Matern Feuerbacher (geb. vermutlich 1484/85, gest. vor 1567)
von Lea Schneider
Über die Herkunft Matern Feuerbachers, Führer des Hellen Christlichen Haufens in Württemberg, ist nur wenig bekannt. Feuerbacher, der in Bottwar eine Gastwirtschaft betrieb, gehörte mit einem Besitz von 250 Gulden zu den vermögenden Bürgern des Ortes. Gesichert ist auch, dass Feuerbacher, der sogar ein eigenes Siegel führte, lesen und schreiben konnte, auch wenn über seine Schulbildung nichts bekannt ist. Nachdem bereits sein Vater und Großvater Gemeindeämter ausgeübt hatten, wirkte auch Matern Feuerbacher im Rat und Gericht von Bottwar und wurde sogar als Vertreter seines Amtes in den Landtag nach Stuttgart geschickt.
Als sich am Ostersonntag des Jahres 1525 auf dem Berg Wunnenstein hunderte Aufständische aus der Umgebung versammelt haben, wählten sie Matern Feuerbacher zu ihrem Hauptmann. Feuerbacher, so seine spätere Aussage vor Gericht, wollte die Wahl zunächst nicht annehmen – im Gegenteil: Er sei eigentlich nur auf den Wunnenstein gezogen, um die Aufständischen zum Rückzug zu bewegen. Einerseits habe er den Unmut über die angeprangerten Missstände geteilt, andererseits sei er Gewalthandlungen ablehnend gegenübergestanden. Schließlich stellte sich Feuerbacher dann doch als Hauptmann zur Verfügung, um zumindest den Anschluss an die Weinsberger zu verhindern, die just durch die sogenannte Weinsberger Bluttat einen neuen Höhepunkt der Gewalt gesetzt hatten.
Feuerbacher begann zuerst mit der Organisation des Haufens und ließ noch auf dem Wunnenstein die Forderungen niederschreiben. Um diesem Ansinnen Gehör zu verschaffen, trat er bald in Verhandlungen mit der Landschaft. Doch die Ungeduld der Aufständischen führte dazu, dass sich der Haufen noch während der laufenden Verhandlungen auf seinen Marsch durch das Land aufmachte. Damit war eine konsensuale Lösung gescheitert.
Die Aufständischen zogen zuerst nach Lauffen, wo sie sich mit dem von Jäcklein Rohrbach geführten Haufen vereinigten, um danach wieder den Neckar hinaufzuziehen. Bei Löchgau kam es zum Anschluss des Zabergäuer Haufens, der sich von nun an unter der gemeinsamen Führung von Feuerbacher und Hans Wunderer als „Heller Haufen“ bezeichnete. Über Bietigheim schwenkte der Zug zunächst ostwärts nach Horrheim, dann über Vaihingen/Enz Richtung Stuttgart. Die habsburgische Regierung war inzwischen aus der Stadt geflohen, so dass der auf mittlerweile 8.000 Mann angewachsene Haufen am 25. April nach Stuttgart einziehen konnte. Von dort ging es über das Remstal und Filstal nach Kirchheim und Nürtingen. Hier musste der Zug aber wieder Richtung Norden drehen, da sich das Heer des Schwäbischen Bundes näherte. Von Degerloch setzten die Aufständischen ihren Zug nach Süden fort, mussten aber nach der Einnahme Herrenbergs wieder nach Sindelfingen zurückweichen.
Der Aufbau eines ordentlichen Finanz- und Kanzleiwesens ist der Verdienst Feuerbachers. Da er die Plünderung von Klöstern und Adelssitzen nicht zulassen wollte, ließ er sogenannte Pfaffenschätzer die Höhe der von Adel und Geistlichkeit zu entrichtenden Sonderabgaben bestimmen, mit denen auch die Versorgung des ihm unterstehenden Haufens gesichert werden konnte. Auf seinen durch Mäßigung angelegten Führungsstil geht auch die Tatsache zurück, dass in keinem anderen Aufstandsgebiet so wenig geplündert und verwüstet wurde wie in Württemberg. Feuerbacher nahm sich selbst als Vertreter der Landschaft wahr und repräsentierte das nach dem Tübinger Vertrag von 1514 angewachsene landständische Bewusstsein.
