Feste im Südwesten

Riesenrad aus Holz
Fasnacht Krauchenwies 1928; Hölzernes Riesenrad [Quelle: Landesarchiv BW, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen, Signatur: Nummern: N 1/68 Nr. 885]

Zur Alltagkultur gehört auch das, was den Alltag kurzfristig unterbricht und in den Hintergrund treten lässt: Besondere Tage im Jahreslauf, die meist auf ein gesellschaftliches oder religiöses Ritual oder Ereignis zurückgehen und zu dem sich Menschen an einem Ort zu einem besonderen Zeitpunkt treffen und gesellig sind. Viele regionale und lokale Feste und Bräuche im Südwesten, deren Ursprünge teilweise bis ins Mittelalter zurückreichen, werden noch heute begangen und gepflegt. Diese ungebrochene Bedeutung zeigt, wie wichtig festgelegte Rituale und Bräuche – auch oder vor allem in Zeiten von Globalisierung und multilokalen Lebensweisen – noch sind.

Ein zentrales Element von traditionell geprägten Festen ist die Vergemeinschaftung und die rituelle Zelebrierung oder Darstellung von gemeinsamen Wert- und Normvorstellungen. Ein Blick auf historische Filmaufnahmen aus dem 20. Jahrhundert macht deutlich, dass unsere Fest- und Brauchtumskultur nichts Statisches ist. Ob die Überformung christlicher Ursprünge durch eher profane Inhalte, die politische Vereinnahmung mancher Feste zur Zeit des Nationalsozialismus oder der zunehmende Einfluss von Konsum- und Eventkultur, all das zeigt, dass auch scheinbar traditionelle Feste und Bräuche immer im Wandel begriffen sind.