Glossar

Zisterzienserabtei Tennenbach: lateinisch-deutsches Glossar geschrieben von Petrus Hoffelich und Petrus Reyffsteck, Neustadt an der Hardt (?) 1462, Ausschnitt B-Initiale [Quelle: Badische Landesbibliothek Cod. Thennenbach 10, fol. 90r]
Zisterzienserabtei Tennenbach: lateinisch-deutsches Glossar geschrieben von Petrus Hoffelich und Petrus Reyffsteck, Neustadt an der Hardt (?) 1462, Ausschnitt B-Initiale [Quelle: Badische Landesbibliothek Cod. Thennenbach 10, fol. 90r]

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A

Ablass lat. indulgentia, Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen (poena), während die Sündenschuld (culpa) durch Beichte und Umkehr erlassen wird.

Abkragung auf Konsolen abgefangene Wandvorlage.

Abtei, Abt, Äbtissin von aramäisch abba; eine religiöse Gemeinschaft, der ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht. Der Begriff Abtei kann sowohl die Institution als auch das Gebäude bezeichnen. Der Titel Abt war zunächst bei den Orden mit der Benediktsregel verbreitet (z. B. Benediktiner, Zisterzienser), seit dem Spätmittelalter wird er auch den Pröpsten regulierter Chorherrenstifte (z. B. Augustinerchorherren, Prämonstratenser) verliehen und von den Vorsteherinnen von Kanonissenstiften (z. B. Säckingen) und Klarissenklöstern (z. B. Wittichen) geführt.

Almutia vom Hochmittelalter bis in das 16. Jahrhundert gebräuchliches Kleidungsstück, das von Kanonikern während des Chorgebets getragen wird und Schultern und Nacken bedeckt. Es ist häufig aus Pelz oder Wolle gefertigt.

Altare Portatile tragbarer Altar, oftmals aus Holz gefertigt. Teil der mobilen Bauausstattung. In der Barockzeit Bezeichnung für die steinerne Altarplatte in den großen Holzaufbauten.

Anniversar kalendarisch angelegtes Verzeichnis einer geistlichen Institution (z. B. Kloster, Stift, Pfarrei) über die regelmäßig wiederkehrenden liturgischen (Gebets-)Verpflichtungen für Verstorbene an deren Jahrestag, d. h. dem Todestag.

Annaten von lat. annus, seit dem frühen 14. Jahrhundert von der Kurie beanspruchte Abgabe aus den Erträgen eines →Benefiziums im ersten Jahr nach dessen Verleihung, ab dem 15. Jahrhundert Bezeichnung für jede Form von Abgaben an die Kurie oder den Bischof bei der Verleihung einer Pfründe.

Antependium von lat. ante und pendere, besticktes Tuch oder bemalte Tafel an der Vorderseite eines Altars (»davor hängend«).

Apsis halbkreisförmiger Abschluss des Altarraums oder der Anräume einer Kirche.

Archivolten Stirnseite eines Bogens, bei romanischen und gotischen Stufenportalen oftmals mit Figuren geziert.

Armarium Bibliothek oder Archivraum neben oder über der Sakristei; Wandschrank für Bücher neben dem Kircheneingang im Kreuzgang.

B

Bandrippe Gewölberippe mit rechteckigem Profil.

Beichtvater Priester, der mit der Beichtjurisdiktion versehen ist, die Beichte hört und das Sakrament der Buße spendet, in Frauenklöstern eine zentrale Aufgabe im Rahmen der Seelsorge (→cura monialium).

Berain →Urbar

Benefizium lat. beneficium, auch praebenda (daraus abgeleitet »Pfründe«), spätestens seit dem 12. Jahrhundert das mit einem kirchlichen Amt (officium) verbundene Recht, die Erträge aus einer festgelegten Vermögensmasse zu beziehen.

Bruderschaft lat. fraternitas, im Mittelalter oft ständisch (z. B. nach Zünften) oder nach Stadtteilen organisierte Gemeinschaft mit sozialen und religiösen Aufgaben, mit der Verbindung zu einer Pfarrei oder Ordensgemeinschaft; seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verstärkt überregionale, von Orden getragene Zusammenschlüsse (Erzbruderschaften, Sodalitäten).

Bulle von lat. bulla, im engeren Sinne eine im 13. Jahrhundert aufkommende spezifische Form der Papsturkunde; seit dem 15. Jahrhundert werden alle mit dem traditionellen päpstlichen Bleisiegel besiegelten Urkunden als Bullen bezeichnet.

C

Chor im allgemeinen Sprachgebrauch Ostteil der Kirche mit dem Altarraum. Im ursprünglichen Sinn – in dieser Publikation nur so gebraucht – Ort des monastischen Chorgebets, mit Chorgestühl ausgestattet und durch Chorschranken oder →Lettner vom Laienraum getrennt.

Chorherrenstift/Chorfrauenstift reguliertes seit der hochmittelalterlichen Kirchenreform die Sammelbezeichnung von Kanonikergemeinschaften, die die Gelübde auf die Augustinusregel ablegen und wieder das Ideal der Vita communis einführen; dazu zählen die Augustinerchorherren und die Prämonstratenser sowie deren weibliche Zweige.

Chorherrenstift weltliches →Kollegiatstift

Confessio Gang innerhalb der Krypta, gestattet Gläubigen das Herantreten an das Grab eines Heiligen oder Märtyrers unterhalb des Hochaltars.

Cura monialium Bezeichnung für die geistliche Betreuung religiös lebender Frauen, die von einem Ordens- oder einem Weltgeistlichen ausgeübt werden kann und deren Kern in der Aufgabe des Beichtvaters und der Feier des Gottesdienstes besteht.

D

Dienst dünne Säule als Auflager von Gurten, Rippen oder Archivolten.

Dignität bezeichnet in der Forschung oft herausgehobene Ämter in Klöstern und Stiften, zeitgenössisch die Leitungsämter in Kollegiatstiften (Propst, Dekan).

Dormitorium Gemeinschaftsschlafraum, meist in Einzelzellen unterteilt.

Dorsale Rückwand des Chorgestühls.

Dritter Orden ursprünglich eine Laiengemeinschaft, die mit einem Orden in Verbindung steht und nach einer Regel lebt; seit dem Spätmittelalter besonders bei den Franziskanern, später auch den Dominikanern in Gemeinschaft lebende Frauen, in geringer Zahl auch Männer, die auch Gelübde ablegen (regulierte Dritte Orden). Die Bezeichnung »Dritter Orden« leitet sich daraus ab, dass bei den Bettelorden der männliche Zweig den Ersten, der weibliche Zweig den Zweiten Orden bildet.

E

En delit Bezeichnung einer Technik, bei der zumeist steinerne Stützenschäfte entgegen ihrer geologischen Schichtung vertikal gestellt werden.

Enfilade Zimmerflucht, die durch in einer Achse gelegene Türen entsteht und Durchsicht erlaubt.

Erste Bitten lat. primae preces, seit dem 13. Jahrhundert aufkommendes Recht der römischen Kaiser, aus Anlass ihrer Krönung die erste frei werdende Pfründe in einer geistlichen Institution im Reich zu besetzen.

Exemtion von lat. eximere, im kirchlichen und weltlichen Bereich Befreiung von Personen oder (geistlichen) Institutionen aus der zuständigen Gerichtsbarkeit; bei Orden besonders im Hinblick auf die bischöfliche Jurisdiktion von Bedeutung.

Evangelische Räte lat. consilia evangelica, die Trias von Armut, Ehelosigkeit (Keuschheit) und Gehorsam bildete sich seit dem hohen Mittelalter als zentrale Grundlage klösterlichen Lebens heraus, auf die sich Frauen und Männer in ihren Gelübden (→Profess) verpflichten.

Exspektanz von lat. exspectare, rechtlich zugesicherte Anwartschaft auf die Verleihung eines künftig freiwerdenden kirchlichen Amtes, insbesondere auf die damit verbundene Vermögensmasse (→Benefizium).

