Bauten und Ausstattung der Klöster, Stifte und religiösen Gemeinschaften - Einführung
von Matthias Untermann
Prächtige Stifts- und Klosteranlagen haben in Mittelalter und Neuzeit die Frömmigkeit und die Macht von Stiftskapiteln, Mönchs- und Nonnenklöstern demonstriert; viele waren in Stadt und Land weithin sichtbar, andere versteckten sich als Zeichen der frommer Askese in Tälern oder unscheinbaren Gebäuden. Zahlreiche dieser Bauten gehören auch nach dem Verlust ihrer ursprünglichen Funktionen zum Kulturerbe der Region, manche sind vielbesuchte Touristenziele. Das Klosterbuch dokumentiert die Vielfalt der Bauformen und der Ausstattung.
Die Bauten geistlicher Gemeinschaften bestehen regelhaft aus einer oder mehreren Kirchen für Chorgebet und Messfeier sowie den Räumen für Wohnung und Ökonomie. In den verschiedenen Epochen und Siedlungskontexten, je nach Größe der Gemeinschaft und ihren geistlichen Zielsetzungen sind sehr unterschiedliche architektonische Strukturen und Bauformen zu beobachten. Das »typische«, um einen Kreuzgang geordnete Kloster, wie es in Bronnbach oder im württembergischen Maulbronn zu sehen ist, mit Gemeinschaftsräumen und Wirtschaftshof war allerdings keineswegs die Norm. In bemerkenswerter Weise sind in Baden und Hohenzollern im Mittelalter und in der Barockzeit höchst verschiedenartige Bauweisen zu finden, von kleinen Klöstern, die pragmatisch vorhandene Bauten nutzten oder alle Räume in einem Gebäude vereinten, bis zu wehrhaft-burgartigen Klöstern und monumental-repräsentativen, praktische Notwendigkeiten weit übersteigenden Anlagen. Es gab ungeregelte Baukomplexe ebenso wie künstlerisch durchstrukturierte, prächtig-symmetrische Architekturen. Wie einleitend dargelegt, hatten die klösterlichen Gemeinschaften ganz unterschiedliche Lebensformen und Aufgaben. In den Kirchen grenzten sich die Konvente unterschiedlich stark von den am Gottesdienst teilnehmenden Laien ab oder reservierten die Sakralräume ganz für sich. Das Gemeinschaftsleben konnte den ganzen Tagesablauf prägen, mit entsprechend angeordneten Räumen, oder sich auf gelegentliche Versammlungen und gemeinsame Mahlzeiten reduzieren. Die Konvente lebten streng oder weniger streng abgeschlossen von der Außenwelt; viele übernahmen Aufgaben in der Krankenversorgung oder betrieben Schulen.
Die noch genutzten, profaniert erhaltenen oder nur aus historischen Plänen und Ausgrabungen bekannten Klosteranlagen spiegeln in Baden und Hohenzollern eindrücklich diese Vielfalt geistlicher Gemeinschaften. Deutlich werden Zwänge der Anpassung an geografische Gegebenheiten oder an soziale Kontexte, die Bauten konnten unscheinbar sein oder den Ort wie die Landschaft beherrschen. Stifterinnen und Stifter ermöglichten oder verlangten prächtige Bauformen; Armutsbewegungen forderten andernorts den Verzicht auf Türme und künstlerische Gestaltung. Dass schlossartige Residenzen der Vorsteher und großangelegte Wirtschaftshöfe in Stadt und Land zur architektonischen Selbstdarstellung vieler geistlicher Gemeinschaften gehörten, ist noch zu wenig erforscht[1] und kommt auch in diesem Klosterbuch nur punktuell in den Blick.
Die Überlieferung der Architektur und ihrer Ausstattung ist in gleicher Weise von historischen Prozessen und Zufällen geprägt wie die der Urkunden und Schriftzeugnisse. In der katholischen Markgrafschaft Baden-Baden, in der Kurpfalz nach der Rekatholisierung, in Vorderösterreich und Hohenzollern hat die Blütezeit des katholischen Lebens im 17. und 18. Jahrhundert dazu geführt, dass damals für alle bestehenden und viele neue Konvente aufwändige, oft große Neubauten von Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden im barocken Stil errichtet wurden. Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster sind im Bearbeitungsgebiet deshalb deutlich schlechter zu fassen als in anderen Teilen Europas, aber mit den Kirchen der Reichenau (s. Abb. links) und in Salem sowie der Konstanzer Domkirche mit hochbedeutenden Bauwerken. Das heutige Bild der badischen Klosterlandschaft wird von den zahlreichen, oft sorgfältig gestalteten kleineren Barockanlagen geprägt. In vielen von diesen verstecken sich freilich noch mittelalterliche Bauten. Auch im kunsthistorischen Blick ist »Baden und Hohenzollern« in allen historischen Epochen keine Einheit und jeweils eng mit benachbarten, heute politisch getrennten Regionen verbunden.[2] Diese künstlerischen Kontexte können nachfolgend nur angedeutet werden.
Anmerkungen
[1] Hagen 2018; Schöneweis 2020; Vgl. exemplarisch Steinwascher 1981; 1982.
[2] Knoepfli 1961–1969; Untermann 2008; Schurr 2008; Untermann 2023 (a).
Die vollständigen Literaturangaben sowie die Auflösung der Abkürzungen finden Sie hier.
Zitierhinweis: Matthias Untermann, Bauten und Ausstattung der Klöster, Stifte und religiösen Gemeinschaften, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 10.06.2025.

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