Obwohl die Mehrheit der Aufständischen ihm Vertrauen entgegenbrachte, hatte Feuerbacher zunehmend Schwierigkeiten, sich gegen radikale Stimmen durchzusetzen. Ihnen war Feuerbacher wegen seiner Verhandlungsbereitschaft mit dem Schwäbischen Bund und seiner Ablehnung gewaltsamer Auseinandersetzungen nicht nur zu verweichlicht, sondern sie interpretierten die von ihm ausgestellten Schutzbriefe an Adlige als Adelsfreundschaft und Verrat. So wurde Feuerbacher am 11. Mai, einen Tag vor der Schlacht von Böblingen, abgesetzt und durch den radikaleren Melchior Uhlbacher ersetzt. Trotz seiner Entlassung als Hauptmann kämpfte er in der Schlacht mit und konnte nach der Niederlage in das zur Eidgenossenschaft zugehörige Rottweil fliehen.
Auf Ansuchen der habsburgischen Regierung in Württemberg wurde Feuerbacher im Januar 1527 in Rottweil festgenommen und wegen Landfriedensbruch angeklagt. Nach sechs Verhandlungen des kaiserlichen Hofgerichts und unter Anhörung von fast 90 Zeugen wurde Matern Feuerbacher am 13. September 1527 freigesprochen. Seine mäßigende Funktion innerhalb des Aufstandes hat sicherlich maßgeblich dazu beigetragen, dass er der von der Regierung geforderten Todesstrafe entgehen konnte.
Trotz des Freispruchs konnte Feuerbacher aufgrund einer Appellation der habsburgischen Regierung nicht in seine Heimat zurückkehren. Außerdem waren seine Güter in Bottwar durch den Schwäbischen Bund beschlagnahmt worden. Daher wandte er sich an die Stadt Zürich, die sich bei der habsburgischen Regierung für ihn einsetzte – mit Erfolg: Feuerbachers Besitz in Bottwar wurde verkauft und die Summe an ihn ausbezahlt.
Über Matern Feuerbachers weiteren Werdegang ist nur wenig bekannt. 1539 erschien er in Pforzheim als Küchenmeister des badischen Markgrafen. Ob er je in seine alte Heimat Bottwar zurückgekehrt ist, ist ungewiss.
Literatur
- Bossert, Gustav, Der Bauernoberst Matern Feuerbacher. Ein Beitrag zur Geschichte des Bauernkriegs in Altwürttemberg, in: Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde 1923/24, Stuttgart 1926, S. 81-102 und Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde 1925/26, Stuttgart 1927, S. 1-32.
- Ehmer, Hermann, Für Recht und Gerechtigkeit, für das heilige Evangelium und Wort Gottes. Matern Feuerbacher von Großbottwar, der Hauptmann der württembergischen Bauern im Bauernkrieg. Begleittext zur Ausstellung: Matern Feuerbacher und der Bauernkrieg. 460 Jahre Prozeß gegen Matern Feuerbacher – Großbottwarer Gastwirt und oberster Hauptmann des Hellen Christlichen Haufen. Ausstellung 19. Januar bis 5. Februar 1988 in der Kreissparkasse in Großbottwar, Großbottwar 1988.
- Ehmer, Hermann, Für Recht und Gerechtigkeit, für das heilige Evangelium und Wort Gottes. Matern Feuerbacher von Großbottwar, der Hauptmann der württembergischen Bauern im Bauernkrieg. Katalog zur Ausstellung: Matern Feuerbacher und der Bauernkrieg. 12. März bis 9. April 2006 im Rathaus in Großbottwar, Großbottwar 2006.
- Franz, Günther, Art. Feuerbacher, Matern, in: NDB, Bd. 5, Berlin 1961, S. 115, URL: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00016321/image_131 (aufgerufen am: 27.04.2021).
- Maurer, Hans-Martin, Matern Feuerbacher, oberster Feldhauptmann im Bauernkrieg, in: Schwäbische Heimat 26 (1975), S. 301-307.
Zitierhinweis: Lea Schneider, Matern Feuerbacher (geb. vermutlich 1484/85, gest. vor 1567), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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