Hans Wunderer (Lebensdaten unklar)
von Dominik Wabersich
Hans Wunderer aus Pfaffenhofen war im Bauernkrieg ein Hauptmann des Württemberger Haufens. Bereits vor den Ereignissen von 1525 fiel Wunderer durch seinen komplexen Charakter auf. Einerseits war er ein bekannter Kirchenbaumeister, der offenbar an den Kirchen in Pfaffenhofen, Lomersheim, Mühlhausen an der Enz und Zaberfeld mitwirkte. Andererseits deuten zwei im Hauptstaatsarchiv Stuttgart überlieferte Urfehden, die Hans Wunderer im April und Juli 1524 schwören musste, auf seine Bereitschaft zum Ungehorsam und zur Gewalt hin.
Vor dem Zusammenschluss der einzelnen Württemberger Bauernhaufen im April 1525 führte er einen Bauernhaufen an, der sich im Zabergäu nördlich von Stuttgart gebildet hatte. Der Zabergäuhaufen nahm das deutschherrliche Schloss Stocksberg ein, plünderte dieses und brannte es aus. Beim Kloster Maulbronn, das ebenfalls ausgeraubt wurde, kam es zum Anschluss der Bruchrainer Bauern an den Haufen.
Im Zuge des anschließenden Marsches durch das Gebiet im Südwesten von Heilbronn wurden die Städte Brackenheim und Bietigheim zum Anschluss gebracht und das Kloster Rechentshofen geplündert und teilweise verbrannt, ehe sich der Zabergäuhaufen am 22. April mit dem Bottwartaler Haufen zusammenschloss.
Wunderer und Matern Feuerbacher fungierten daraufhin beide als Hauptleute des vereinten Haufens und verdeutlichten in der Führungsposition die politische Bandbreite der Württemberger Bauernhaufen: Wunderer soll mit dem vertriebenen Herzog Ulrich sympathisiert haben und eher radikal gewesen sein, während Feuerbacher der österreichischen Regierung Württembergs nahegestanden haben und „Verfechter einer gemäßigten Linie“[1] gewesen sein soll.
Unter der gemeinsamen Führung Wunderers und Feuerbachers brachte der Württembergische Haufen Stuttgart unter seine Kontrolle. Ein weiterer Marsch in die Region südöstlich von Stuttgart brachte weitere Bauernhaufen zum Anschluss. Vor den heranrückenden Truppen des Schwäbischen Bundes zogen sich die württembergischen Bauern an den westlichen Rand des Schönbuchs zurück, wo sie erfolgreich die Stadt Herrenberg belagerten. Hans Wunderer soll hierbei auf eine Erstürmung der Stadt gedrängt und sich damit gegen Feuerbachers Streben nach einer friedlichen Lösung durchgesetzt haben.
Als sich nach der Plünderung Herrenbergs das Bundesheer wieder in Bewegung setzte, zogen sich die Bauernhaufen weiter in Richtung des nördlich gelegenen Böblingens zurück, wurden dort allerdings gestellt und militärisch geschlagen. Die Anführer der Bauernhaufen wurden sofort durch Hinrichtung bestraft, Hans Wunderer konnte vermutlich entkommen, denn über seine Hinrichtung ist nichts bekannt. Nach seiner Flucht ist er in den Quellen allerdings nicht mehr zu fassen.
Anmerkungen
[1] Ulbrich, Oberschwaben und Württemberg, S. 124.
Quellen
- Hans Wunderer von Pfaffenhofen schwört Urfehde, 2. April 1524, Landesarchiv BW, HStAS A 44 U 1587, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1070769 (aufgerufen am: 27.03.2025).
- Hans Wunderer von Pfaffenhofen schwört Urfehde, 28. Juli 1524, Landesarchiv BW, HStAS A 44 U 1588, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1070770 (aufgerufen am: 26.03.2025).
- Hans Wunderer von Pfaffenhofen schwört Urfehde, 5. April 1525, Landesarchiv BW, HStAS A 44 U 2465, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1161161 (aufgerufen am: 27.03.2025).
- Hans Wunderer wird als Hauptmann der christlichen Versammlung der Bauernschaft im württembergischen Land zur Erstattung von Schäden aufgefordert, 1525, Landesarchiv BW, HZAN GA 70 Bü 28,1, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=3-64621 (aufgerufen am: 27.03.2025).
Literatur
- Ehmer, Hermann, Württemberg, in: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500–1600, Bd. 5: Der Südwesten, hg. von Anton Schindling und Walter Ziegler, Münster 1993 (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung, Bd. 53), S. 168–192.
- Franz, Günther, Der Deutsche Bauernkrieg, Darmstadt 1975.
- Jachenau, Conrad von, Der Deutsche Bauernkrieg für den Mittelstand geschildet in 33 Erzählungen, Rottweil 1847, S. 176f.
- Pantle, Christian, Der Bauernkrieg. Deutschlands großer Volksaufstand, Berlin 2024.
- Schwerhoff, Gerd, Der Bauernkrieg. Eine wilde Handlung, München 2024.
- Ulbrich, Claudia, Oberschwaben und Württemberg, in: Der deutsche Bauernkrieg, hg. von Horst Buszello, Peter Blickle und Rudolf Endres, Paderborn 1984, S. 97–133.
Zitierhinweis: Dominik Wabersich, Hans Wunderer (Lebensdaten unklar), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

leobw