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„… nach schwäbischer Art eher verborgen“ – Wissenswertes zur Balinger Geschichte

Balingen in der Oberamtsbeschreibung 1880, Quelle: Landesarchiv BW

Balingen in der Oberamtsbeschreibung 1880, Quelle: Landesarchiv BW

Pfingsten 1255 ist ein wichtiges Datum der Balinger Geschichte. Der 863/64 erstmals urkundlich erwähnte Ort wurde unter dem Zollerngrafen Friedrich zur Stadt erhoben. Balingen bildete das Zentrum der zollerischen Herrschaft Schalksburg. Nach dem Tod seines einzigen Sohnes verkaufte Graf Friedrich V. von Zollern-Schalksburg die gesamte Herrschaft 1403 an Württemberg. Die Linie Zollern-Schalksburg erlosch 1408. Die württembergischen Obervögte des Amts Balingen nahmen ihren Sitz im 1372 erbauten Schloss. Im 18. und frühen 19. Jh. bildeten zu Manufakturen ausgebaute Handwerksbetriebe die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Herstellung von Textil- und Lederprodukten. Später spielten Messerschmiede eine gößere Rolle. Die Gewerbetreibenden profitierten vom nahen Handelsweg in die Schweiz, wo sich wichtige Absatzmärkte befanden. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich der metallverarbeitende bzw. mechanische Sektor, unterstützt durch die Einrichtung der Bahnlinie 1874.

Oft hatten die Einwohner Balingens mit widrigen Umständen zu kämpfen. Zu den einschneidenden Ereignissen zählen mehrere große Stadtbrände. Der erste im Jahr 1286 wurde durch eine Fehde mit den Hohenbergern ausgelöst. Weitere folgten in den Jahren 1546, 1607, 1672 und 1724. Der letzte im Jahr 1809 entstand durch Blitzschlag, wobei fast 90 Prozent der Gebäude vernichtet wurden. Aber auch das Wasser entfaltete zerstörerische Kräfte. 1895 wälzte sich eine Flutwelle durch das Eyachtal. An die 41 Todesopfer erinnern Gedenksteine in Balingen und Frommern. Im 19. Jh. setzten auch Hagel und Missernten den Menschen zu, wie der Oberamtsbeschreibung von 1880 zu entnehmen ist. Der „schöne und dabei feine Menschenschlag“ des Eyachtals, den Gustav Schwab 1823 in seiner Beschreibung der Schwäbisch Alb würdigte, gehöre der Vergangenheit an. Stattdessen hätten die Ereignisse „dem Bezirk ein poesieloses realistisches Gepräge“ gegeben. Das dennoch vorhandene „weiche und reiche Gemüthsleben“ der Einwohner bliebe durch harte Arbeit und die einfachen Verhältnisse bis hin zur Armut „nach schwäbischer Art eher verborgen“.

Das „realistische Gepräge“ der Balinger scheint sich öfter bewährt zu haben. So auch angesichts der örtlichen Quellen, mit denen ein wenig bekannter Aspekt der Geschichte verbunden ist. Die Oberamtsbeschreibung bemerkt dazu, die Wasserverhältnisse seien „nicht sehr günstig“. Damit gemeint ist unter anderem der Schwefelgehalt der damaligen Brunnen. Geschmacksneutrales Trinkwasser entnahmen die Einwohner der Steinach. Süßwasser musste von außerhalb gelegenen Quellen in die Stadt geleitet werden. Eine hochrangige Wasserversorgung entstand erst gegen Ende des 19. Jh. Gleichzeitig ließ sich das Schwefelwasser aufgrund seiner Heilwirkung nutzen. Erste Nachweise zu Schwefelquellen und einem Bad stammen aus dem 16. Jh. 1724, im Jahr des vorletzten Stadtbrands, wurde eine neue große Quelle entdeckt. Deren verschiedentlich gerühmte Qualität ließ den Badebetrieb wieder aufleben. Das erste Badehaus wurde mehrfach erneuert. Die Oberamtsbeschreibung von 1880 erwähnt eine „kleine Badanstalt“. Im neu erbauten Gasthaus Schwefelbad genossen die Gäste das erwärmte Wasser in Badekabinen. Ab 1911 gab es dort auch ein Lichtspieltheater. Letztendlich konnte Balingen nicht mit Sebastiansweiler konkurrieren, wo um 1830 ein weiteres Schwefelbad eingerichtet wurde. In Balingen erinnert heute die Anlage der Schwefelbadgärten mit der wiederentdeckten Quelle an die Vergangenheit. Der Schwefelbrunnen an der Spitalstraße, ein Laufbrunnen mit Froschskulptur und Jahreszahl 1935, wurde 2020 zum Geopoint erklärt.

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