F

Fenestella oftmals kleinformatige Öffnung zu einem nicht oder eingeschränkt zugänglichen Ort, an dem Reliquien aufbewahrt werden. Erlaubt den Blickkontakt und das Wirken der Heiligen in den Kirchenraum hinein.

Fiskus Bezeichnung für königliche Besitzungen und die Einkünfte des Königs. Auch einzelne königliche villae werden im Frühmittelalter als Fiskus bezeichnet.

Fronfasten →Quatember

G

Gewölbeanfänger erster zur Krümmung überleitender Stein oberhalb des →Kämpfers.

Giebel gesprengt barocke Gestaltung von Bögen, die am Scheitelpunkt nicht geschlossen sind. Häufige Verwendung oberhalb von Portalen, Fenstern oder Risaliten.

Grangie Wirtschaftshof bei den Zisterziensern. Es handelt sich um einen agrarischen Betrieb, zum Teil von erheblicher Größe, der von Laienbrüdern gemeinsam mit Lohnarbeitern bewirtschaftet wurde. Die Überschüsse verkaufte man in den Stadthöfen. Die Veränderungen des Wirtschaftswesens im Spätmittelalter führte zum Niedergang des Grangienwesens.

Guardian von Franziskus eingeführte Bezeichnung für den Vorsteher eines Klosters; in allen franziskanischen Orden (Konventualen, Observanten, Kapuziner) gebräuchlich.

H

Habit von lat. habitus, Ordenskleid; eine Beschreibung der Kleidungsstücke eines Mönchs findet sich bereits in der Regula Benedicti; die Annahme eines Ordenskleides steht für die innere Umkehr des Mönchs und der Nonne; mit der Ausdifferenzierung des Ordenswesens im Hochmittelalter erfolgt auch eine Auffächerung des Ordenskleides, besonders auch bei den Bettelorden; das schlichte Ordensgewand der Franziskaner schlägt sich auch in ihrer Bezeichnung nieder (Barfüßer, Cordelieres); mit der Farbgebung werden oft auch franziskanische und dominikanische Frauengemeinschaften unterschieden (Dominikanerinnen: Weiße Schwestern; Franziskanerinnen: Graue Schwestern).

Haustein jede Art bearbeiteter Werkstein. Gegensatz zu Bruch- oder Lese-/Feldsteinen.

Hospiz von lat. hospitium, in manchen Orden (z. B. Augustinereremiten, Franziskaner, Kapuziner) die Bezeichnung für eine von einem Kloster abhängige Gemeinschaft.

Hube, Hufe seit dem Frühmittelalter Bezeichnung für bäuerliche Besitzeinheiten unterschiedlicher Größe, später oft synonym für einen Bauernhof benutzt.

I

Infirmarie von lat. infirmus, Krankenabteilung in einem Kloster. Kann sich im Obergeschoss des Konventsbaus befinden oder in einem eigens zu diesem Zweck geschaffenen Gebäude. In der Regel beheizt, gelegentlich mit eigener Küche und Kapelle und zu unterscheiden vom Hospital für Pilger und Laien.

Inful, infuliert von lat. infula, seit dem Mittelalter als Bezeichnung für die bischöfliche Mitra gebraucht; mit der »Infulierung« wird seit dem späten Mittelalter die päpstliche Verleihung des Privilegs zum Tragen der bischöflichen Insignien an einen Prälaten, z. B. einen Dompropst oder den Propst eines regulierten Chorherrenstifts (z. B. Augustinerchorherren, Prämonstratenser) bezeichnet.

Inkorporation von lat. incorporare, Übertragung (»Einverleibung«) der Einkünfte aus dem Vermögen einer (Pfarr-) Pfründe auf eine geistliche Institution (z. B. Kloster), die ihrerseits dazu verpflichtet wird, einen Vikar für die mit der Pfründe verbundenen liturgischen und seelsorgerlichen Aufgaben zu besolden (portio congrua).

J

Jauchert/Juchert ein Flächenmaß, das so viel Land umfasst, wie mit einem Joch am Tag gepflügt werden kann. Der konkrete Umfang variiert räumlich und zeitlich.

