Freiburg

von Jürgen Dendorfer

Freiburg, Stadtansicht des Monogrammisten N.J.W., Federzeichnung, um 1580. [Quelle: Unibibliothek Salzburg Inv. H 10]
Freiburg, Stadtansicht des Monogrammisten N.J.W., Federzeichnung, um 1580. [Quelle: Unibibliothek Salzburg Inv. H 10]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Freiburg wurde erst im 12. Jahrhundert zur Stadt. Nach der Verleihung des Marktrechtsprivilegs durch den Zähringer Konrad im Jahr 1120 entwickelte sich die Siedlung an der Dreisam bemerkenswert dynamisch. Die großzügig abgesteckte Gründungsstadt erweiterte ihren Grundriss schon im Laufe des 13. Jahrhunderts auf mehr als das Doppelte. Im Schatten der Burg der Herzöge von Zähringen (bis 1218), der Grafen von Freiburg (bis 1368) und der nachfolgenden habsburgischen Herzöge von Österreich entstand ein blühendes mittelalterliches Gemeinwesen, dessen Wachstum erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts an fühlbare Grenzen gelangte. Durch diese mittelalterliche Boomphase mag sich erklären, wieso Freiburg noch vor der Bischofsstadt Konstanz in diesem Klosterbuch die größte Dichte an religiösen Gemeinschaften aufweist. Die Stadt der Herzöge von Zähringen muss keinen Vergleich scheuen, auch nicht mit benachbarten Bischofsstädten am Oberrhein wie Basel oder sogar Straßburg.

Lageplan Freiburg. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus].
Lageplan Freiburg: 1 Zisterzienserinnen Günterstal; 2 Franziskaner; 3 Dominikaner; 4 Augustinereremiten I und II; 5 Wilhelmiten; 6 Kartause; 7 Johanniter; 8 Deutscher Orden I und II; 9 Augustinerchorherrenstift Allerheiligen I und II; 10 Antoniter; 11 Dominikanerinnen Adelhausen; 12 St. Katharina in der Wiehre; 13 Dominikanerinnen St. Agnes; 14 Dominikanerinnen St. Maria Magdalena (zu den Reuerinnen); 15 Klarissen St. Klara I und II; 16 Regelhaus »zum Graben«/ Dominikanerinnen St. Katharina von Siena I und II; 17 Regelhaus »zur Turnerin«; 18 Klause bei der Peterskirche; 19 Regelhaus zum Lämmlein; 20 Regelhaus »der Krozingerin«; 21 Regelhaus »des Bischoffs«; 22 Regelhaus »zum Christoffel«; 23 Regelhaus »des Ederlin«; 24 Regelhaus »der Kötzin«; 25 Regelhaus »zum Pfauen«; 26 Regelhaus »bei St. Einbeth«; 27 Augustinereremitinnen I und II; 28 Willige arme Brüder; 29 Sackbrüder; 30 Kapuziner I und II; 31 Jesuiten; 32 Ursulinen; 33 Dominikanerinnen Adelhauser Neukloster. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Seit dem dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts entstanden in und nahe bei ihr in dichter Folge Klöster. Den Anfang machten vor 1224 die Zisterzienserinnen von Günterstal (1) etwa 3 km südlich vor den Toren der Stadt im Bohrertal gelegen. Es folgten die Mendikanten im Inneren der Gründungsstadt. Bereits vor 1229 ließen sich Franziskaner (2) nieder, wenige Jahre später, um 1233 die Dominikaner (3). Mit den Augustinereremiten (4) erscheint bereits vor 1256 ein Orden, der nur in bedeutenderen Städten zu finden ist. Als sich dazu 1262 noch die aus Oberried in die Schneckenvorstadt übergesiedelten Wilhemiten (5) gesellten und um die Mitte des 14. Jahrhunderts der Patrizier Johann Snewlin, genannt der Gresser, zwei Kilometer östlich der Stadt eine Kartause errichtete (6), war das Tableau in mittelalterlichen Städten zu erwartender Männerklöster nahezu vollendet. Hatten zuvor doch schon 1240 die Johanniter (7) und 1258 der Deutsche Orden (8) Kommenden angesiedelt. Dazu kam um 1300 noch das Augustinerchorherrenstift Allerheiligen (9), später mit St. Märgen auf dem Schwarzwald verbunden. Selbst die Antoniter (10) bezogen um 1290 in Freiburg ein Haus, das Sitz ihres Generalpräzeptors für das Bistum Konstanz wurde.

