null

200 Jahre Fotografie - die Größen südwestdeutscher Lichtbildkunst

Fotogeschäft auf dem Land, aus einem Privatalbum der Sammlung Schlesiger mit Karlsruher Motiven, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger 8 / Alben 312

Fotogeschäft auf dem Land, aus einem Privatalbum der Sammlung Schlesiger mit Karlsruher Motiven, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger 8 / Alben 312

Es ist umstritten, wann genau die ersten Fotos entstanden. Als früher Meilenstein gilt der „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“, das Joseph Nicéphore Niépce um 1826 im Heliografie-Verfahren anfertigte. Als Bildträger diente eine Asphaltmischung. Die Belichtungszeit betrug bemerkenswerte acht Stunden. Rund zehn Jahre später entwickelte Louis Daguerre ein Verfahren mit silberbeschichteten Platten, die chemisch entwickelt und fixiert wurden. Damit verkürzte sich die Aufnahmezeit auf 30 Minuten. In den Folgejahren wurde ständig an der Verbesserung der Verfahren gearbeitet, bei denen lichtempfindliche Silbersalze sowie lichtstärkere Objektive zum Einsatz kamen. Ab den 1880er Jahren waren die ersten Handkameras mit Rollfilm erhältlich. Mit den Neuerungen der 1920er Jahre eroberten erschwingliche und leicht zu bedienende Kameras in größerer Stückzahl den Markt. Die von Oskar Barnack bei den Optischen Werken Leitz entwickelte Leica erschien 1925. Fotografie wurde zum Produkt für die breite Masse, sowohl im privaten als auch im Pressebereich. Der Bogen lässt sich weiter spannen zum Smartphone, das eine ständige Verfügbarkeit und Verbreitung aktueller Fotos ermöglicht, bis hin zur KI. Bildbearbeitung und Fälschung war allerdings schon in den Anfangsjahren der Fotografie an der Tagesordnung.

In Archiven und Museen gehören Fotosammlungen zu den Beständen, die den historischen Kontext und seine Veränderungen auf anschauliche Weise vermitteln können. Fotos liefern einen detailgetreuen Eindruck. Dabei ist zu beachten, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, mit technischen Mitteln erzeugt und umgesetzt. Je nach Kamera, Film und Einsatz der Person hinter dem Apparat entstehen unterschiedliche Bilder eines Objekts. Sie dokumentieren aber sie illustrieren und interpretieren auch.

Die folgende Auswahl stellt Archiv- und Museumsbestände vor, die teils über LEO-BW verfügbar sind. Sie halten Menschen, Ereignisse und Situationen zu bestimmten Zeiten fest und ergänzen damit andere historische Quellen.

Das Fotoinventar des Landesarchivs Baden-Württemberg umfasst rund 150 Bestände, darunter die Patientenfotografien des Weinsberger Arztes Paul Kemmler (1865—1929), die Fotoglasplatten der Sammlung Wilhelm Kratt oder das Archiv des Sigmaringer Fotoateliers Kugler. Erwähnenswert sind außerdem die umfangreichen Sammlungen, die im Rahmen dienstlicher Belange entstanden. So dokumentierte Erich Blankenhorn (1878-1963) als Chef der in der Weimarer Republik neu gegründeten Badischen Polizei deren Aufbau und Trainingsprogramm. Weitere Sammlungen entstanden im Bereich Verkehr, etwa zur Bahn, zu Land- und Wasserstraßen.

Bei den Personen, die im Südwesten Fotogeschichte geschrieben haben, handelt es sich um Größen wie Felix H. Man alias Hans Felix Sigismund Baumann (1893-1985), der in Freiburg geboren und mit frühen Bildreportagen international bekannt wurde. Umfangreiche Sammlungen hinterließen die Fotojournalisten Willy Pragher (1908-1992) mit Sitz in Freiburg (Bestand im Staatsarchiv Freiburg) und Burghard Hüdig (1933-2020), der „Hof-Fotograf“ der baden-württembergischen Landesregierung (Bestand im Hauptstaatsarchiv Stuttgart). Vom Staatsarchiv Freiburg soll in den nächsten Jahren die Fotosammlung Hanns Tschiras (1899–1957) erschlossen werden. Tschira wurde als Bordfotograf auf Atlantikschiffen bekannt und gründete einen eigenen Bilderdienst in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in seiner neuen Heimat Baden-Baden. Das ohne große Kriegsverluste erhaltene Bildarchiv deckt eine große Bandbreite an Themen ab, die auch für die Zeit vor 1945 bedeutsam sind.

Weniger bekannt sind die Frauen, die bereits in den Anfangsjahren der Fotografie Bedeutendes leisteten. Julie Bauer (1879–1968) gehört zu den ersten Profi-Fotografinnen und eröffnete nach Ablegung der Meisterprüfung 1906 ein eigenes Atelier in der Karlsruher Moltkestraße. Annemarie Brenzinger (1884-1968) war fotografische Autodidaktin. Sie nahm an Ausstellungen teil, veröffentlichte in Zeitschriften und erhielt Preise für ihre Arbeiten. Für die familieneigene Baufirma entstanden Dokumentationen. Eine Besonderheit war ihre technische Experimentierfreude. So beschäftigte sie sich mit Stereo- und frühen Farbaufnahmen. Ihr fotografischer Nachlass gilt wegen seiner Vielfalt und Geschlossenheit als kultur- und fotohistorische Besonderheit und befindet sich in der Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums. Die Bilder sind unter Eingabe des Namens auf LEO-BW abrufbar. Marlis Decker absolvierte ein Volontariat bei dem Freiburger Bild- und Textjournalisten Wilfrid E. Vits. Ab 1976 arbeitete sie als selbstständige Bild- und Pressejournalistin. Eine Werksammlung aus über 30 Jahren ihrer Tätigkeit befindet sich im Staatsarchiv Freiburg. Das Bildarchiv des Ehepaars Lilo (1926-2009) und Horst Schlesiger (1925-1993) bildet einen Bestand im Stadtarchiv Karlsruhe. Horst Schlesiger war ab 1950 als freiberuflicher Bildjournalist für die Badischen Neuesten Nachrichten tätig. Seine Aufnahmen fangen über 40 Jahre die zeitgenössischen Themen in und um die Stadt Karlsruhe ein. Lilo Schlesiger, ausgebildete Kupferstecherin und Keramikmalerin, begleitete diese Zeit nicht nur organisatorisch. Aufnahmen von Bauten, Natur und besonders Porträts von Jubilarinnen und Jubilaren sind ihr zuzuordnen, wobei die Urheberschaft auch in anderen Bereichen des Archivs nicht immer eindeutig ist.

Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern!

00

Weitere Blogeinträge

Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.

Über den folgenden Link können Sie neue Blog-Beiträge als RSS-Feed abonnieren: 

https://www.leo-bw.de/web/guest/blog/rss