Josephinismus nach dem Habsburger Kaiser Joseph II. (1780-1790) bezeichnete Reformphase im Geist des aufgeklärten Absolutismus, in den österreichischen Erblanden mit starken Eingriffen in das kirchliche Leben und das Ordenswesen verbunden; in Vorderösterreich führt der Josephinismus zur Aufhebung von Klöstern der Bettelorden.

K

Kämpfer Zone, an der die Krümmung eines Bogens oder eines Gewölbes beginnt und an der die Lasten vom aufgehenden Mauerwerk aufgenommen werden.

Kalefaktorium in strengen Klöstern der einzige beheizte Raum innerhalb des Konventsbaus. Zugang erfolgt durch den Kreuzgang. Der Raum dient dem kurzzeitigen Aufenthalt.

Kalotte Gewölbe über einem halbrunden Raum, halbkuppelartig gestaltet.

Kanoniker von lat. canonicus, ein an einer Kathedrale (Bischofskirche) oder Stiftskirche – ursprünglich in Gemeinschaft lebender – Weltgeistlicher, dem die Sorge für den Gottesdienst in der Kirche anvertraut ist. Er wird auch als Chorherr bezeichnet, →Kollegiatstift.

Kanonissen von lat. canonica, Gemeinschaft von nach Statuten zusammenlebenden Frauen, die – ähnlich den Kanonikern – nicht die Gelübde auf eine Ordensregel ablegen und sich deshalb vom Stand der Ordensfrauen unterscheiden. An der Spitze eines Kanonissenstifts steht eine Äbtissin. Kanonissen können auch als Chorfrauen bezeichnet werden.

Kapitelsaal mit dem Kreuzgang zumeist durch Arkaden verbundener Raum. Er hat seinen Namen davon, dass dem Konvent hier Abschnitte (»Kapitel«) aus der Klosterregel vorgelesen wurden; er diente als Ort regelmäßiger Zusammenkünfte für die Gemeinschaft.

Karnerkapelle von lat. carnarium, Beinhaus oder Ossarium; bezeichnet eine oftmals mehrgeschossige Friedhofskapelle. Im Untergeschoss werden Gebeine aufbewahrt, in der Regel dem Hl. Michael geweiht.

Kelhof, auch Meierhof ursprünglich zentraler Hof einer Grundherrschaft, oft mit besonderen Rechten und Pflichten im Dorf ausgestattet; in der Regel bereits im hohen Mittelalter aufgelöst.

Klause von lat. inclusorium, ursprünglich abgeschlossene Zelle oder kleines Haus, zumeist in Verbindung mit einem Kloster oder einer Pfarrkirche, in dem Männer (inclusi) oder Frauen (inclusae) ein zurückgezogenes Leben führen; im Spätmittelalter als Bezeichnung von Schwestern- oder Brüdergemeinschaften gebräuchlich.

Klausur von lat. clausura, räumlich umschriebener Bereich eines Klosters, bei dem Zutritt und Aufenthalt nur den Angehörigen des Konvents erlaubt sind (passive Klausur) oder – besonders bei weiblichen Gemeinschaften – das Verbot, das Kloster bzw. den Klausurbereich zu verlassen (aktive Klausur).

Kollegiatstift von lat. ecclesia collegiata, Bezeichnung für ein korporativ organisiertes Kollegium von Weltgeistlichen aller Weihegrade an einer Stifts- oder Bischofskirche (Domstift). Grundlage für das Zusammenleben in einem Kollegiatstift, das auch Chorherrenstift genannt werden kann, bilden – im Gegensatz zu den regulierten Chorherrenstiften – nicht Regel und Gelübde, sondern eigene Statuten.

Kollegium lat. collegium, Bezeichnung für eine dauerhafte Niederlassung im Jesuiten- und Piaristenorden, oft mit einer Schule verbunden. An der Spitze eines Kollegiums steht ein Rektor.

Kongregation lat. congregatio, bei den Dominikanern Bezeichnung für Frauengemeinschaften, die nach der Drittordensregel lebten und zumeist (noch) nicht die strikte Klausur befolgten; nach dem Konzil von Trient die Bezeichnung für den Zusammenschluss von selbständigen Abteien derselben Observanz (z. B. Benediktiner, Zisterzienser); zudem Bezeichnung für neuzeitliche Gemeinschaften, deren Mitglieder einfache Gelübde ablegen.

