Georg III. Truchsess von Waldburg (geb. 25. Januar 1488, gest. 29. Mai 1531)

von Felix Riehm

Georg III. Truchsess von Waldburg (1488-1531), Chronik der Truchsessen von Waldburg, Text Matthäus von Pappenheim, Illustrationen von Hans Burgkmair, um 1530/40. [Quelle: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart Cod.Don.590]
Georg III. Truchsess von Waldburg (1488-1531), Chronik der Truchsessen von Waldburg, Text Matthäus von Pappenheim, Illustrationen von Hans Burgkmair, um 1530/40. [Quelle: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart Cod.Don.590]

Georg III. Truchsess von Waldburg, auch „Bauernjörg“ genannt, entstammte der auf Georg I. zurückgehenden Linie des alten schwäbischen Adelsgeschlechts derer von Waldburg.

Nachdem er zunächst in württembergischen, bayerischen und erzherzoglichen Diensten militärische und politische Erfahrung gesammelt hatte, war er ab 1519 bei Bedarf militärisch für den Schwäbischen Bund tätig. Als die Organisation der Bauern und verschiedener Unterstützer in mehreren Orten zu einer wachsenden Besorgnis unter den Bundesmitgliedern führte, wurde Georg von Waldburg am 2. Februar 1525 zum Obersten Feldhauptmann ernannt.

Aufstellung eines Heeres für den Schwäbischen Bund

Aufgrund von Söldner- und Geldmangel gelang es nur mühsam, ein Heer aufzustellen, das von Zeitgenossen dann auch als vergleichsweise klein wahrgenommen wurde. Mit diesem konnte sein Befehlshaber lediglich eingeschränkt gegen die Bauernhaufen vorgehen, da diese in Teilen relativ gut ausgerüstet waren und ihnen von einigen Städten und einem nicht unerheblichen Anteil der Landsknechte Sympathien entgegengebracht wurden. Das äußerte sich unter anderem in zahlreichen Desertationen unter letzteren.

Ein Versuch Herzog Ulrichs, die Situation zu nutzen, um mithilfe von Schweizer Söldnern die Kontrolle über Württemberg zurückzuerlangen, konnte im Laufe des März 1525 jedoch verhindert werden.

Zwischen militärischem Vorgehen und Verhandlungsversuchen

Aufgrund der schwer abschätzbaren Folgen einer bewaffneten Konfrontation versuchte von Waldburg zunächst, die Bauernhaufen zu Verhandlungen zu bewegen, um so zumindest eine weitere Ausbreitung der Unruhen zu verhindern und damit mehr Zeit für die Vorbereitung von Gegenmaßnahmen zu gewinnen. Dabei machte er allerdings stets minimale Zugeständnisse, weshalb die Anführer der Gegenseite nur bedingt darauf eingingen.

Unter Druck gesetzt wurde er zusätzlich vom Schwäbischen Bund, der Verhandlungen mit den Haufen ablehnte und seine Hoffnungen stattdessen auf deren schnelle gewaltsame Zerschlagung setzte.

Trotz dieser angespannten Lage gelangen dem Feldherrn einzelne militärische Erfolge gegen die Aufständischen, etwa bei Leipheim und Wurzach.

Weinsberger Bluttat und Schlacht bei Böblingen

Eine wirkliche Verbesserung seiner Lage ergab sich für den Befehlshaber jedoch erst mit der vorläufigen Beruhigung der militärischen Situation in Oberitalien, wodurch viele Söldner in die deutschen Reichsteile zurückkehrten und nach einer neuen Erwerbsmöglichkeit suchten. Es gelang Georg III. in der Folgezeit, sein Heer merklich aufzustocken und damit erstmals einen klaren Sieg über die Bauernhaufen möglich erscheinen zu lassen.

Zudem machte auch die am 17. April 1525 begangene Weinsberger Bluttat, die für einen Aufschrei unter dem umliegenden Adel sorgte und Vergeltungsforderungen nach sich zog, ein weiteres Hinauszögern der bewaffneten Auseinandersetzung unmöglich.

