Offenburg
von Jürgen Dendorfer
Das an einer alten Römerstraße auf einem Lößhügel über der Kinzig gegründete Offenburg wird im Mittelalter zuerst 1139 genannt (in loco Offinburc). Ob dieses Offenburg seinen Namen von den Zähringern als Stadtgründern erhielt oder von den Straßburger Bischöfen errichtet wurde, lässt sich nicht eindeutig entscheiden. Sicher ist, dass der letzte Zähringerherzog Bertold V. (1186–1218) in Offenburg Gerichtsrechte als Lehen von den Straßburger Bischöfen innehatte.
Nach ihm trat Kaiser Friedrich II. (1212–1250) in diese Rechte ein, wodurch Offenburg zur Reichsstadt wurde, was es bis 1803 blieb. Allerdings war die Stadt zur einen Hälfte ab 1332 an den Bischof von Straßburg verpfändet, zur anderen Hälfte ab 1408 an die Pfalzgrafen bei Rhein, was erst 1551/56 endete. Angesichts der zentralen Lage der Stadt und ihrer Bedeutung erstaunt, dass die Anzahl der religiösen Gemeinschaften in der Stadt überschaubar ist.
Zu entdecken gibt es allerdings eine Vielfalt religiöser Frauengemeinschaften. Zuerst kamen 1240 Schwestern aus Haslach nach Offenburg, die 1246 sogar die päpstliche Bestätigung ihrer Inkorporation in den Dominikanerorden erreichten (1). Obwohl sich von dieser Gemeinschaft später keine Spur mehr findet, bildete sie möglicherweise den Ausgangspunkt für eine der fünf Schwesternsammlungen, die seit dem 14. Jahrhundert erwähnt und in zwei Jahrzeitstiftungen (1395/1401) explizit als Beginen bezeichnet werden: das erste und bedeutendste war das 1326 als collegium beginarum genannte »Gotteshaus der Rickeldey«, das seit dem 15. Jahrhundert den Hauptbestandteil des sog. »Großen Gotteshauses« (bis 1531) bildete, in dem die anderen Schwesternsammlungen aufgingen (2). Darunter zählen die erstmals 1367 erwähnte zweitgrößte Sammlung von »SchuttertalSchuttertal« (3) und die kleineren der Mutzerin/»beim Schindhaus« (4), das »Gotteshaus der von Ortenberg/Kähner« (5) und jenes der »Bortschöbin« (6). Der überwiegende Teil der Schwesternsammlungen gruppierte sich um das einzige mittelalterliche Männerkloster der Stadt, die Franziskaner (seit 1280) (7). Erst im 17. Jahrhundert traten Kapuziner an ihre Seite (8). In das 1814 aufgehobene Franziskanerkloster zogen 1823 die Augustinerchorfrauen aus Ottersweier ein.
Zitierhinweis: Jürgen Dendorfer, Offenburg, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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