Planprospekt für Freiburg von Gregorius Sickinger, 1589. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Freiburg 34]
Planprospekt für Freiburg von Gregorius Sickinger, 1589. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Freiburg 34]

An diesem Kranz von Männerklöstern ist bemerkenswert, dass nahezu jedes in einer bürgerlichen Stadt seit dem 13. Jahrhundert mögliche Kloster vertreten ist. Im Gegensatz zu den älteren Bischofsstädten fehlen aber benediktinische Gemeinschaften und – erstaunlicherweise – auch Kollegiatstifte. Letztere entstanden in der Regel entweder durch die pastoralen und administrativen Notwendigkeiten der Verwaltung einer Diözese in Bischofsstädten bzw. im späten Mittelalter bei fürstlichen Residenzen oder zur Ausstattung von Universitätsangehörigen. Die Universität wurde in Freiburg anders finanziert, nachdem eine Verlegung des Stifts Waldkirch ans Münster gescheitert war, und weder war die Stadt bis 1827 Sitz eines Bischofs noch – nach 1368 – dauerhafte Residenz der Habsburger, was dieses Fehlen erklären mag. Einen gewissen Ersatz bildete die erstaunliche Zahl von bis zu 60 Kaplaneistiftungen an der einzigen Pfarrkirche der mittelalterlichen Stadt, dem Freiburger Münster. Die benediktinischen Klöster des näheren und weiteren Umlands waren in der Stadt durch Höfe von zum Teil beträchtlichen Dimensionen vertreten, zu nennen sind etwa St. Peter, St. Trudpert, St. Blasien oder die Zisterze Tennenbach.

Eingebettet aber war diese Welt der Mönche und Kleriker in ein breites Geflecht weiblichen Religiosentums, das von Schwesternsammlungen und Regelhäusern bis hin zu den weiblichen Zweigen der Bettelorden reichte. An der Spitze standen sicher die Dominikanerinnen von Adelhausen (11) vor der Stadt in der Wiehre, die schon vor 1250 bestanden, erst 1267 aber endgültig in den Dominikanerorden inkorporiert wurden. In ihrer Nachbarschaft entstanden noch zwei weitere Dominikanerinnenkonvente, St. Katharina in der Wiehre (1297) (12) und St. Agnes in der Lehener Vorstadt (1284) (13). Damit noch nicht genug, wandten sich auch die 1273 erstmals genannten, aber wohl älteren Reuerinnen (14) 1289 dem Dominikanerorden zu. Im Gegensatz dazu gab es nur ein franziskanisches Frauenkloster, die 1272 zuerst erwähnten Klarissen von St. Klara (15).

Dass die Übergänge zwischen der Vielzahl von Schwesternsammlungen und regulierten Gemeinschaften fließend sein können, zeigt exemplarisch die Geschichte des Regelhauses »zum Graben« (16), das aus älteren Sammlungen hervorging, vielleicht dem Regelhaus der »Turnerin« (17), und im Jahr 1419 offiziell die gerade erst geschaffene Drittordensregel der Dominikaner annahm. Danach lebten die Frauen als Dominikanerterziarinnen. Im 18. Jahrhundert wurde die Sammlung in den zweiten Orden der Dominikaner aufgenommen und damit zum Dominikanerinnenkloster St. Katharina von Siena (16). Wie in diesem Fall wurden Schwestern- und Männersammlungen, die in Freiburg in den Quellen Regelhäuser genannt werden, nicht selten zu Drittordensgemeinschaften (ab dem 15. Jahrhundert) und mitunter sogar zu inkorporierten Frauenklöstern der großen Orden. Dabei ist grundsätzlich zwischen Selbstzuschreibung und -benennung und ordensrechtlicher Einordnung zu unterscheiden. Bei insgesamt 14 in Freiburg nachweisbaren Schwestern- und Männersammlungen sind diese Prozesse umsichtig, soweit es die nicht selten fragmentarische Quellenlage zulässt, zu beschreiben. In der Regel liegt ein längerer Zeitraum zwischen dem ersten Nachweis einer Gemeinschaft und der Annahme einer Ordensregel wie bei den Schwestern an der Klause bei der Peterskirche (18), welche die dominikanische Drittordensregel wählten, oder dem Regelhaus »zum Lämmlein« (19), das ebenso wie das »der Krozingerin« (20) die franziskanische Drittordensregel annahm. Von vielen nur sporadisch nachweisbaren Sammlungen ist kaum mehr als der Name des Gründers, allenfalls noch die anfängliche Ausstattung bekannt, wie bei den Regelhäusern »des Bischoffs« (21), »zum Christoffel« (22), »des Ederlin« (23), »der Kötzin« (24), »zum Pfauen« (25) und »bei St. Einbeth« (26). Eine Besonderheit stellen die »willigen armen Schwestern« in der Wolfshöhle dar, die sich 1451 den Augustinereremiten als Augustinerinnen anschlossen (27). Dem vielfältigen Tableau der Frauengemeinschaften lassen sich nur zwei Männergemeinschaften hinzufügen. Die »willigen armen Brüder« (28), die später die franziskanische Drittenordensregel annahmen, und der Sonderfall der Sackbrüder (29), ein auf dem Konzil von Lyon 1274 verbotener Orden.

