Erzherzog Ferdinand (geb. 10.03.1503, gest. 25.07.1564) und Kaiser Karl V. (geb. 24.02.1500, gest. 21.09.1558)
von Aaron Bauer und Pauline Zondler
Zur Zeit des Bauernkriegs hatte das Haus Habsburg eine starke Stellung in Europa inne, indem es in Person von Karl V. nicht nur den spanischen König, sondern auch den König und späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stellte. Zugleich verfügten die Habsburger im deutschen Südwesten mit den von Innsbruck aus verwalteten vorderösterreichischen Besitzungen über umfangreiche Territorien.
Diese setzten sich um 1525 zusammen aus der Landgrafschaft Breisgau, zu der neben der Stadt Freiburg auch die Landgrafschaft Stühlingen zählte, der Grafschaft Hohenberg mit dem Hauptort Rottenburg, der Landgrafschaft Nellenburg mit den Städten Tengen, Radolfzell und Stockach, der in Oberschwaben gelegenen Landvogtei Schwaben sowie der sich an der Donau aufreihenden Teile der Markgrafschaft Burgau.
Hinzukam, dass nach der Vertreibung Herzog Ulrichs im Jahr 1519 auch das Herzogtum Württemberg an das Haus Habsburg gekommen war und bis zur Rückkehr Ulrichs im Jahr 1534 von österreichischen Statthaltern regiert wurde. Damit beherrschten die Habsburger um 1525 in Person Karls V. nicht nur weite Teile Europas, sondern in Person des Erzherzogs Ferdinand auch den größten Teil des deutschen Südwestens.
Erzherzog Ferdinand im Bauernkrieg
Am 10. März 1503 in der Nähe von Madrid geboren, war Ferdinand knapp drei Jahre jünger als sein Bruder Karl, der ab 1516 nicht nur spanischer König war, sondern 1519 auch zum römisch-deutschen König gewählt wurde. Als Oberhaupt des Hauses Habsburg war zunächst auch Karl die Rolle des österreichischen Erzherzogs zugekommen. Auf dem Wormser Reichstag von 1521 setzte er jedoch Ferdinand als österreichischen Erzherzog ein. Damit war Ferdinand als Regent der habsburgischen Besitzungen im Reich sowie der österreichischen Erblande eine bedeutende Funktion in der Reichspolitik zugekommen.
In die ersten Unruhen des Sommers 1524 am Hochrhein und im Schwarzwald waren ganz maßgeblich vorderösterreichische Territorien involviert: In der Landgrafschaft Stühlingen nahm der Aufstand seinen Anfang, die habsburgische Stadt Waldshut schloss sich als erste den Aufständischen an und in Radolfzell formierte sich wenig später die herrschaftliche Partei. In dieser Situation entsandte Ferdinand den Grafen Rudolf von Sulz nach Radolfzell, um sich mit den anderen Adligen und insbesondere mit Graf Sigmund von Lupfen über das Vorgehen gegen die Aufständischen zu beraten.
Als nach ersten Verhandlungsversuchen keine Einigung erzielt werden konnte, ließ Ferdinand ein Heer unter der Führung des Hans Jakob von Landau aufstellen, das den Aufstand militärisch niederschlagen sollte. Die Befürchtung war, dass die Aufständischen, wie bei den Unruhen im Zeichen des Bundschuhs, ein Bündnis mit den schweizerischen Eidgenossen suchen könnten. Bevor es jedoch zu weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen kam, gelang eine Einigung: Die Stühlinger Bauern sollten ihre Forderungen vor dem Reichskammergericht vorbringen, während die Anliegen der Hegauer Bauern vor dem vorderösterreichischen Landgericht in Stockach verhandelt werden sollten.
Ende des Jahres 1524 hatten sich die Unruhen jedoch bereits bis nach Oberschwaben ausgebreitet. Zudem begann sich Herzog Ulrich auf dem Hohentwiel für eine Rückeroberung Württembergs zu rüsten. In dieser Situation setzte Ferdinand Georg III. Truchsess von Waldburg, seinen Statthalter in Württemberg, als Obersten Feldhauptmann des Schwäbischen Bundes ein. Im Dezember 1524 erteilte er ihm den Befehl, sich zum Bundestag nach Ulm zu begeben, dort die Kontingente der Bundesstände zusammenzuziehen und anschließend mit größter Strenge gegen die Aufständischen vorzugehen.
Im Frühjahr 1525 ging das Bundesheer dann insbesondere bei Leipheim und Wurzach rücksichtslos gegen die Aufständischen vor. Während am 12. Mai bei Böblingen auch der Bauernhaufen in Württemberg geschlagen wurde, bekam es Erzherzog Ferdinand zeitgleich mit einem weiteren Aufstand in Tirol zu tun. Dieser war ausgebrochen, nachdem bewaffnete Bauern den in Brixen inhaftierten Peter Passler aus der Gewalt des Bischofs befreit hatten.
Ferdinand sah sich im Juni 1525 zunächst gezwungen, einen Landtag in Tirol einzuberufen und dort auf die Forderungen der Aufständischen einzugehen. Im August gelang es Ferdinand jedoch, auch den Tiroler Aufstand militärisch niederzuschlagen und dessen Anführer, Michael Gaismair, festzunehmen. Gaismair entkam jedoch aus der Haft und war im Frühjahr 1526 an einem Aufstand der Salzburger Bauern maßgeblich beteiligt, der jedoch nach dem Ende der Aufstände im Allgäu und im Schwarzwald ebenfalls militärisch niedergeschlagen werden konnte.
