Die Zähringer

Stifterbild im Chor der spätgotischen Peterskirche in Weilheim (FaBi Kreisbeschreibung ES)
Stifterbild im Chor der spätgotischen Peterskirche in Weilheim (Landesarchiv BW FaBi Kreisbeschreibung ES)

Neben dem weitgehend landfremden schwäbischen Herzogshaus ragten in Südwestdeutschland während des 10.-12. Jahrhunderts vor allem drei große Familien, die Salier, die Welfen und die Zähringer, hervor. Das Geschlecht der Zähringer dürfte aus der im kernalemannischen Raum sehr weit verzweigten Familie der Bertholde abzuleiten sein. Ihre Ahnentafel lässt sich einigermaßen sicher auf den Breisgaugrafen Berthold-Bezelin (962) und seinen gleichnamigen Nachfolger zurückführen. Unsicher ist die Identität eines dieser Bertholde mit dem Gründer des Klosters Sulzburg 993. Außer Sulzburg lässt sich kein sonstiger früher Allodialbesitz der Familie im Breisgau nachweisen, noch lag der Schwerpunkt östlich des Schwarzwaldes auf der Baar und um Weilheim an der Teck. Unter Heinrich II. erhielten die Zähringer die Vogtei über den Bamberger Besitz in Schwaben. Sie waren außerdem Grafen in der Ortenau und im Breisgau, im Thurgau und im Albgau. 1061 erhielt Berthold I. das wieder einmal vakante Kärnten. Vom Kärtner Herzogtum leiten sich also die Herzogstitel aller drei in Südwestdeutschland außerhalb des Stammesherzogtums zu dieser Würde aufgestiegenen Geschlechter ab. Bertholds jüngster Sohn Berthold II. war während des Investiturstreits Gegenherzog von Schwaben geworden. 1098 mit dem Kaiser wieder ausgesöhnt, nannte er sich nach seiner wohl kurz zuvor errichteten reichslehnbaren Burg Zähringen im Breisgau.

Rotulus Sanpetrinus aus dem Kloster St. Peter im Schwarzwald, 12. Jahrhundert (GLA G St. Peter Nr. 118)
Rotulus Sanpetrinus aus dem Kloster St. Peter im Schwarzwald, 12. Jahrhundert (Landesarchiv BW GLAK G St. Peter Nr. 118)

Von der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts an wurde der zähringische Herrschaftsbereich durch intensive Kolonisation im Schwarzwald und durch die Ansetzung von aus der schwäbischen Heimat stammenden Ministerialen im Breisgau wesentlich verstärkt.

Die Zähringer konnten sich, begünstigt durch die landschaftlichen Barrieren im südwestdeutschen Raum, zunächst unabhängig von staufischem Einfluss erhalten. Zu ihrem Herzogstitel hinzu hatten sie 1090 das Erbe des mit ihnen verschwägerten Rheinfeldener Hauses am Hochrhein und in der Nordschweiz übernommen. König Lothar konnte auf sie beim Kampf um seine Anerkennung im Südwesten zählen und verlieh 1127 an Herzog Konrad von Zähringen das Rektorat Burgund. Gerade Konrad scheint der bedeutendste Territorialpolitiker unter den Zähringern gewesen zu sein. Er ist der Gründer der Stadt Freiburg und wahrscheinlich auch von Villingen und Offenburg.

Das Kloster St. Peter im Schwarzwald, 1812: Das Bild gibt den Zustand des Klosters im 18. Jahrhundert wieder (GLA 14/4)
Das Kloster St. Peter im Schwarzwald, 1812: Das Bild gibt den Zustand des Klosters im 18. Jahrhundert wieder (Landesarchiv BW GLAK 14/4)

Unter ihm gelang die fast vollständige Erfassung des Schwarzwaldes meist aufgrund zähringischer Vogteirechte über die Reformklöster, besonders St. Peter und St. Blasien. Als Rodungsland bot das Gebirge den Ansatz zu einer einheitlichen Gebietsherrschaft. Doch selbst der neue Reichtum durch den Bergbau konnte diese Rodungsgebiete in ihrem Wert noch nicht mit den Altsiedellandschaften gleichstellen, und so wird man den eigentlichen Machtbereich der Zähringer doch im Breisgau und in der Ortenau sowie in der Schweiz suchen müssen, während der innerschwäbische Besitz damals kaum mehr eine Rolle spielte. Dies zeigt sich auch in der Verlagerung der Ministerialität aus den Stammlandschaften an den Oberrhein. Nur mit Vorsicht wird man diesen zähringischen Machtbereich schon als Vorläufer des modernen Flächenstaates ansehen dürfen. Er konnte in seiner Gesamtheit diese Entwicklung nicht antreten, weil 1218 das zähringische Haupthaus im Mannesstamm ausstarb, bereits vorher hatte sich die markgräfliche Seitenlinie und um 1187 die der Herzöge von Teck (erloschen 1439) abgespalten. Zwischen ihr und den Grafen von Urach-Fürstenberg fand jetzt eine Teilung statt, doch verstand es König Friedrich II., altes Reichsgut und was auf der Vogtei über den Bamberger Besitz beruhte, wieder an sich zu ziehen. Die schon früh erkennbare Zersplitterung des südwestdeutschen Raumes schien noch einmal aufgehalten.  

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)