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„Flusslandschaft Murg“ Teil I: Die Rückkehr der Lachse

Murgtal, Staubecken und Sperre, aufgenommen von Willy Pragher im August 1955, Quelle: Landesarchiv BW, StAF W 134 Nr. 038180a, Lizenz CC BY 4.0

Murgtal, Staubecken und Sperre, aufgenommen von Willy Pragher im August 1955, Quelle: Landesarchiv BW, StAF W 134 Nr. 038180a, Lizenz CC BY 4.0

Die Murg als rund 80 Kilometer langer Fluss wird aus den beiden Quellbächen Rotmurg und Rechtmurg gebildet. Letztere entspringt als Hauptquelle im Schliffkopfgebiet, während die Rotmurg am Ruhestein ihren Anfang nimmt. Nach der Vereinigung im Baiersbronner Teilort Obertal verläuft das Flüsschen auf wenigen Kilometern in östlicher Richtung. Im Kernort Baiersbronn biegt die Murg nach Norden ab und behält diese Richtung bis Gernsbach bei. Am Unterlauf wendet sich die Murg nach Nordwesten und passiert Gaggenau, Kuppenheim und Rastatt, bis bei Steinmauern der Rhein erreicht ist.

Eine wesentliche Rolle für das Prädikat Flusslandschaft 2026/27 spielt die Rückkehr der Lachse ins Murgtal. Lachse waren früher in südwestdeutschen Gewässern heimisch und gehörten zu den wichtigsten Speisefischen. Das änderte sich mit der Industrialisierung im 19. Jh. und den baulichen Veränderungen an Wasserläufen. Schon in den 1880er Jahren wurden staatliche Maßnahmen ergriffen, um den Bestand zu erhalten. Zuchtanstalten entstanden. 1927 gab es sogar eine Internationale Lachskonferenz. Viel genützt hat es nicht. Der letzte dokumentierte Lachsfang am Rhein fand 1958 statt. In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Wasserqualität weiter. Die alten Steigstufen waren verschwunden und den Lachsen, die auf ihrem Weg bis nach Grönland ausschwärmten, blieb die Rückkehr in ihre Laichgebiete verwehrt.

Einst führte diese über den Rhein in die mündenden Flüsse weiter aufwärts. An der Murg wurden für rund 100 Jahren keine Lachse mehr gesichtet. Ein Projekt unter Führung des Regierungspräsidiums Karlsruhe, eingebettet in großangelegte Maßnahmen, sollte Abhilfe schaffen. Wesentliche Voraussetzung war die Verbesserung des Systems zur Klärung der Abwässer. Erst mit saubererem Wasser wurde es sinnvoll Einrichtungen wie Fischtreppen und sogar Fischlifte anzulegen. Schließlich setzten Angehörige des Landesfischereiverbandes kleine Zuchtlachse in die Murg. Der Versuch war erfolgreich – eine kleine Sensation. Mittlerweile konnten die ersten Rückkehrer gesichtet werden. Vorläufig handelt es sich noch um zufällige Entdeckungen, da systematische Auswertungen fehlen.

Aber wie finden die Lachse nun eigentlich zurück? Die Antwort ist verblüffend: Die geologische Beschaffenheit des heimischen Flussbetts beeinflusst die Wasserzusammensetzung. Und diese können die Lachse aufspüren, selbst wenn sie, wie im Rhein, um ein Vielfaches verdünnt ist.

Zur Veranschaulichung der Lachswanderung an der Murg wurde ein 15 Kilometer langer „Lachserlebnispfad“ eingerichtet, der sich von Baiersbronn bis Rastatt erstreckt. Die in vier Abschnitte unterteilten Wege verlaufen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Es gibt die barrierefreie „frische Murg“, die anspruchsvolle „wilde Murg“, die „starke Murg“, die über Fischwanderhilfen informiert und die „zahme Murg“ bei Rastatt am Übergang in den Rhein. Für Kinder stehen Angebote wie Spielstationen oder eine Fischolympiade zur Verfügung. Alle Infos und ein Video finden Sie auf der Website „Lachserlebnis Murgtal“ .

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