Fürstpropstei Ellwangen

Kaiser Ludwig der Fromme nimmt 814 mit dieser Urkunde das Kloster Ellwangen in seinen Schutz (HStAS H 51 U 2)
Kaiser Ludwig der Fromme nimmt 814 mit dieser Urkunde das Kloster Ellwangen in seinen Schutz (Landesarchiv HStAS H 51 U 2)

Noch mehr als bei vielen geistlichen Fürstentümern hat für Ellwangen die erste Ausstattung schon den Grund des späteren Territoriums gelegt. Hier handelte es sich weitgehend um durch Rodung zu erschließendes Waldgebiet beiderseits der Jagst, aus dem eine einheitliche Gebietsherrschaft nahezu zwangsläufig entstehen musste. Aber erst 1024 wurde dieser Wald Virgunda vom Kaiser zu einem Bannforst des Klosters gemacht, und sicher hatten sich neben dem Kloster schon damals auch Adlige darin festgesetzt, wie das auch später der Fall sein sollte. Endgültig verloren ging der Westen des Virngrunds, während er sonst mit Ausnahme der nur im 14. Jahrhundert kurzfristig zurückerworbenen Herrschaft Adelmannsfelden gehalten werden konnte. Vögte des Klosters waren die Grafen im Riesgau und in ihrer Nachfolge die Grafen von Öttingen. Die Stadtwerdung Ellwangens um 1200 steht in der Spannung zwischen Abt und Vogt. Die Auseinandersetzung zog sich durch das ganze 13. Jahrhundert. 1279 zerstörten die Öttinger die Burg des Abtes in Ellwangen, aber um diese Zeit hatten sie ihren Einfluss auf das Klostergebiet mit Ausnahme der Stadt und ihrer nächsten Umgebung bereits verloren. Die letzten öttingischen Rechte in der Stadt erwarb der Abt 1381. Damals, in einer Phase des Niedergangs der öttingischen Macht, die zuvor das Klostergebiet von drei Seiten her umklammerte, bot sich für Ellwangen die Gelegenheit zu einer Erwerbspolitik. Sie konnte nur wenig genutzt werden, weil das Kloster sich bald stark verschuldet hatte und als ausgesprochenes Adelskloster auch in einer geistigen Krise steckte. Der Niedergang schritt im 15. Jahrhundert voran. 1460 wurde Ellwangen in ein weltliches Stift mit 22 Pfründen, darunter zehn Kapitelsvikare, umgewandelt. Der Dualismus von Abt und Konvent, der sich besitzrechtlich schon im 9. Jahrhundert feststellen lässt, setzte sich als solcher zwischen Fürstpropst und Kapitel fort. Das Kapitel mit eigenen Dörfern unter einem Kapitelsoberamt, das nur der Landeshoheit des Propstes unterstand, übte gegenüber dem Propst in etwa auch die Funktionen der im Territorium nicht ausgebildeten Landstände aus. Es hatte alle Steuern zu bewilligen und konnte, nachdem seine Stellung ab 1552 durch Wahlkapitulationen gesichert war, auch die Steuerverwaltung zur Hälfte an sich ziehen. Aufgrund der wieder geordneten Finanzen gelang der Neuerwerb von drei Ämtern. Zu den bisherigen alten Klosterämtern Ellwangen, Bühlertann und Kochenburg kamen hinzu Rötlen (1517), Wasseralfingen (1545) und Wöllstein-Heuchlingen (1585/1609). Auf geistlichem Gebiet gab es stets Auseinandersetzungen um die Exemtion von der Jurisdiktionsgewalt des Augsburger Bischofs. Sie wurde de facto weitgehend erreicht. Die Reformation konnte in der Stadt rasch unterdrückt werden. Die katholische Reform war stark von den Jesuiten geprägt, Petrus Canisius wirkte zeitweilig in Ellwangen. Für kurze Zeit wurde die Fürstpropstei als schwedische Kriegsbeute (1632/34) an Kraft von Hohenlohe überlassen.

Besitzungen des Chorherrenstifts Ellwangen auf einer Karte von E. Seefriedt, 1602 (HStAS C 3 Bü 877)
Besitzungen des Chorherrenstifts Ellwangen auf einer Karte von E. Seefriedt, 1602 (Landesarchiv HStAS C 3 Bü 877)

Von 1689 an war die Würde des Fürstpropstes in Ellwangen an andere Kirchenfürsten vergeben, zunächst an die beiden Pfalzgrafen Ludwig Anton und Franz Ludwig, gleichzeitig noch Hoch- und Deutschmeister und Fürstbischöfe in Worms, Franz Ludwig auch in Trier, dann in Mainz. 1736-1756 regierte der Trierer Erzbischof Franz Georg von Schönborn und 1777-1802 der Trierer und Augsburger Bischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Diese Verbindung brachte der Fürstpropstei einen Zug ins Große, der sich nicht nur in künstlerischer Hinsicht bemerkbar machte. Auch die Verwaltung wurde moderner gestaltet und die Wirtschaft, besonders die Waldwirtschaft, durch zahlreiche Reformmaßnahmen gefördert.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

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