Kommende, Komtur Niederlassung eines Ritterordens, dessen Vorsteher Komtur heißt, weshalb die Niederlassung auch als Komturei bezeichnet wird.

Konchen von lat. concha, Muschel, halbrunder Anraum mit Halbkuppel, im Gegensatz zur Apsis nicht mit einem Altar ausgestattet.

Konvent, Konventualen lat. conventus, Klostergemeinschaft, deren Mitglieder als Konventualen bezeichnet werden.

Konversen, Laienbrüder lat. conversi, Bezeichnung für die Angehörigen eines Konvents, die zwar die Profess ablegen, aber keine Weihen empfangen.

Kooptation von lat. cooptare, Vorgang, bei dem sich ein definierter Personenkreis, etwa ein Dom- oder Stiftskapitel, aus eigener Kompetenz um neue Mitglieder ergänzt.

Kreuzgang die Klausurbauten miteinander verbindender, überdachter Gang; zum meist quadratischen Kreuzhof hin weist er offene oder verglaste Bögen auf.

Kustodie Bezeichnung für die regionale Untergliederung einer Ordensprovinz bei den franziskanischen Orden (Konventualen, Observanten, Kapuziner).

L

Laienbruder →Konversen

Lettner von lat. lectorium, im Spätmittelalter Lesebühne zwischen Chor und Laienraum, nach dem Konzil von Trient abgeschafft. Oftmals verbunden mit Altarstellungen und Triumphkreuz.

Lisenen der Wand vorgeblendetes, vertikales Gestaltungselement. Im Gegensatz zu Pfeilern oder Säulen ohne Kapitell und Basis ausgestattet und ohne tragende Funktion.

M

Meisterin von lat. magistra, Bezeichnung für die Vorsteherin einer Klostergemeinschaft (z. B. bei den Benediktinerinnen).

Mendikanten von lat. mendicare, Bezeichnung für die seit dem Hochmittelalter auftretenden Bettelorden (u. a. Augustinereremiten, Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten).

Minister von lat. minister, Bezeichnung in den franziskanischen Ordenszweigen für den Vorsteher einer Provinz (Provinzialminister, kurz Provinzial) oder des Gesamtordens (Generalminister, kurz General).

Mutter Bezeichnung für die Vorsteherin einer Niederlassung der Franziskanerterziarinnen und Kapuzinerinnen, gelegentlich auch bei Schwesternsammlungen.

N

Nase, genast nach innen führende Spitze an den Schnittpunkten zweier Kreisbögen, besonders bei gotischem Maßwerk.

Nation von lat. natio, Bezeichnung für die regionale Untergliederung einer Ordensprovinz bei den Dominikanern.

Nekrolog →Anniversar

Niello Verzierung auf Silber oder Gold, bei der Gravuren mit schwarzer Farbe gefüllt werden und ein charakteristisches Farbbild entsteht.

Noviziat, Novize, Novizin von lat. novicius, Zeit der Vorbereitung auf das dauerhafte Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft, das der Novize bzw. die Novizin zu durchlaufen hat.

Nuten rillenartige Vertiefungen.

O

Observanz von lat. observare, Bestreben zur strengen Auslegung der Ordensregel, im Spätmittelalter vor allem in den Bettelorden verbreitet.

Obsignation von lat. obsignare, Recht zur Versiegelung eines Nachlasses, das häufig zwischen geistlichen und weltlichen Institutionen umstritten ist, da es eine Zugriff- und Einflussmöglichkeit der weltlichen Seite auf die Vermögensmasse einer geistlichen Gemeinschaft darstellt.

Offizium, Offizien von lat. divinum officium (Gottesdienst), liturgische Pflichten von Priestern und Ordensleuten.

Ohr, geohrt barocke Fenster- oder Türöffnung mit seitlich überstehender Eckzier.

