Die Belagerung Herrenbergs

von Aaron Bauer

Entschädigungsklage der Stadt und des Stifts Herrenberg aufgrund der bei der Verteidigung gegen die aufständischen Bauern entstandenen Schäden, 1527 [Quelle: Landesarchiv BW, HStAS H 54 Bü 30]
Entschädigungsklage der Stadt und des Stifts Herrenberg aufgrund der bei der Verteidigung gegen die aufständischen Bauern entstandenen Schäden, 1527 [Quelle: Landesarchiv BW, HStAS H 54 Bü 30]

Die württembergische Stadt Herrenberg war im Frühjahr 1525 gleich zweimal in militärische Auseinandersetzungen verwickelt: Nachdem sie Herzog Ulrich Zuflucht gewährt hatten, mussten sich die Bewohner Herrenbergs dem Schwäbischen Bund ergeben, ihre Waffen abgeben und Brandschatzung und Reparationen in Höhe von bis zu 14.000 Gulden bezahlen.

Knapp zwei Monate später befanden sich aufständische Bauern in der Gegend um Herrenberg. Ab dem 6. Mai stand für die Stadtbevölkerung fest, dass die Bauern nicht in friedlicher Absicht in der Gegend waren, weshalb sie sich auf eine Belagerung vorbereitete. Zu diesem Zeitpunkt lag noch ein 300 Mann starkes Fähnlein bayerischer Knechte in der Stadt, das der Schwäbische Bund dort stationiert hatte und das bereit war, die Verteidiger Herrenbergs zu unterstützen.

Die Herrenberger nahmen an, sie hätten es nur mit den Aufständischen aus dem Schwarzwald zu tun. Tatsächlich hatten sich diese aber mittlerweile mit den württembergischen Aufständischen vereinigt, sodass sich die Herrenberger rund 15.000 bewaffneten Aufständischen gegenübersahen.

Ohne um das tatsächliche Ausmaß der Bedrohung zu wissen, wurden Eilboten an das Bundesheer unter Georg Truchsess von Waldburg entsandt. Dieses lagerte zu diesem Zeitpunkt im Süden des Schönbuchs bei Wurmlingen und konnte seinen Landsknechten keinen Sold mehr auszahlen.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai forderten die Bauernführer Hans Wunderer und Matern Feuerbacher die Herrenberger in einem Schreiben zur Öffnung ihrer Stadttore auf. Der Stadtrat zögerte eine Entscheidung jedoch bis zum nächsten Morgen hinaus, in der Hoffnung, das Bundesheer möge jeden Moment eintreffen.

Am Morgen erkannten die Verteidiger Herrenbergs, dass die Stadt eingeschlossen war; die Tore blieben dennoch geschlossen. Feuerbacher, der zunächst eine friedliche Lösung erreichen wollte, wurde im Kriegsrat der Bauern von Wunderer und den Aufständischen aus dem Schwarzwald überstimmt.

Die Bauern machten sich bereit zum Sturm: im Westen die Schwarzwälder, auf dem Schlossberg der Gewaltige Haufen und im Süden der Verlorene Haufen. Am Vormittag unternahmen die Bauern zwei erfolglose Versuche, in die Stadt zu gelangen. Am Nachmittag konnten sie bei einem dritten Angriff Teile der Stadt in Brand stecken und ein Tor sprengen, was die Verteidiger schließlich zur Aufgabe zwang.

Die Bauern plünderten in der Folge die Stadt und ihre Verteidiger, wobei insbesondere die Propstei schwer beschädigt wurde. Der entstandene Schaden wurde später von Stadt und Stift auf knapp 5.000 Gulden geschätzt. Während im Zuge der drei Angriffswellen gegen die Stadt knapp 200 Aufständische gefallen waren, blieben die Verteidiger weitestgehend unversehrt.

Nachdem die Nachricht vom Fall Herrenbergs das Bundesheer erreicht hatte, änderte sich dort die Stimmung: Statt weiter auf einer sofortigen Auszahlung des Solds zu bestehen, setzte sich das Heer wieder in Bewegung und traf am 10. Mai südlich von Herrenberg bei Haslach ein. Eine von den Bauern errichtete Wagenburg vor der Stadt ließ den Truchsess von Waldburg mit einem direkten Angriff zögern. Um die Bauern unter Druck zu setzen, ließ er die Dörfer in der Gegend um Herrenberg plündern.

Die Bauern fürchteten sich vor allem vor den zahlreichen Geschützen des Bundesheeres. Daher gaben sie nach Einbruch der Nacht ihre Stellungen in und um Herrenberg wieder auf und zogen sich nach Böblingen und Sindelfingen zurück. Dort sollte es am 12. Mai zur Entscheidungsschlacht kommen.

Da die Bewohner Herrenbergs den aufständischen Bauern Widerstand geleistet hatten, wurden ihnen die eingangs erwähnten rund 14.000 Gulden an Reparationszahlungen und Brandschatzung vom Schwäbischen Bund erlassen. Der 8. Mai wurde für die Herrenberger Bürger und das Stift zum Gedenktag, an dem sie fortan dem Erzengel Michael für den vergleichsweise milden Ausgang des Angriffs auf ihre Stadt dankten.

Quellen

  • Der schreiber des truchsessen Georg von Waldburg, in: Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben, hg. von Franz Ludwig Baumann, Tübingen 1876, S. 525-612.

Literatur

  • Scholz, Günter, Der deutsche Bauernkrieg von 1525, in: Böblingen. Vom Mammutzahn zum Mikrochip, hg. von Sönke Lorenz und Günter Scholz, Böblingen 2003, S. 179-189.
  • Zinser, Richard, Herrenberg im Bauernkrieg, in: Festschrift zur 700 Jahrfeier der württembergischen Oberamtsstadt Herrenberg, Herrenberg 1929, S. 69-75.

Zitierhinweis: Aaron Bauer, Die Belagerung Herrenbergs, in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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