Luftbilder

Von Kai Naumann

 Senkrechtaufnahme aus einem Bildflug für die Forstdirektion Tübingen zwischen Calw und Hirsau, 1952, (Quelle: Landesarchiv BW, StAS Wü 160 T 5 Nr. 1 Bild 1)
Senkrechtaufnahme aus einem Bildflug für die Forstdirektion Tübingen zwischen Calw und Hirsau, 1952, (Quelle: Landesarchiv BW, StAS Wü 160 T 5 Nr. 1 Bild 1)

Definition der Quellengattung

Luftbilder sind Fotografien der Erdoberfläche aus Luftfahrzeugen. Man unterscheidet Senkrecht- und Schrägaufnahmen. Seit den 1970er Jahren können Senkrechtaufnahmen durch Entzerrung die gleiche Lagerichtigkeit wie eine Karte erlangen. Dabei entstehen „Orthophotographien“, kurz Orthophotos. Luftbilder wurden bis in die späten 2000er Jahren auf Filmmaterialien aufgenommen, seitdem entstehen Luftbilder in rein digitaler Form. Die Wissenschaftsbereiche, die sich mit Erstellung und Auswertung von Luftaufnahmen befassen, heißen Photogrammetrie und Fernerkundung.

Historische Entwicklung

Die ersten Luftbilder entstanden im 19. Jahrhundert im Rahmen militärischer oder ziviler Nutzung nach Bedarf. Als Kameraträger kamen Ballons, Flugzeuge, Luftschiffe, aber auch Raketen und sogar Brieftauben zum Einsatz. Vor allem in der Luftkriegsführung des 1. Weltkriegs entstanden seit 1914 in großer Zahl Luftbilder. Seit den 1930er Jahren dienen Luftbilder aus systematischen Befliegungen der Landesfläche vielfältigen planerischen Zwecken in Land- und Forstwirtschaft, Siedlungsplanung, Umweltschutz und Verkehrswesen. Die Orthophotographie ist seit den 1970er Jahren ein wichtiges Instrument für die Erstellung von Karten und Geodaten geworden.

Aufbau und Inhalt

Liegen Luftbilder in unerschlossener Form vor, so handelt es sich meist um Filmrollen. In der erschlossenen Form liegen ergänzend Papierabzüge im Format 18 x 18, 23 x 23 oder 30 x 30 cm2 vor oder die Filme wurden in viele Einzelaufnahmen der angegebenen Formate zerschnitten.

Während Senkrechtaufnahmen meist eine nüchterne Bestandsaufnahme der Erdoberfläche darstellen, vermitteln Schrägaufnahmen durch die Vogelperspektive, das Hervorheben von Geländekonturen sowie Licht- und Schatteneffekte einen räumlichen Eindruck und einen ästhetischen Reiz.

Überlieferungslage und ggf. (vor)archivische Bearbeitungsschritte

Luftbilder sind bei den Unterlagen militärischer Einheiten, der Vermessungsverwaltung, der Land- und Forstwirtschaft sowie der Straßenbauverwaltung zu finden. In Flurbereinigungsgebieten liegen oftmals zusätzlich auch Schrägaufnahmen vor. Im Landesarchiv BW findet man sie z.B. in den Beständen StA Sigmaringen Wü 160 T 5, HStA Stuttgart J 310 und HStA Stuttgart J 311.

Nach Bedarf erstellte Luftbilder sind meist in zeitlich geordneten Sammlungen erschlossen, was eine Recherche nach Örtlichkeiten erschwert. Wurde nach Bedarf für den zivilen Einsatz geflogen, können sie auch im Projektkontext abgelegt sein. Bei systematischen Luftbildbefliegungen wurde die gesamte oder ein Teil der Landesfläche in einem festgelegten Raster abgelichtet. Hier ist eine ortsbezogene Recherche einfacher durchführbar, sofern die Lage des Rasters (Bildmittenübersicht) bekannt ist.

Orthophotos können, wenn sie digital vorliegen, in Geoinformationssysteme eingebunden werden und so lagerichtig in Verbindung mit kartographischen Darstellungsebenen genutzt werden.

Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten

Luftbilder haben für alle Natur-, Ingenieur- und Geowissenschaften, die sich mit der Erdoberfläche seit Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigen, eine hohe Relevanz. Die Nutzungsmöglichkeiten gleichen denen der Entstehungszeit, bis auf neue Möglichkeiten der Entzerrung. Digitale Techniken erlauben es, ältere Senkrechtaufnahmen durch Entzerrung in ein Orthophoto umzuwandeln und auf diese Weise einfache Vorher-Nachher-Vergleiche vorzunehmen.

Sofern nacheinander aufgenommene und sich im Bildbereich überlappende Luftbilder vorliegen, kommt unter Umständen eine stereoskopische Auswertung in Frage. Das Ergebnis können dreidimensionale Modelle des Geländes oder sogar der Bebauung sein.

Hinweise zur Benutzung

Datenschutzfragen stellen sich bei historischen Luftbildern in der Regel nicht, weshalb nur allgemeine Schutzfristen greifen.

Zur Recherche können Bildmittenübersichten vorliegen, die die Flugroute der Aufnahmeplattform (Flugzeug, Satellit) und die Auslösepunkte der Kamera wiedergeben.

Luftbilder militärischer Herkunft können von anderen Staaten in Kopie überlassen worden sein, so dass sich in der Nutzung die Frage der immateriellen Eigentumsrechte stellt.

Literatur

  • Albertz, Jörg, 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation DGPF, 1909–2009, Münster 2010.
  • Blachut, Teodor J./Burkhardt, Rudolf, Geschichte der Photogrammetrie. Bd. 1: Die Frühzeit der Photogrammetrie (bis zur Erfindung des Flugzeuges), Frankfurt a.M. 1988.
  • Finnegan, Terence J., Shooting the front. Allied aerial reconnaissance in the First World War, Spellmont 2011.
  • Schramm, Manuel, Digitale Landschaften, Stuttgart 2009.
  • Sensing the Past. Using Geotechnologies to Unlock Space, Place, and History, hg. von Nicola Masini/Francesco Soldovieri, Cham 2017.

Zitierhinweis:  Kai Naumann, Luftbilder, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, URL: […],  Stand: 02.08.2017.

 

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