Florian Geyer von Giebelstadt (geb. um 1490, gest. 10. Juni 1525)
von Aaron Bauer und Magnus Haußmann
Florian Geyer stammte aus dem fränkischen Adelsgeschlecht Geyer von Giebelstadt, das über Besitztümer vor allem im Raum um Würzburg verfügte. Nach dem Tod seines Vaters und zweier älterer Brüder wurde Florian Geyer bereits in jungen Jahren zum Alleinerben dieser Besitztümer.
In den Jahren 1512/13 reiste er aus nicht näher bekannten Gründen nach England. 1517 wurde er im Zuge eines Zinsstreits mit dem Würzburger Stift Neumünster exkommuniziert: Geyers Familie habe dem Stift Geld geschuldet, aus einer Ackerpfändung von 1160, wofür er jedoch nicht aufkommen wollte. Sein restliches Leben blieb Florian Geyer im Kirchenbann.
Florian Geyer vor dem Bauernkrieg
Laut der Lebensbeschreibung des Götz von Berlichingen fungierte Florian Geyer 1519 als ein Unterhändler des Schwäbischen Bundes, als von Berlichingen in seiner Funktion als württembergischer Vogt die Burg Möckmühl hielt: Namentlich forderten Johann von Hattstein, Hans von Ehrenberg und Florian Geyer ihn dazu auf, seine Stellung aufzugeben, sie wollten ihn und seine Truppen „frey […] abziehen lassen“[1]. Dazu kam es jedoch nicht, sodass Götz von Berlichingen schließlich in Gefangenschaft geriet.
Ab Ende 1519 beteiligte sich Florian Geyer dann am Krieg des Deutschen Ordens gegen das Königreich Polen. Nachdem die Kampfhandlungen 1521 endeten, blieb Geyer im Dienst des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg-Ansbach, dem späteren Herzog von Preußen, und fungierte als dessen Gesandter am Kaiserhof in den Niederlanden sowie in Dänemark.
Beim Reichsregiment in Nürnberg 1522 war er ebenso anwesend wie beim Adelstag in Schweinfurt am 26. Januar 1523. Vermutlich begleitete er Albrecht von Brandenburg-Ansbach auch nach Wittenberg zu einem Gespräch mit Martin Luther. 1524 kehrte Geyer in seine fränkischen Besitztümer zurück.
Geyers Anschluss an die Sache der Bauern
Florian Geyer wurde als einziger Adeliger bekannt, der sich der Sache der aufständischen Bauern freiwillig anschloss. Dazu hatten ihn wohl die Eindrücke, die er auf seinen Reisen in und außerhalb des Reichs gewinnen konnte, bewegt. Vor allem am adligen Fehdewesen, das in Geyers fränkischer Heimat noch bis ins 16. Jahrhundert hinein in besonderem Maße praktiziert worden war, soll er sich gestört haben.
Inwiefern seine Beweggründe mit denen des „Gemeinen Mannes“ übereinstimmten, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Anders als bei Götz von Berlichingen oder auch Herzog Ulrich scheint das Verhältnis zwischen Florian Geyer und den Bauern aber von gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen zu sein, denn nachdem er sich Mitte April 1525 dem Taubertaler Haufen angeschlossen hatte, kam Geyer die vorrangige Rolle eines Sprechers und Unterhändlers der fränkischen Aufstandsbewegung zu.
Florian Geyer im Bauernkrieg
Während des Bauernkriegs trat Geyer aber keineswegs nur als Unterhändler der Bauern in Erscheinung, sondern auch als militärischer Führer. Die Odenwälder und Taubertaler Bauern machten ihn zum Hauptmann, wobei Geyers „Schwarzer Haufen“, eine von ihm rekrutierte und ausgerüstete Truppe, maßgeblich zur militärischen Schlagkraft der Aufständischen in Franken beitrug. Unter Geyers Führung konnten die Bauern die neun kurmainzischen Städte im Odenwald (Amorbach, Aschaffenburg, Buchen, Dieburg, Kühlsheim, Miltenberg, Seligen-stadt, Tauberbischofsheim und Walldürn) sowie die markgräflich-brandenburgische Stadt Kit-zingen und die Reichsstadt Rothenburg zum Bündnis zwingen.
