Flugschriften

von Dominik Wabersich

Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren, Titelblatt der Flugschrift Martin Luthers, Landshut 1525. [Quelle: Bayerische Staatsbibliothek, Res/Germ.sp. 671 n]
Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren, Titelblatt der Flugschrift Martin Luthers, Landshut 1525. [Quelle: Bayerische Staatsbibliothek, Res/Germ.sp. 671 n]

Für die Massenbewegung des Bauernkriegs spielten Flugschriften als Massenkommunikationsmittel eine zentrale Rolle, da sie in großer Auflage gedruckt und verteilt werden konnten. Sie wurden vor allem auf Märkten, in Städten und bei Versammlungen verkauft oder kostenlos verteilt, sodass sie eine breite Leserschaft erreichten, einschließlich derjenigen, die selbst nicht lesen konnten, da die Inhalte oft vorgelesen wurden. Sie dienten insbesondere der Verbreitung von Informationen und der (politischen) Mobilisierung der Bevölkerung.

Die Verfasser der Flugschriften kamen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und positionierten sich teils für, teils gegen die Forderungen der Aufständischen. Einerseits lieferten Theologen wie Thomas Müntzer und Martin Luther Impulse, wobei Luther anfänglich in der Schrift Ermahnung zum Frieden für einige Anliegen der Bauern Verständnis aufbrachte, sich jedoch in Wider die morderischen und reuberischen Rotten der Pawren eindeutig gegen diese stellte.

Zudem fanden die Forderungen der Aufständischen, wie sie in den 12 Artikeln dargelegt wurden, durch Flugschriften mit einer Auflage von über 25.000 Exemplaren eine weite Verbreitung. Viele der Flugschriften wurden in deutscher Sprache sowie in einfacher, verständlicher Form verfasst. Durch die Ergänzung mit Bildern wurden die Anliegen der Aufständischen einer breiten Masse zugänglich gemacht.

Der Diversität der Autoren und Rezipienten geschuldet, behandelten die Flugschriften verschiedene Themen. Viele Texte forderten soziale Gerechtigkeit und bezogen sich auf wahrgenommene Missstände in der Gesellschaft. Andere Flugschriften waren religiös motiviert und argumentierten mit biblischen Bezügen. Neben diesen aufrührerischen Schriften gab es aber auch viele Gegenschriften, die zur Unterwerfung unter die bestehende Ordnung aufriefen oder die Aufständischen diffamierten.

Die wissenschaftliche Untersuchung der Flugschriften zeigt, dass sie ein zentrales Mittel zur Meinungsbildung und politischen Mobilisierung im Bauernkrieg waren. Sie ermöglichten es den Aufständischen, ihre Anliegen einer größeren Öffentlichkeit darzulegen und die Unterstützung in der Bevölkerung zu festigen. Ebenso trugen sie zur Verschärfung der Auseinandersetzung bei, indem sie Polarisierungen verstärkten und die Fronten zwischen Aufständischen und Obrigkeit weiter verhärteten.

Literatur

  • Blickle, Peter, Die Reformation im Reich, Stuttgart 2015.
  • Hermann, Christian, „Flugblattschriften: Das Leitmedium des Bauernkriegs“, in: Wissen teilen 4, Heft 1 (2025), S. 4–7.
  • Maurer, Hans-Martin, „Der Bauernkrieg als Massenerhebung. Dynamik einer revolutionären Bewegung“, in: Bausteine zur geschichtlichen Landeskunde von Baden-Württemberg, Stuttgart 1979, S. 255–295.
  • Oekele, Harry, Die Konfessionsbildung des 16. Jahrhunderts im Spiegel illustrierter Flugblätter, Berlin/New York 1992.
  • Sandl, Marcus, Medialität und Ereignis. Eine Zeitgeschichte der Reformation, Zürich 2011.
  • Scribner, Robert W, „Flugblatt und Analphabetentum. Wie kam der gemeine Mann zu reformatorischen Ideen?“, in: Flugschriften als Massenmedium der Reformationszeit, hg. von Hans-Joachim Köhler, Stuttgart 1981, S. 65–76.

Zitierhinweis: Dominik Wabersich, Flugschriften, in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

Suche

Logo der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart