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Der Prospekt der Stadt Ravensburg von David Mieser, 1625

Kauf- bzw. Waaghaus mit Blaserturm, Rathaus und Kornhaus am Westrand der Oberstadt, Lederhaus und Karmeliterkloster am Übergang zur Unterstadt, Ausschnitt aus einer Reproduktion der Karte von David Mieser, 1625. Quelle: Historischer Atlas Baden-Württemberg, Karte 1,5.

Kauf- bzw. Waaghaus mit Blaserturm, Rathaus und Kornhaus am Westrand der Oberstadt, Lederhaus und Karmeliterkloster am Übergang zur Unterstadt, Ausschnitt aus einer Reproduktion der Karte von David Mieser, 1625. Quelle: Historischer Atlas Baden-Württemberg, Karte 1,5.

1276, also vor 750 Jahren, wurde Ravensburg Reichsstadt. Aus einer Siedlung im Bereich der Welfenburg war Mitte des 13. Jh. die ummauerte spätere Oberstadt entstanden, die rund 100 Jahre später nach Westen erweitert und durch eine gemeinsame Befestigung ergänzt wurde. Wohlstand entstand durch den Fernhandel des 14. und 15. Jh. sowie die Produktion von Textilien und Papier. Im 16. Jh. verlagerten sich Handelsrouten und wirtschaftliche Schwerpunkte nach Augsburg. Große bauliche Veränderungen fanden ab dem 15. Jh. über lange Zeit nicht mehr statt.

Die von David Mieser 1625 fertiggestellte Karte von Ravensburg und Umgebung war eine Arbeit im Auftrag der Stadt. Das Original, ein auf Leinwand gemaltes Ölbild, hat die Größe von 220 x 285 cm, was einem Gebiet von mehr als 12 Quadratkilometern entspricht. Ein Ausschnitt wurde als Reproduktion in den Historischen Atlas von Baden-Württemberg aufgenommen. Hier sind neben der Kernstadt die beiden kleinen Vorstädte »Ölschwang« und »Pfannenstiel« zu sehen sowie die bereits außerhalb der Stadtgrenze liegende Veitsburg, die welfische Stammburg. Neben Gärten, Landhäusern und Weinbergen sind die Wirtschaftsgebäude bemerkenswert, darunter Keltern sowie die zahlreichen Mühlen der Vorstädte. Im innerstädtischen Bereich ist die Zweiteilung in die ältere Ober- und jüngere Unterstadt mit ihrer regelmäßigeren Bebauung erkennbar, die durch den heutigen Marienplatz getrennt sind. Als markante Gebäude, die durch eine Legende beschrieben sind, erscheinen neben dem Rathaus die Brotlaube, das Kauf- oder Waaghaus sowie das Kornhaus. Die Situation der Unterstadt wird maßgeblich durch den Flattbach geprägt, der die Stadt sowohl oberirdisch als auch verdolt durchquert. Er tritt am Lederhaus zutage, begleitet die Trocknungsplätze der Gerber und passiert schließlich beim Spital zum Heiligen Geist am Untertor die Stadtbefestigung. Neben deren Türmen treten die der Kirchen Unserer Lieben Frau und St. Jodok hervor. Als sakrale Gebäude sind ferner die Kapelle des Franziskanerinnenklosters erkennbar, die sich an den „Mehlsack“ anschließt und in der südöstlichen Ecke der Unterstadt das Karmeliterkloster.

Die Ansicht von David Mieser von 1625 ist nicht nur deshalb bedeutsam, weil sie einen realitätsbezogenen Eindruck der Stadt unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg vermittelt. Einbezogen wurden auch die Gegebenheiten des Umlands. Während der folgenden Kriegszeit verlor Ravensburg viele Einwohner durch Hunger und Seuchen sowie einen Teil seines ohnehin kleinen Territoriums. Ein großer Bereich der Veitsburg brannte 1647 ab. David Mieser starb 1635 durch die Pest.

Eine ausführliche Beschreibung unter Berücksichtigung der Person des Malers David Mieser finden Sie im Historischen Atlas von Baden-Württemberg (hierzu die Vorschaubilder unter dem Titelbild anklicken und dann nochmals auf den Titel klicken).

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