Oberst Erich Blankenhorn (1878–1963) - Polizeioffizier und Förderer des Sports

Geräteturnen der Einsatzbereitschaft Heidelberg. Quelle LABW (StAF T1 Blankenhorn E 78) Nr. 30
Geräteturnen der Einsatzbereitschaft Heidelberg. Quelle LABW (StAF T1 Blankenhorn E 78 Nr. 30)

Eine Demokratie ohne Demokraten, so bezeichneten schon Zeitgenossen die Republik von Weimar. Doch mangelte es dem neuen Staatsgebilde nicht nur an demokratischen Akteuren, sondern im gleichen Maße an demokratischen Institutionen. Wesentliche Bereiche der politischen Daseinsvorsorge – Verwaltung, Justiz, Parteien, Militär – verharrten in den obrigkeitlichen Denkmustern des wilhelminischen Kaiserreichs, sehnten die vermeintlich geordneten Verhältnisse der Vorkriegszeit herbei und verhielten sich entsprechend distanziert zum neuen Verfassungsstaat. Nur wenige Personen an entscheidenden Positionen waren bereit, an seiner Konsolidierung mitzuarbeiten. Dazu zählte sicherlich Erich Blankenhorn. Der am 14. März 1878 in Karlsruhe als Sohn des Weingutsbesitzers und Gründers des Önologischen Instituts der Universität Karlsruhe Adolph Blankenhorn Geborene hatte nach seinem Abitur die Offizierslaufbahn beim Leibdragoner- Regiment in Karlsruhe eingeschlagen. Im 1. Weltkrieg in verschiedenen Generalstäben tätig, wurde Major Blankenhorn nach Kriegsende von der neuen Staatsregierung mit dem Aufbau einer kasernierten Sicherheitspolizei beauftragt. Ihr kam die Aufgabe zu, in dem durch den Versailler Friedensvertrag weitgehend entmilitarisierten Baden die öffentliche Ruhe und Ordnung sicher zu stellen. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm, aus demobilisierten Soldaten sowie aus den Mitgliedern der sich am Kriegsende gebildeten Volkswehreinheiten eine geordnete Polizeitruppe zu bilden, die in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Müllheim und Pforzheim kaserniert wurde. Dies war die Geburtsstunde der bis heute existierenden Bereitschaftspolizei, die als Polizeiabteilung in das badische Innenministerium eingegliedert war und dem Polizeiobersten Erich Blankenhorn bis 1933 unterstand. Erste Einsätze ließen nicht lange auf sich warten. Ob beim Kapp-Putsch oder bei den oberbadischen Unruhen in Lahr, Lörrach und anderen Orten im Jahre 1923, in Erich Blankenhorn und seiner kasernierten Sicherheitspolizei fand die badische Regierung loyale Unterstützer bei der Sicherung der demokratischen Ordnung.

Die körperliche Fitness für diese Aufgabe erhielten die Einsatzbeamten bei einem ausgedehnten Sportprogramm, das Teil ihrer Aus- und Fortbildung wurde. Blankenhorn, selbst begeisterter Sportler, wurde zum Mentor des badischen Polizeisports, initiierte die Gründung zahlreicher Polizeisportvereine, organisierte Wettkämpfe und Meisterschaften und stand ebenfalls bis 1933 an der Spitze des Badischen Polizeisportverbandes. Blankenhorn bekannte sich zur demokratischen Staatsform. Im März 1933 versuchte er, das Hissen von NS-Flaggen auf Karlsruher Dienstgebäuden zu verhindern, woraufhin er von den neuen Herren in den Ruhestand versetzt wurde.

Sein Nachlass im Staatsarchiv Freiburg enthält wichtige Quellen zur Organisationsgeschichte der badischen Polizei zwischen 1919 und 1933 sowie eine für Baden wohl einzigartige Sammlung zum Polizeisport und der Sportbewegung in der Weimarer Republik. Vor allem die knapp 1.900 Fotos geben neben dem Alltagsleben der badischen Polizei auch die politische und soziale Wirklichkeit der Weimarer Republik wieder. Besonders erwähnenswert sind dabei die Bilder von der Beerdigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert 1925 in Heidelberg. Der gesamte Nachlass ist nunmehr erschlossen und ist mit den digitalisierten Fotos im Online-Angebot des Landesarchivs Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, einsehbar. (Link)

Der 1952 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnete Erich Blankenhorn verstarb am 15. Januar 1963 in Badenweiler.

Kurt Hochstuhl

Quelle: Archivnachrichten 43 (2011), S.24.