Die Entwürfe des Architekten Martin Elsaesser für den Fürsten von Hohenzollern 1948

Entwurf für den Neubau eines Landsitzes in Hohenzollern – Quelle LABW (StAS FAS P 555/1)

Entwurf für den Neubau eines Landsitzes in Hohenzollern – Quelle LABW (StAS FAS P 555/1) 

Für viel Furore hatte zu Beginn unseres Jahrtausends ein geplanter Neubau für die Zwecke der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gesorgt, in den die Frankfurter Gemüsekirche, also die 1928 errichtete Großmarkthalle, integriert werden sollte. Die Erben von Martin Elsaesser (1884–1957), der das Frankfurter Stadtbild in der Weimarer Zeit entscheidend mitgeprägt hatte, sahen jedoch durch den geplanten Abriss einiger Nebengebäude das Urheberrecht des Stararchitekten verletzt. Den anschließenden Rechtsstreit beendeten die Parteien 2008 außergerichtlich. Die Einigung sah dabei auch die Gründung der 2009 ins Leben gerufenen Martin-Elsaesser-Stiftung zur Wahrung des Andenkens des aus Tübingen stammenden Architekten vor. Berühmt machten den Schüler Theodor Fischers nach dem Architekturstudium seine Kirchenbauten in Südwestdeutschland in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Neben zahlreichen anderen Gebäuden entwarf er die Stuttgarter Markthalle. Zwischen 1920 und 1925 wirkte er in Köln. Die Frankfurter Jahre von 1925 bis 1932 dürften als seine erfolgreichsten gelten. Still wurde es um ihn in der Zeit des Nationalsozialismus, in der sein Baustil nicht gefragt war. Er verbrachte diese Jahre, in denen von seinen zahlreichen Entwürfen zu renommierten Bauten lediglich jener für die Sümerbank in Ankara verwirklicht worden ist, in München und Berlin. Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der nach Stuttgart zurückgekehrte, einst gefeierte Architekt nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. 1948 übernahm er die kommissarische Vertretung einer ordentlichen Professur für Entwurf an der TH München, die er bis zu seiner Emeritierung innehatte. Nach Stuttgart zurückgekehrt, starb er am 5. August 1957. 

Im Frühjahr 1948 fertigte Elsaesser für das Fürstenhaus Hohenzollern 26 Pläne zum Umbau des Landhauses in Krauchenwies und 16 Pläne zum Neubau eines Landsitzes in Hohenzollern ohne nähere Ortsidentifikation. Leider hat sich kein Briefwechsel zwischen Martin Elsaesser und der Fürstenfamilie bzw. deren Verwaltung über diese Bauprojekte im Fürstlich Hohenzollernschen Haus und Domänenarchiv erhalten.

Angesichts des noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts beim Wiederaufbau des Schlosses in Sigmaringen bevorzugten Stils des Historismus, erscheinen manche der Entwürfe Elsaessers recht kühn. Vielleicht zu kühn für Hohenzollern. Denn wie die meisten seiner Entwürfe nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weder der Umbau des Krauchenwieser Landhauses noch der Neubau eines Landsitzes in Hohenzollern verwirklicht. In den Unterlagen der Fürstlich Hohenzollernschen Verwaltung über den Umbau des Landhauses Krauchenwies, der sich in den folgenden Jahren im Wesentlichen auf ein paar wenige Modernisierungsmaßnahmen beschränkte, findet sich lediglich ein Schreiben vom 7. September 1948, mit dem ein Stuttgarter Architekt im Auftrag Elsaessers die Originalpläne des Landhauses zurückschickt.

Birgit Meyenberg

Quelle: Archivnachrichten 45 (2012), S.28.