchweihe 1530 in Jechtingen, als er zusammen mit seiner Frau Essen und Trinken im Wert von drei Schillingen und vier Pfennigen genoss.

Einen großen Teil seiner Zeit verbrachte Heinrich Kebis auf Reisen. Seine Einkäufe führten ihn auch auf die Jahrmärkte in Kenzingen, Burkheim, Freiburg und Waldkirch, wobei er das dabei Verzehrte als Spesen abrechnen konnte. Als er Ende Juni 1529 in Freiburg weilte, notierte er dazu: Item verzert zu Friburg – 6 Schilling 8 Pfennig. Dies kommentierte der Kontrolleur am Rande des Rechnungsheftes kritisch: Meldet nit, was er zuo Friburg verzert hat. Die zahlreichen Details der Einkäufe bieten uns einen umfassenden Einblick in den Speisezettel der damaligen Zeit.

 Jürgen Treffeisen

Quelle: Archivnachrichten 53 (2016), S.9.