Projektbeschreibung: Digitalisierung oberrheinischer Kalender und Almanache

Die Badische Landesbibliothek und die Universitätsbibliothek Freiburg haben in einem durch die Stiftung Kulturgut geförderten Projekt einen außergewöhnlichen Kulturschatz digital bereitgestellt: Über 250 historische Kalender und Almanache aus der Oberrheinregion stehen nun erstmals in ihrer Gesamtheit in einer leicht zugänglichen Form bereit.

Kalender waren das universale Informationsmedium vergangener Jahrhunderte – das wichtigste Nachschlagewerk für anstehende Ereignisse und gleichzeitig Unterhaltungsmedium für die Menschen zwischen Bodensee und Odenwald. Sie versammelten alles Wissenswerte des Alltags: von Wettervorhersagen und Kochrezepten über Gesundheitstipps bis hin zu leichten Geschichten aus dem großherzoglichen Haus und lokalen Neuigkeiten. Alles wurde für ein Jahr im Voraus zusammengestellt. Die Tagesaktualität sollte der später aufkommenden Zeitung vorbehalten bleiben.

Der Oberrhein war ein Zentrum der deutschen Kalenderkultur! Hier wirkten die berühmtesten und teilweise auch umstrittensten Kalendermacher: Johann Peter Hebel brachte den „Rheinländischen Hausfreund“ heraus, Berthold Auerbach seinen „Gevattersmann“ und Alban Stolz erreichte mit seinen „Kalendern für Zeit und Ewigkeit“ Millionen katholische Leser. Der bis heute erscheinende „Lahrer Hinkende Bote“ erreichte von der Ortenau aus Auflagen von fast einer Million Exemplaren.

Nur in wenigen Bibliotheken hat sich diese Publikationsvielfalt erhalten und keine Bibliothek verfügt über einen vollständigen Bestand der regionalen Kalenderproduktion. Daher haben sich die Badische Landesbibliothek und die Universitätsbibliothek Freiburg abgestimmt, ihre jeweiligen Kalenderbestände für ein gemeinsames Projekt aufzubereiten. In mehrjähriger Arbeit wurden zunächst Lücken im Bestand ergänzt und die Kalender anschließend für die Digitalisierung im Jahr 2024 vorbereitet.

Die in LEO-BW zusammengeführte Sammlung präsentiert die ganze Vielfalt oberrheinischer Kalender: von Staats- und Hofkalendern, über einfache Landkalender mit Bauernregeln und spezialisierte Imker- und Lehrerkalender bis hin zu politischen Zeitschriften im Gewand von Kalendern. Zu entdecken ist das gesellschaftliche Wissen des 19. Jahrhunderts ebenso wie damals aktuelle Debatten über Eisenbahn und Telegrafie.

Dieses Projekt spricht landeskundlich interessierte Historikerinnen und Historiker ebenso an wie neugierige Privatpersonen. Der Wissenschaft steht nun erstmals systematischer Zugang zu einer der reichhaltigsten Quellensammlungen zur Alltags- und Mentalitätsgeschichte zur Verfügung. Heimatforscherinnen und -forscher und Genealogiebegeisterte können in den Geschichten und Anzeigen ihrer Vorfahren stöbern. Jeder kann diese faszinierende Welt entdecken, in der zwischen Bibel und Gesangbuch der Kalender das dritte Buch im Haushalt war – und damit ein Fenster zu einer vergangenen Kultur am Oberrhein öffnen.

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