Aufbau des Themenmoduls und Artikelgliederung

Von Robert Kretzschmar und Christian Keitel

Im Mittelpunkt des Themenmoduls stehen die einzelnen Archivaliengattungen. Die Gattungen beziehen sich in der Regel auf die Ebene einzeln bestellbarer Archivalien. Da aber bestellbare „Dokumente" ebenso einzelne Archivalien wie auch Bestandteile von Archivalien (z.B. von Akteneinheiten) sein können, wird je nach Quellentypus die spezifisch zutreffende Ebene den Artikeln zugrunde gelegt. Es lag nahe, diese Artikel in Gruppen einzuteilen. Ihre Aufgabe ist es, verwandte Gattungen gemeinsam zu präsentieren, um Zusammenhänge aufzuzeigen, aber auch um die konkrete Bestimmung der einzelnen Gattung zu erleichtern. Bei der Bildung dieser Gruppen spielte die Frage nach der Entstehung in digitaler oder auf Papier basierender Form keine Rolle. Zwar gibt es rein digitale Archivaliengattungen wie z.B. Datenbanken und auch rein konventionelle Formen wie z.B. Amtsbücher. Eine pauschale Unterscheidung der konventionellen und der digitalen Archivaliengattungen erschien aber wenig sinnvoll, zumal diese in vielen Fällen fließend ineinander übergehen.

Gerade die nur digital vorliegenden Archivaliengattungen stellten die Projektbeteiligten aber vor die Frage, von welchem Standpunkt aus die Beschreibung der Archivaliengattungen zu erfolgen hat. So können Fachverfahren zwar als solche bewertet werden, archiviert werden sie in dieser Form aber in der Regel nicht. Stattdessen erhalten wir als nutzbare Quellen mit den zugrundeliegenden Datenbanken nur einen Teil des Fachverfahrens. Unter Bewertungsaspekten sollte daher der Blick auf das Fachverfahren gelenkt werden, unter Erhaltungsgesichtspunkten auf die Datenbank. Bei der Auswertung sind dann sowohl die Herkunft als auch die Erhaltung zu beachten. Durch die unterschiedliche Gewichtung der Pespektiven kann es daher leichte Differenzen in der Definition und Abgrenzung digitaler Archivaliengattungen geben, je nachdem, ob man primär die Bestandserhaltung in den Mittelpunkt rückt,[1] oder aber die Nutzung wie hier bei der Südwestdeutschen Archivalienkunde.

Formal gesehen liegt der Gruppierung der Gattungen eine Gliederung in die drei Ebenen Containergattungen, Dokumente und Einzelinformationen zugrunde.

Eingerahmt werden die Artikel zu einzelnen Archivaliengattungen durch drei Abschnitte mit Beiträgen, in denen zum einen der größere Kontext thematisiert, zum zweiten schwer zuordenbare Überlieferungsbereiche summarisch behandelt und schließlich einzelne Archivalienelemente beschrieben werden.

Weitere Kontexte werden in Überblicksartikeln wie zum Beispiel zu „Archivalien des Mittelalters“ oder „Digitale Archivalien“ und in problemorientierten Artikeln wie etwa zur Heterogenität als zentrales Wesensmerkmal von Archivalien und Archivgut aus quellenkundlicher Sicht thematisiert.

Wie aber soll man damit umgehen, dass in einem bestimmten Überlieferungsbereich zwar Archivalien entstanden sind und entstehen, sich aber bisher keine stabilen Gattungen für diese entwickelt haben? Mit den „Besonderen Überlieferungsbereichen“ wurde neben den eindeutig identifizierbaren Gattungen eine Möglichkeit geschaffen, wenig standardisierte Gebiete wie zum Beispiel die sehr vielgestaltige Theaterüberlieferung näher zu charakterisieren.

Ebenfalls näher beschrieben werden bestimmte Elemente von Archivalien, sofern sie in, an oder auf verschiedenen Archivaliengattungen auftauchen und selbst wiederkehrende Charakteristika haben. Klassische Elemente wie Siegel oder Wappen sind hier ebenso vertreten wie die verschiedenen Formen der Aktenbindung.

