Melchior Nonnenmacher (gest. 12. Mai 1525)

von Laura Socci

Hinrichtung des Melchior von Ilsfeld nach der Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 [Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe]
Hinrichtung des Melchior von Ilsfeld nach der Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 [Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe]

Melchior Nonnenmacher war ein Pfeifer und Zinkenbläser aus Ilsfeld. Im Bauernkrieg trat er im Rahmen der sogenannten „Weinsberger Bluttat“ am 16./17. April 1525, als die Bauern Burg und Stadt Weinsberg einnahmen, in Erscheinung.

Im Vorfeld der Ereignisse von Weinsberg hatte Nonnenmacher für den Grafen Ludwig von Helfenstein, Amtmann zu Weinsberg und Obervogt aller württembergischen Festungen, gearbeitet. Er war tätig als Musiker und soll zudem mehrfach mit dem Grafen gespeist haben. Trotz dieses Arbeitsverhältnisses stellte sich Nonnenmacher am 17. April auf die Seite der Aufständischen.

Als Ludwig von Helfenstein erstochen wurde, wobei das „Durch die Spieße jagen“ als besonders entwürdigende Art der Hinrichtung galt, soll Nonnenmacher Musik auf seinem Zinken gespielt und dem Grafen seinen Hut abgenommen haben. Nach dem Tod des Grafen soll er außerdem dessen Leiche geschändet haben, indem er mit dem „Schmalz“ des Adeligen seinen Spieß einrieb.

Mit diesen Taten hatte sich Melchior Nonnenmacher Georg III. Truchsess von Waldburg, ein Schwager des Grafen von Helfenstein und Heerführer des Schwäbischen Bundes, in besonderem Maße zum Feind gemacht. Nach der Schlacht bei Böblingen am 12. Mai, bei der die württembergischen Bauern eine vernichtende Niederlage erlitten, erfuhr Georg Truchsess von Waldburg, dass Nonnenmacher ins nahegelegene Sindelfingen hatte fliehen können.

Wie der Schreiber des Truchsess berichtet, sei Georg Truchsess von Waldburg unmittelbar nach der Schlacht persönlich vor die Tore Sindelfingens geritten und habe die Stadt aufgefordert, ihm Melchior Nonnenmacher binnen einer Stunde auszuliefern. Andernfalls werde er die Stadt niederbrennen. Von einer Frau sei Nonnenmacher schließlich in einem Taubenschlag versteckt gefunden worden, die Sindelfinger lieferten ihn umgehend dem Truchsess aus.

Nonnenmachers Verbrechen wurden laut verlesen, ehe man ihn mit einer eisernen Kette an einen Baum kettete. Um den Baum wurde Holz aufgeschichtet und angezündet. Bei lebendigem Leibe wurde Melchior Nonnenmacher am 12. Mai 1525 verbrannt.

Die grausame Art der Hinrichtung stieß unter anderem in der Bürgerschaft der Reichsstadt Esslingen auf harsche Kritik: Der Vorwurf wurde laut, dass diese unmenschliche Art und das Verhalten gegenüber Nonnenmacher die Weinsberger Bluttat im Nachhinein rechtfertigen würden. Die Hinrichtung Nonnenmachers kann demnach für die Argumentation herangezogen werden, die Weinsberger Bluttat als Wendepunkt im Bauernkrieg zu charakterisieren, indem im weiteren Verlauf des Bauernkriegs die Bereitschaft zur Gewalt anstieg.

Quellen

  • Der schreiber des truchsessen Georg von Waldburg, in: Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben, hg. von Franz Ludwig Baumann, Tübingen 1876, S. 525-612.

Literatur

  • Blickle, Peter, Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg, München 2015.
  • Ehmer, Hermann, Die Weinsberger Bluttat. Der Wendepunkt des Bauernkrieges, in: Bauernkrieg. Regionale und überregionale Aspekte einer sozialen Erhebung, hg. von Kurt Andermann und Gerrit Jasper Schenk, Ostfildern 2024.
  • Weismann, Erich, Die Eroberung und Zerstörung der Stadt und des Schlosses Weinsberg im Bauernkrieg. Eine Rekonstruktion der Vorgänge nach zeitgenössischen Augenzeugenberichten, Weinsberg 1992.
  • Zimmermann, Wilhelm, Dr. W. Zimmermanns Großer Deutscher Bauernkrieg, hg. von Wilhelm Blos, Stuttgart 1891.

Zitierhinweis: Laura Socci, Melchior Nonnenmacher (gest. 12. Mai 1525), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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