Symbolpolitik

Die Rückgabe der württembergischen Kronjuwelen durch die französische Militärregierung am 10. März 1948

Der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, Lorenz Bock (links), dankt dem Militärgouverneur Guillaume Widmer (rechts im Profil) für die Rückgabe der württembergischen Kronjuwelen. Vorlage: LABW, StAS Wü 2 T 1 Nr. 461 a, Aufnahme: sphod.
Der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, Lorenz Bock (links), dankt dem Militärgouverneur Guillaume Widmer (rechts im Profil) für die Rückgabe der württembergischen Kronjuwelen. Vorlage: LABW, StAS Wü 2 T 1 Nr. 461 a, Aufnahme: sphod. Zum Vergrößern bitte klicken.

Fünf Offiziere der französischen Militärregierung ließen am 29. August 1945 im Tresorraum der Kreissparkasse Biberach an der Riss einen Panzerschrank aufschweißen. Die drei herbeibefohlenen deutschen Amtsträger, unter ihnen Landrat Fritz Erler, hatten den Vorgang zu bezeugen, mussten aber vor der Öffnung der Panzerschranktür den Tresorraum verlassen. Den Inhalt – vier rechteckige Schmuckkästen und einen glockenförmigen Schmuckkoffer – nahmen die Offiziere in Verwahrung und brachten ihn nach Baden-Baden in die dortige Filiale der Deutschen Bank. Der Panzerschrank mit den fünf Behältern war während des Krieges im Auftrag des württembergischen Finanzministeriums aus dem Tresor der württembergischen Landeshauptkasse in Stuttgart nach Oberschwaben verbracht worden. Die Behälter bargen nichts Geringeres als die württembergischen Kronjuwelen, neben der Königskrone das Zepter, die Königinnenkrone, ein Rokokodiadem und weiteres wertvolles Geschmeide.

Schon bald nach der spektakulären Beschlagnahme versuchten die deutschen Landesregierungen in Stuttgart und Tübingen, die Rückgabe des als württembergisches Staatseigentum beanspruchten Kronschatzes zu erwirken. Das französische Oberkommando in Baden- Baden machte die Auslieferung allerdings von dem Ergebnis einer eigentumsrechtlichen Überprüfung abhängig. Nach immer wieder verschobenen Terminen war es am 10. März 1948 endlich soweit. Auf französischer Seite legte man großen Wert auf einen feierlichen Rahmen der Übergabezeremonie und rege Presseteilnahme. Mit einer demonstrativen Geste des guten Willens wollte man ein Zeichen der Entspannung setzen, hatten doch die alliierten Pläne zur Industriedemontage für Empörung in der deutschen Bevölkerung gesorgt und das Verhältnis zur Landesregierung schwer belastet.

Im Grünen Saal des Schlosses Bebenhausen, dem Sitz des Landtags von Württemberg-Hohenzollern, begrüßte Staatspräsident Lorenz Bock mit einigen Mitgliedern der Landesregierung und des Landtags die französische Abordnung unter Guillaume Widmer, Délégué Supérieur für die Militärregierung des französisch besetzten Gebiets von Württemberg.

Staatspräsident Bock betonte in seiner Dankesrede die demokratischen Freiheiten und die Menschenrechte, die niemals mehr in die Ketten des Martyriums gelegt werden dürften und endete mit den Worten: Regierung und Volk von Württemberg-Hohenzollern sind glücklich, in diesen Menschheitsgrundfragen sich eins zu wissen mit der Militärregierung, deren Heimatland die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf seine Fahne geschrieben hat. Für den Militärgouverneur sollte die zurückgegebene Krone die Bewohner Württembergs an den beständigen Sinn für erprobte Werte erinnern, die für ein gesundes politisches Leben bürgen, das sich auf der bewussten Verantwortung eines jeden aufbaut. Die mehr oder weniger offenen Appelle der Ansprachen blieben zunächst ohne die erhoffte Wirkung. Im Sommer trat die Landesregierung aus Protest gegen die französische Demotagepolitik sogar geschlossen zurück. Langfristig aber gehörte die Rückgabe der Kronjuwelen zu jenen symbolträchtigen Gesten, mit der die fruchtbare deutsch-französische Zusammenarbeit insbesondere im Kulturbereich ihren Anfang nahm.

Franz-Josef Ziwes

Quelle: Archivnachrichten 61 (2020), S. 34-35.

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