Ambrosius Fütter: Porträt von Martin Luther (1530)

Ambrosius Fütter: Porträt von Martin Luther
Porträt von Martin Luther , Quelle: Deutschhauskirche Würzburg

Die kleine Holztafel mit einem Porträt von Martin Luther ist ein wahrer Zufallsfund: 2015 bei einer Stadtführung in Würzburg in der Sakristei der evangelischen Deutschhauskirche entdeckt, schenkte man ihr zunächst keine Beachtung. Später stellte sich heraus, dass das Bild ein bis dahin unbekanntes Original von Ambrosius Fütter – einem nach derzeitigem Kenntnisstand anderweitig nicht dokumentiertem Maler – aus dem Jahr 1530 war.

Auftraggeber des Tafelgemäldes war der fuggerische Bergmeister in Schwaz in Tirol. Dies belegt die rückseitig angebrachte Inschrift mit dem Wortlaut: Das ißt des martinus Lutter getreu gebild / nüs wie maister hopffer bei sein leben hat / gschaffet nach ihmen dieß hat gemacht / Ambrosius fütter dem fuggerischen berg / maister ze schwatz. a. d. MDXXX. / Daß Gott mir helf!

Fütter verleiht in dem Text der Annahme Gewicht, dass der Schöpfer seiner Vorlage das Bildnis des Reformators »bei sein Leben«, also »nach dem Leben« geschaffen hat. Mit diesem feststehenden rhetorischen Ausdruck konnte in der Frühen Neuzeit auch der bloße Anschein von Unmittelbarkeit und Lebendigkeit gemeint sein, der nicht zwingend mimetische Naturabschilderung einschloss, sondern zu dieser in einem Spannungsverhältnis stand. Der künstlerische Anspruch bestand darin, eine Person so darzustellen, dass sie lebendige Präsenz im Bild gewann.

Die Besonderheit das Gemäldes besteht zudem darin, dass Fütter Martin Luther mit einem Strahlenkranz darstellte, den er in Goldgrund rückübersetzte. Dieser war aufgrund seiner Eigenschaft, Licht in hohem Maße zu reflektieren, seit frühchristlicher Zeit in Mosaiken, Wandgemälden und Buchmalerei zur Darstellung von göttlichem Licht genutzt worden. Auf dieser metaphysischen Deutungsebene spielte neben der Kostbarkeit des Materials das damit verbundene Prestige eine nicht unbedeutende Rolle. So zeichnete das Material Darstellungen von Herrschern ebenso aus, wie es für die Gestaltung von Heiligenscheinen genutzt wurde. Erstaunlich ist Fütters Rückgriff auf diese tradierte Bildsprache zu einem Zeitpunkt, an dem im katholischen Kontext der Goldgrund nicht mehr für Darstellungen dieser Thematik verwendet wurde.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier: www.reformation-in-wuerttemberg.de