P

Patronatsrecht lat. ius patronatus, Recht einer Person oder einer (geistlichen oder weltlichen) Institution, dem Bischof einen Kandidaten für die Besetzung eines geistlichen Amtes (z. B. Pfarrei, Kaplanei) vorzuschlagen; das Patronatsrecht kann in ein Nominations- und Präsentationsrecht aufgespalten sein. Die anschließende Einweisung liegt in den Händen des bischöflichen Generalvikars (Investitur).

Pfründe →Benefizium

Pietra-Rasa-Verputz romanische Putztechnik mit dekorativem Fugenstrich, bei der die Steine sichtbar bleiben.

Plinthe quadratische Unterlegplatte unter der profilierten Basis einer Stütze.

Präzeptor bei den Antonitern übliche Bezeichnung für den Vorsteher einer Niederlassung.

Prior, Priorin Stellvertreter eines Abtes bzw. einer Äbtissin, bisweilen auch Vorsteher einer von einer Abtei abhängigen Institution (Priorat), in manchen Ordensgemeinschaften Titel des Vorstehers eines Klosters (z. B. Augustinereremiten, Dominikaner, Paulinereremiten).

Profess von lat. professio, Ablegung der Ordensgelübde, entweder in der Form der feierlichen oder der einfachen Gelübde.

Propst von lat. propositus oder praepositus, Vorsteher bzw. Vorsteherin eines weltlichen oder regulierten Stifts; bei den Benediktinern ursprünglich Bezeichnung für den Stellvertreter des Abtes, seit dem 10. Jahrhundert durch den Titel Prior verdrängt; auch Vorsteher einer von einer Abtei abhängigen Gemeinschaft (z. B. bei der Benediktinerabtei St. Blasien). Bei Frauengemeinschaften gelegentlich der männliche Verwalter neben der weiblichen Vorsteherin, auch gebräuchlich für die Vorsteher von Dom- und Kollegiatstiften, zudem auch bei den regulierten Chorherren- und Chorfrauenstiften.

Provinz, Provinzial (relativ) selbständige regionale Gliederung eines Ordens mit eigenen Strukturen (Leitung, Gremien, Versammlungen), seit dem Hochmittelalter bei allen →Bettelorden üblich. Der Vorsteher wird üblicherweise Provinzial genannt.

Psallierchor in barocken Klosteranlagen Raum außerhalb der Klosterkirche für das Chorgebet (Psalmgebet), mit einem Chorgestühl ausgestattet.

Q

Quatember, Fronfasten von lat. quattuor tempora, vier durch Fasten an drei Tagen (Mittwoch, Freitag, Samstag) hervorgehobene Zeiträume, 1078 kanonisch festgelegt auf die erste Fastenwoche, die Pfingstwoche, die Woche nach Kreuzerhöhung (14. September) und die Woche nach Lucia (13. Dezember).

R

Refektorium Speisesaal; bei den Zisterziensern je einer für die Mönche (»Herrenrefektorium«) und für die Laienbrüder.

Rekollekten von lat. recollectio, frühneuzeitlicher Reformzweig bei den Franziskanerobservanten, der besonders auf die innere Sammlung Wert legt.

Rektor →Kolleg

Reliquiengärtchen textile Schaukästen mit stilisierten Landschaften und Pflanzen, die dutzende oder hunderte von Reliquien aufnehmen können.

Remise Wirtschaftsgebäude zur Unterbringung von Fahrzeugen und Geräten.

Residenz von lat. residencia, bei den Jesuiten die Bezeichnung für ein Haus, das einem →Kolleg nachgeordnet ist und von einem Superior geleitet wird.

Risalit vor die Flucht des Hauptgebäudes vorspringender Bauteil, der oftmals ein eigenes Dach hat, beliebtes Gestaltungsmittel in der Barockzeit.

S

Säkularisation Aufhebung von geistlichen Einrichtungen und Inbesitznahme von ihrem Besitz und ihren (Herrschafts-)Rechten durch eine weltliche Obrigkeit; oft als Epochenbezeichnung für die im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 (RDHS) reichsrechtlich verfügte Aufhebung von Klöstern und Stiften.