Bei der mehrwöchigen Belagerung der Würzburger Festung Marienberg im Mai 1525 soll der Schwarze Haufen zwei erfolglose Sturmangriffe unternommen haben. Von den fehlschla-genden Versuchen zurückgeworfen – es wurde auch erfolglos versucht, die Festungsmauern zu untergraben – blieb dem von Götz von Berlichingen geführten fränkischen Bauernheer nur die Fortführung der Belagerung. Als Ende Mai das Bundesheer unter Georg Truchess von Waldburg aus Richtung Weinsberg und ein Heer des Pfalzgrafen Ludwig V. gegen Würzburg heranzogen, sahen sich die Bauern zum Rückzug von der Festung gezwungen.
Während Götz von Berlichingen in dieser Situation das fränkische Bauernheer verließ, setzte sich Florian Geyer weiter für die Sache der Aufständischen ein und wollte sich Anfang Juni 1525 in Rothenburg mit dem brandenburgischen Markgrafen Kasimir zu Verhandlungen treffen. Er weilte demnach in Rothenburg, als das fränkische Bauernheer am 2. Juni und 4. Juni bei Königshofen und Ingolstadt (bei Giebelstadt) endgültig besiegt wurde.
Als die Nachricht von der Niederlage der Bauern Rothenburg erreichte, wurde Florian Geyer umgehend aus der Stadt geworfen. Er floh in Richtung Norden, wurde am 10. Juni aber unweit von Würzburg von zwei Knechten seines Schwagers Wilhelm von Grumbach er-mordet.
Rezeption Florian Geyers
Neben dem, vor allem durch Goethe verewigten Götz von Berlichingen ist Florian Geyer als einer der zentralen Akteure des Bauernkriegs bekannt. Insbesondere die ideologisierte Verarbeitung seiner Persönlichkeit im Nationalsozialismus und der DDR haben daran ihren Anteil.
Während des Nationalsozialismus wurde Geyer vor allem aufgrund seiner Opposition zur Kirche und als „vorbildlicher Vorkämpfer völkisch-sozialen Wesens“, so bezeichnete ihn 1943 der Leipziger Kunsthistoriker Ottogerd Mühlmann, überhöht. Zudem wählte die 8. SS-Kavalleriedivision „Florian Geyer“ als ihren Beinamen, während das Lied „Wir sind des Geyers Schwarzer Haufen“, das die vermeintlichen Taten Geyers im Bauernkrieg besingt, die Kirche und den Adel pauschal als Tyrannen verurteilt und zur Gewalt gegen diese aufruft, Eingang in das Repertoire deutscher Militärlieder fand.
Dieses Lied lebte nach 1945 in beiden deutschen Staaten fort, wobei es in der DDR fester Bestandteil des militärischen Liedguts wurde. Zudem porträtierte die Bauernkriegsgeschichtsschreibung der DDR Geyer verstärkt als den Adligen, der sich solidarisch mit den Bauern verbrüdert hatte und für ihre Interessen in den Krieg gezogen war. Florian Geyers eigentlich recht ungewisse Motive, sich den aufständischen Bauern 1525 anzuschließen, sind damit nicht nur völkisch, sondern auch sozialistisch verklärt worden.
Anmerkungen
[1] Lebens-Beschreibung Herrn Gözens von Berlichingen, S. 145.
Quellen
- Lebens-Beschreibung Herrn Gözens von Berlichingen, hg. von Verono Franck von Steigerwald, Nürnberg 1731, URL: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10915185-6 aufgerufen am: 13.08.2025).
Literatur
- Barge, Hermann, Florian Geyer. Eine biografische Studie, Leipzig/Berlin 1920, URL: https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1250685028#page/6/mode/2up (aufgerufen am: 13.08.2025).
- Der deutsche Bauernkrieg, hg. von Buszello, Horst; Blickle, Peter; Endres, Rudolf, Paderborn u.a. 1995.
- Flurschütz da Cruz, Andreas, „würde er lieber zugesehen haben, daß sie erstochen würden, denn daß er sich mit ihnen verbrüderte“. Florian Geyer von Giebelstadt im Bauernkrieg, in: Bauernkrieg. Regionale und überregionale Aspekte einer sozialen Erhebung, hg. von Kurt Andermann und Gerrit Jasper Schenk, Stuttgart 2024, S. 205-231.
- Franz, Günther, Art. Geyer, Florian, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 357-358, URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz23487.html#ndbcontent (aufgerufen am: 13.08.2025).
Zitierhinweis: Aaron Bauer und Magnus Haußmann, Florian Geyer von Giebelstadt (geb. um 1490, gest. 10. Juni 1525), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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