Geschichte der Universität Stuttgart

Die Universität Stuttgart wurde im Jahr 1829 als „Königliche Real- und Gewerbeschule“ gegründet, zu einer Zeit, als in Deutschland die Vorläufer der meisten späteren technischen Hochschulen entstanden. Diese Schule entwickelte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten zur Polytechnischen Schule (1840) mit akademischer Selbstverwaltung (1862), zum Polytechnikum (1876) und zur „Technischen Hochschule“ (1890) im Universitätsrang. Neben der Mathematik als früher Leitwissenschaft wurden Chemie, Physik, die Geo- und Biowissenschaften sowie die Ingenieurwissenschaften Architektur, Bauingenieur- und Vermessungswesen, Maschinenbau, Elektrotechnik und seit 1911 Luftfahrttechnik gelehrt.

Von anfangs 57 Schülern wuchs die Zahl der Studierenden bis 1903 auf 969. Gleichzeitig fand eine deutliche Internationalisierung statt: Kamen in der Mitte der 1850er Jahre fast 90 Prozent der Schüler aus Württemberg, so stieg der Anteil der Studenten aus den nichtdeutschen Ländern Europas und aus Übersee bis 1879 auf 24 Prozent. Ab 1905 waren Frauen zum Studium zugelassen. Nach jedem Weltkrieg verdoppelte sich die Studentenzahl (1921: 2.093; 1947: 4.132). Neben den Materialwissenschaften entstanden nach dem Ersten Weltkrieg Schwerpunkte in der Motorentechnik sowie in der Architekturlehre.

Während der NS-Zeit wurden etwa ein Zehntel der Professoren und Assistenten aus rassistischen Gründen oder als Gegner des NS-Regimes amtsenthoben, etwa 1,5 bis 2 Prozent der Studierenden schikaniert oder relegiert. Die wissenschaftliche Arbeit wurde in fast allen Disziplinen auf Rüstungs- und Autarkieforschung fokussiert, für deren Zwecke während des Zweiten Weltkriegs auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt wurden.

Eine Zäsur bildete das Jahr 1944, als bei alliierten Bombenangriffen auf Stuttgart 75 Prozent des Gebäudebestands zerstört wurden. Hierbei wurden fast alle Akten und Unterlagen der Technischen Hochschule Stuttgart vernichtet, darunter die Matrikelbücher, die Personalakten der Professoren und Mitarbeiter/innen und der Studierenden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Beschaffung von Großrechenanlagen die Grundlage für den weiteren aktuellen Schwerpunkt Simulationstechnologie gelegt. Ab 1957 entstand in Stuttgart-Vaihingen ein zweiter Campus vor allem für die technischen Institute. In den 1960er-Jahren erfolgte der Ausbau der Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der Informatik.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen in den 1960er- und 1970er-Jahren, insbesondere der enorme Anstieg der Studierendenzahl, führten zu zahlreichen Organisationsänderungen und zum weiteren Ausbau der Technischen Hochschule zur Universität Stuttgart (1967). Aktuell (Wintersemester 2020/21) studieren ca. 24.000 Studierende in 73 Bachelorstudiengängen und in 95 Masterstudiengängen an der Universität Stuttgart mit ihren ca. 5.300 Beschäftigten.

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