Damit waren die Aufstände des Bauernkriegs bis zum Frühjahr 1526 allesamt niedergeschlagen worden. Erzherzog Ferdinand war dabei selbst in die Aufstände verwickelt, indem insbesondere zu Beginn der Unruhen im Jahr 1524 habsburgische Territorien betroffen waren. Mit der Übertragung der militärischen Befehlsgewalt über das Bundesheer an Georg Truchsess von Waldburg trug er zur Niederschlagung der Aufstände bei und erteilte auch den expliziten Befehl, gewaltsam gegen die Aufständischen vorzugehen. Zugleich war er selbst in die Niederschlagung der Aufstände in Tirol und später rund um Salzburg involviert.
Karl V. und der Bauernkrieg
Der am 24. Februar 1500 in Gent als Sohn von Johanna von Kastilien und Erzherzog Philip I. geborene Karl herrschte durch verschiedene Erbfälle – so wurde er zum Herrscher über die burgundischen Niederlande, Kastilien und Aragon – über ein außerordentlich großes Reich. Als Karl V. war er 1519 zum römisch-deutschen König gewählt und 1520 im Aachener Kaiserdom gekrönt worden. Den Titel des österreichischen Erzherzogs gab er an seinen jüngeren Bruder Ferdinand ab. Seit 1521 befand sich Karl zudem in einem vor allem in Oberitalien ausgetragenen Krieg mit dem französischen König Franz, weshalb er sich außerhalb der Reichsgrenzen aufhielt und dementsprechend nicht direkt in die Geschehnisse des Bauernkriegs involviert war.
Dieser Krieg in Oberitalien wirkte sich jedoch insofern auf den Bauernkrieg aus, indem sich zahlreiche Landsknechte, einer groben Schätzung Peter Blickles nach 7.000, die sonst dem Schwäbischen Bund zur Verfügung gestanden hätten, zunächst noch in Oberitalien befanden. Erst nachdem Karl V. am 24. Februar 1525 ein entscheidender Sieg über König Franz bei Pavia gelang, kehrten vermehrt Landsknechte in den süddeutschen Raum zurück. Das Bundesheer erhielt damit zahlenmäßige und kampferfahrene Verstärkung, rechtzeitig für den Beginn der militärischen Niederschlagung der Aufstände ab April 1525. Dies dürfte wesentlich zu den Erfolgen des Bundesheeres bei Leipheim, Wurzach und Böblingen beigetragen haben.
Für den Sommer des Jahres 1526 rief Karl V. einen Reichstag nach Speyer ein, auf dem neben religiösen Streitfragen und dem Krieg gegen das Osmanische Reich auch der Bauernkrieg eine zentrale Rolle spielte. Neben der Bestrafung der ‚Anfänger‘ des Aufstands wurden dort der Schadensersatz sowie ein entsprechender Rechtsweg geregelt und Vorkehrungen gegen künftige Aufstände getroffen.
Karl V. war damit als römisch-deutscher König nicht selbst in den Bauernkrieg involviert gewesen, seine Kriegsführung in Oberitalien hatte jedoch unmittelbare Auswirkungen auf die Ereignisse im deutschen Südwesten. Im Jahr 1556, nachdem es im Jahr zuvor zum Augsburger Reichs- und Religionsfrieden gekommen war und er in Spanien seinen Sohn Philipp auf den Thron gebracht hatte, dankte Karl als Kaiser des Reiches ab. Ferdinand, der bereits 1531 zum römisch-deutschen König gekrönt worden war, folgte seinem Bruder auf dem Kaiserthron nach.
Quellen
Befehl Erzherzog Ferdinands an Georg Truchsess von Waldburg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H 54 Bü 8, 8, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-2488354 (24.10.2025).
Literatur
- Blickle, Peter, Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg. Georg Truchsess von Waldburg 1488-1531, München 2015.
- Buszello, Horst, Oberrheinlande, in: Der deutsche Bauernkrieg, hg. von Horst Buszello, Peter Blickle und Rudolf Endres, Paderborn 1984, S. 61–96.
- Ehrenpreis, Stefan, Antiklerikalismus und Ikonoklasmus in Tirol, in: Bauernkrieg im Vergleich: Tirol und Thüringen, hg. von Erika Kustatscher und Thomas T. Müller, Innsbruck 2024 (Veröffentlichungen der Hofburg Brixen 7), S. 263–279.
- Kohler, Alfred, Ferdinand I. 1503–1564. Fürst, König und Kaiser, 2. Auflage, München 2016.
- Oka, Hiroto, Der Bauernkrieg in der Landgrafschaft Stühlingen und seine Vorgeschichte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, Konstanz 1998.
- Schennach, Martin, Landständische Verfassungen und Bauernkrieg. Zur potenziell pazifizierenden Wirkung von Landtagsverhandlungen, in: Der Bauernkrieg von 1525 Staatlichkeit und Ordnungsvorstellungen (Staatsverständnisse 185), hg. von Ulrich Niggemann, Baden-Baden 2025, S. 59–92.
Zitierhinweis: Aaron Bauer und Pauline Zondler, Erzherzog Ferdinand (geb. 10.03.1503, gest. 25.07.1564) und Kaiser Karl V. (geb. 24.02.1500, gest. 21.09.1558) , in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.12.2024.

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