Anleitung für Schülerinnen und Schüler
von Marion Bodemann
Dich interessiert die NS-Zeit? Du möchtest genauer wissen, was damals passiert ist? Vielleicht sogar dort, wo du jetzt wohnst?
Das Themenmodul „NS-Justiz in Baden – Die Sondergerichte in Mannheim und Freiburg 1933-1945“ kann dir da weiterhelfen. Du fragst dich, ob das nicht sehr speziell ist? Ja und nein. An Gerichtsverfahren in der badischen Provinz denkt man nicht zuerst, wenn man etwas über die NS-Zeit herausfinden möchte. Aber gerade die Verhandlung von einem Fahrraddiebstahl oder einem verbotenen Handel mit Tabakwaren vor einem Sondergericht verrät viel darüber, wie stark die NS-Ideologie die Rechtsprechung und den Alltag von Menschen in den Jahren zwischen 1933 und 1945 bestimmte.
Um mehr über die badischen Sondergerichte in Mannheim und Freiburg zu erfahren, kannst du dich im Abschnitt Historischer Hintergrund schlau machen. Dort wird im Scrollytelling-Format vorgestellt, wie die Rechtsprechung im Nationalsozialismus ablief und welche Rolle die Sondergerichte darin übernahmen. Auch findest du im Glossar Erklärungen für viele Begriffe, die dir bei deiner Beschäftigung mit Sondergerichtsakten begegnen können.
Wenn du nun gezielt einen Fall finden möchtest, kannst du zwischen verschiedenen Suchoptionen wählen, die du in einer Übersicht unter Fälle findest. Unter Geburtsjahrgang könntest du zum Beispiel schauen, ob auch Jugendliche von einem NS-Sondergericht verurteilt wurden. Mithilfe der Kartensuche wäre es möglich herauszufinden, ob es an deinem Wohnort oder in dessen Nähe einen Fall gab, indem du nur das Häkchen Tatorte stehen lässt.
Hast du nun einen Fall ausgewählt, erscheint eine Seite, auf der im oberen Teil in der Regel drei Bilddokumente erscheinen: eine tabellarische Fallübersicht, eine sogenannte Arbeits-pdf, die in der Regel das in dem Fall gesprochene Urteil als Akten-Scan enthält, und ein Bild von einer weiteren Seite aus der Akte. Unter diesen Bilddokumenten findest du Angaben zur Person, deren Fall dokumentiert wird und unter denen bei den „Weiterführenden Links“ die vollständige Akte zu diesem Fall als Digitalisat aufgerufen werden kann.
Um eine solche Sondergerichtsakte wiederum lesen und verstehen zu können, ist es sehr hilfreich, den E-Guide zu nutzen. Dort findest du unter Akten lesen üben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die dir zeigt, wie du sinnvoll vorgehen kannst, um dir deine Akte zu erschließen. Außerdem findest du unter Aktenbestandteile verstehen eine allgemeine Einführung und wichtige Informationen zum Aufbau einer solchen Akte, unterstützt durch Fotos, die dir helfen, den entsprechenden Teil in deiner Akte schneller zu finden. Unter der Überschrift NS-Ideologie erkennen wurden Informationen zusammengestellt, die dich darin unterstützen sollen, Formulierungen zu erkennen, die von der NS-Ideologie beeinflusst wurden oder diese wiedergeben. Was Akten sagen können und was nicht regt dazu an, deine Akte noch einmal kritisch anzuschauen sowie deren Aussagekraft zu überprüfen und zu hinterfragen.
Über Social Media (@ns_sondergericht_mannheim) kannst du ebenfalls viel über die nationalsozialistischen Sondergerichte und die dort verhandelten Fälle erfahren. Kurze Videos informieren über die Entstehung und Arbeitsweise der Gerichte sowie zentrale Akteure und stellen ausgewählte Fälle aus dem Aktenbestand des Mannheimer und des Freiburger Sondergerichts vor.
Neben den Fällen, die hier dokumentiert sind, gibt es weitere NS-Sondergerichtsakten – auch digital, die du über das Online-Findmittelsystem des Landesarchivs Baden-Württemberg recherchieren kannst. Oder geh doch mal beim Generalladesarchiv Karlsruhe oder dem Staatsarchiv Freiburg vorbei und begegne einer NS-Sondergerichtsakte analog: Papier aus der NS-Zeit mit Lebensgeschichten aus dieser Zeit, die viel verraten über die ideologische Durchdringung der Justiz, die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander, das nicht selten von drohender Denunziation geprägt war, und die Missachtung von Grundrechten in einer Diktatur.

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