Das Beschreibungsraster ist orientiert an dem Band „Serielle Quellen in südwestdeutschen Archiven“ von Christian Keitel und Regina Keyler,[2] der auch Pate stand bei dem Vorhaben der Historischen Kommission für Westfalen „Quellenkunde zur westfälischen Geschichte vor 1800“[3] und den Bänden „Unbekannte Quellen: ‚Massenakten‘ des 20. Jahrhunderts“[4] des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen. Das Raster soll die Nutzung erleichtern und sieht die folgenden zehn Abschnitte vor, von denen vier verbindlich und die restlichen fakultativ sind.

 

1. Definition der Quellengattung und Entstehungskontext („Primärwert“[5])
2. Historische Entwicklung
3. Aufbau und Inhalt
4. Überlieferungslage und ggf. vorarchivische oder archivische Bearbeitungsschritte
5. Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten („Sekundärwert“)
6. Hinweise zur Benutzung
7. Forschungs- und Editionsgeschichte
8. Literatur
9. Abbildungsvorschläge
10. Fußnoten.

 

Zu den obligatorischen Unterkapiteln zählen die Definition der Quellengattung, der Aufbau und der Inhalt, die Quellenkritik in Verbindung mit den Auswertungsmöglichkeiten sowie die Hinweise zur Benutzung.

 

Anmerkungen

[1] Vgl. hierzu und im Folgenden Keitel, Vorschläge. Zur Bewertung vgl. VdA-Arbeitskreis „Archivische Bewertung", Bewertung elektronischer Fachverfahren. Diskussionspapier des VdA-Arbeitskreises „Archivische Bewertung“ (Stand: 9. Dezember 2014).
[2] Serielle Quellen.
[3] Quellenkunde zur westfälischen Geschichte. Hingewiesen sei auch auf die Quellenkunde der Habsburgermonarchie.
[4] Unbekannte Quellen.
[5] Zu den Begriffen „Primär-" und „Sekundärwert“ vgl. Schellenberg, Bewertung; Ders., Appraisal.

Literatur

  • Aurast, Anna/Keitel, Christian/Kretzschmar, Robert/Neuburger, Andreas, „Südwestdeutsche Archivalienkunde“ – ein neues Angebot in LEO-BW zur Stärkung der Historischen Grundwissenschaften, in: Archivar 71 (2018), Heft 1 (im Druck).
  • Keitel, Christian, Vorschläge zur gemeinsamen Klassifikation konventioneller und digitaler Archivalien, in: Moderne Aktenkunde, hg. von Holger Berwinkel/Robert Kretzschmar/Karsten Uhde (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg. Hochschule für Archivwissenschaft 64), Marburg 2016, S. 131–144.
  • Kretzschmar, Robert, Archivalische Quellenkunde im frühen 21. Jahrhundert. Ein „Kleines Fach“ mit potentiell großer Wirkung (erscheint Anfang 2018 in einem Tagungsband des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung).
  • Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16. – 18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch, hg. von Josef Pauser/Martin Scheutz/Thomas Winkelbauer (MIÖG Ergänzungsband 44), Wien/München 2004.
  • Quellenkunde zur westfälischen Geschichte vor 1800. Online-Ausgabe, Stand: März 2016, hg. von Stefan Pätzold/Wilfried Reininghaus (Materialien der Historischen Kommission für Westfalen 6).
  • Papritz, Johannes, Archivwissenschaft, Bd. 1, Marburg 1998.
  • Schellenberg, Theodore R., The Appraisal von Modern Records, in: Bulletins of the National Archives 8 (1956), S. 233–278.
  • Schellenberg, Theodore R., Die Bewertung modernen Verwaltungsschriftguts. Übersetzt und hg. von Angelika Menne-Haritz (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 17), Marburg 1990.
  • Serielle Quellen in südwestdeutschen Archiven, hg. von Christian Keitel/Regina Keyler, Stuttgart 2005.
  • Unbekannte Quellen: „Massenakten“ des 20. Jahrhunderts. Untersuchungen seriellen Schriftguts aus normierten Verwaltungsunterlagen, hg. von Jens Heckl, 3 Bde. (Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 32, 43, 55), Düsseldorf 2010–2012, Duisburg 2015.

Zitierhinweis:  Robert Kretzschmar, Christian Keitel, Über das Projekt, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, URL: […], Stand: 16.11.2017