Nachdem er am 12. Mai in der Schlacht bei Böblingen die unmittelbarste militärische Bedrohung für sein Heer ausgeschaltet hatte, ordnete von Waldburg als Vergeltung für die Geschehnisse in Weinsberg die Hinrichtung von Melchior Nonnenmacher und Jäcklein Rohrbach, die lebendig verbrannt wurden, sowie die Verwüstung der Stadt Weinsberg am 21. Mai an.

Feldzüge gegen weitere Bauernhaufen

In der Folgezeit gelang es dem Heer des Schwäbischen Bundes einen Gegner nach dem anderen zu schlagen, bis die einzige verbliebene Bedrohung von nennenswertem Ausmaß von den Allgäuer Aufständischen ausging.

Um ein Ende des Konfliktes zu erzwingen, griff von Waldburg zunehmend auf psychologische Kriegsführung zurück. Unter anderem soll er, um die Gegenseite unter Druck zu setzen, eine größere Zahl an Dörfern und Höfen niedergebrannt haben, obwohl ihm das vom Schwäbischen Bund ausdrücklich untersagt wurde. Diese Vorgehensweise erwies sich im Zusammenspiel mit der Stimmung, die seine vorangegangenen Siege bei den Aufständischen hinterließen, als erfolgreich und so kam es in der zweiten Julihälfte zur Kapitulation der Allgäuer Bauern mit anschließender Inhaftierung und teilweiser Hinrichtung zahlreicher Führungspersonen.

Damit fanden die Unruhen in diesem Raum relativ zeitnah ihr Ende und das Heer des Schwäbischen Bundes wurde vierundzwanzig Wochen nach der Übertragung des Kommandos an Georg III. aufgelöst.

Wahrnehmung und Bewertung des „Bauernjörg“

Sein ebenso erfolgreiches wie auch nach den damaligen Maßstäben durch große Härte gekennzeichnetes militärisches Vorgehen, die Anwendung weitreichender Strafmaßnahmen gegen die Aufständischen und die Hinrichtung verschiedener prominenter Figuren brachten ihm den Beinamen „Bauernjörg“ ein.

Für die militärische und organisatorische Kompetenz seiner Person sprechen die geringen Verluste, die das Bundesheer während der Zerschlagung der Unruhen erlitt, der geschickte Einsatz der Vorteile, die seine Streitmacht gegenüber ihren Kontrahenten genoss, und die erfolgreiche Führung des Konfliktes trotz der Finanzierungsschwierigkeiten.

Nach dem Bauernkrieg wendete sich von Waldburg nicht-militärischen Tätigkeiten zu, wobei seine Erfolge auf dem Schlachtfeld ihm die Gunst sowohl des Erzherzogs Ferdinand als auch des Kaisers selbst sicherten. So wurde er von den Habsburgern 1525 zum Statthalter in Württemberg ernannt und fungierte auf den Reichstagen 1526, 1529 und 1530 zudem als Orator für Erzherzog Ferdinand und Kaiser Karl V.

Eine besondere Auszeichnung stellte die Verleihung der Würde des Reichserbtruchsessen an ihn (und seinen Vetter Wilhelm) durch den Kaiser am 27. Juli 1526 dar.

Georg III. Truchsess von Waldburg starb am 29. Mai 1531 im Alter von 43 Jahren in Waldsee.

Literatur

  • Blickle, Peter, Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg. Georg Truchsess von Waldburg 1488–1531, München 2015.
  • Press, Volker, Georg III. Truchseß von Waldburg. Der „Bauernjörg“, in: Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze, hg. von Volker Press/Franz Brendle/Anton Schindling (Frühneuzeit-Forschungen 4), Tübingen 1998, S. 189-231.
  • Zürn, Martin, Georg III. von Waldburg, der Bauernjörg, in: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, hg. von Elmar L. Kuhn (Oberschwaben. Ansichten und Aussichten), Tübingen 2000, S. 295-314.

Zitierhinweis: Felix Riehm, Georg III. Truchsess von Waldburg (geb. 25. Januar 1488, gest. 29. Mai 1531), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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