Die Reformation hatte im unangefochten katholisch bleibenden Freiburg keine Auswirkungen auf das Fortbestehen dieser mittelalterlichen Welt der Klöster und religiösen Gemeinschaften. Erwähnenswert ist, dass nach 1529 das aus dem reformierten Basel vertriebene Domkapitel in die Stadt zog, es sollte für 150 Jahre bis 1678 bleiben. Im Zeitalter der Gegenreformation traten zu den bisherigen Gemeinschaften noch die vergleichsweise frühe Ansiedlung der Kapuziner (30) im Jahr 1599 und das 1620 gegründete Jesuitenkolleg (31), das für die Universität von zentraler Bedeutung werden sollte. Die sich der Frauenbildung widmenden Ursulinen (32), kamen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg 1696 in die Stadt.

Dieser und die ihm folgende französische Besetzung der Stadt bedeutete jedoch für den überwiegenden Teil der im Mittelalter gegründeten Klöster einen tiefen Einschnitt. Freiburg wurde durch Vauban zur Festungsstadt ausgebaut. In zeittypischer Radikalität wurden dafür die Vorstädte niedergelegt, um ein Glacis zu schaffen. Von den elf abgebrochenen Klöstern ist nichts mehr erhalten, weshalb der vor ihrer Zerstörung entstandene Große Sickingerplan von 1589 häufig die einzige Quelle ist, die über deren Lage und Baugestalt informiert.

Durch den Festungsbau verschwanden in der Neuburg die Kommenden der Johanniter, des Deutschen Ordens und das Augustinerchorherrenstift Allerheiligen. Während die Johanniterkommende nach dem Abbruch 1677 mit dem Heitersheimer Großpriorat des Ordens vereinigt wurde und damit in Freiburg zu existieren aufhörte, siedelten der Deutsche Orden (8) und die Augustinerchorherren (9) ins Innere der Stadt um. Das im Winkel zwischen Neuburg und Lehener Vorstadt gelegene Reuerinnenkloster verschwand ebenso wie die Klöster der Dominikanerinnen von St. Agnes und St. Katharina von Siena, der Klarissen und der Kapuziner in der Lehener Vorstadt. Während letztere ein neues Kloster im Osten der Altstadt erbauten (30 II), zogen die Klarissen in das Regelhaus zum Lämmlein (19, 36) um. Die Dominikanerinnen fanden im 1687 gegründeten neuen Kloster Adelhausen (33) eine Heimstatt. In dieses zogen auch die Nonnen aus dem zerstörten, namensgebenden Kloster Adelhausen und aus St. Katharina in der Wiehre. Sein Ende fand nun auch das in der Schneckenvorstadt gelegene Kloster der Wilhelmiten, da diese endgültig in ihre Zweigstelle in Oberried umsiedelten.

Die noch bestehenden Klöster wurden am Ende des 18. Jahrhunderts aufgehoben. Im vorderösterreichischen Freiburg bedeuteten für den überwiegenden Teil die Reformen Kaiser Josephs II. (1765–1790) das Ende, die verbleibenden Klöster wurden in der Säkularisation aufgelöst. Nur das Adelhauser Neukloster und die Ursulinen überlebten noch einige Zeit als Lehrinstitute.

Zitierhinweis: Jürgen Dendorfer, Freiburg, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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