Säulen, salomonische monumentale Säulen mit gedrehtem Schaft, sollen an die in der Bibel erwähnten Säulen von Salomos Tempel in Jerusalem erinnern.

Sammlung von samnung, Bezeichnung für religiöse Frauengemeinschaften (Schwesternsammlungen), die ohne Befolgung einer Regel zusammenleben und zumeist seelsorgerlich entweder von dem Ortspfarrer oder einem Bettelorden betreut werden.

Sanktuarium Raum des Hochaltars, der der Messhandlung vorbehalten ist.

Schuppose kleine bäuerliche Hofstatt mit Zubehör.

Schwesternsammlung →Sammlung

Servitien von lat. servitium, seit Ende des 13. Jahrhunderts von der päpstlichen Kurie erhobene Abgabe, die von Bischöfen oder anderen Prälaten bei ihrer Ernennung durch den Papst zu entrichten ist.

Stalle abgeteilter Platz im Chorgestühl, in der Regel im Stehen mit hochgeklapptem Sitz zu nutzen.

Stift →Chorherrenstift, reguliertes; →Kollegiatstift

Stühlung Ritual in Kanonissenstiften, bei dem eine Kandidatin nach geleistetem Eid auf die Äbtissin und die Statuten zu ihrem Chorstuhl geführt wird, wodurch sie in den vollen Genuss ihrer Pfründe kommt und als vollständiges Mitglied des Kapitels gilt.

T

Terminierbezirk, terminieren festgelegter Raum, in dem es einem Mendikantenkloster erlaubt ist, Almosen zu sammeln (terminieren).

Superior →Residenz

Terziaren, Terziarinnen von lat. tertius, Mitglieder eines Dritten Ordens, besonders bei den Franziskanern und Dominikanern.

Thaue Maßangabe für Weiden und Wiesen. Eine Thaue umfasst die Fläche, die eine Person am Tag mit einer Sense mähen kann.

Trappier im Deutschen Orden übliche Bezeichnung für das Amt, das für die Wirtschaftsführung in den einzelnen Niederlassungen zuständig ist.

Trysolei Amthaus des Cellerars beim Deutschen Orden.

Tympanon halbrundes oder spitzbogiges Giebelfeld über einem Portal oder einem Fenster, oft figürlich ausgestaltet.

U

Urbar Verzeichnis von geistlichen oder weltlichen Grundherrschaften über ihre Besitzungen und Rechte und der damit verbundenen Natural- und Geldeinkünfte und Dienstpflichten, auch als Lagerbücher oder Beraine bezeichnet, zum Teil auch als Zinsbücher geführt.

V

Verkröpftes Gebälk über ein vorstehendes Bauteil vor- und zurückspringendes Gebälk samt Fries und Gesims.

Vogtei, Vogt lat. advocatus, im Bereich von Kirchen und Klöstern zumeist adlige Laien, die die geistlichen Institutionen in weltlichen Angelegenheiten vertreten und/oder eine Schutzaufsicht über sie ausüben. Der Begriff des Kastvogts ist eine dafür im Spätmittelalter im Süden des Untersuchungsraums verbreitete Bezeichnung.

W

Würfelkapitell romanische Kapitellform, bei der der Grundkörper ein Quader mit nach unten abgerundeten Ecken ist.

Z

Zehnt Abgabe des zehnten Teils der Erträge aus bäuerlichem Grundbesitz, ursprünglich an eine kirchliche Einrichtung; der Großzehnt bezieht sich auf die Erträge des Ackerlands (Getreide), als Weinzehnt aus dem Rebland; der Kleinzehnt ist aus dem Wiesen- und Gartenland zu entrichten.

Zent von lat. centum, ursprünglich Verwaltungsbezirk (Hundertschaftsbezirk) eines königlichen Beamten, in Spätmittelalter und Frühneuzeit in der Kurpfalz rechts des Rheins und den angrenzenden Regionen Bezeichnung für (Hoch-) Gerichtsbezirk (Zentgericht).

Zensit von lat. census, Abgabenpflichtiger.

Zugesetzt mit Stein oder anderem Werkstoff verschlossene bauliche Öffnung.

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