null

Der Staufen – eine vergessene Burg im Hegau

Die Herrschaft Hewen mit Burg Staufen und benachbarten Anlagen, Karte zu Tuttlinger Amt und Hohentwiel, erstellt von Johannes Oettinger um 1612, Quelle: Landesarchiv BW, HStAS N 3 Nr. 1/27

Die Herrschaft Hewen mit Burg „Stauffen“ und benachbarten Anlagen, Karte zu Tuttlinger Amt und Hohentwiel, erstellt von Johannes Oettinger um 1612, Quelle: Landesarchiv BW, HStAS N 3 Nr. 1/27

Neben den bekannten Bergen im Hegau - wie Hohentwiel oder Hohenkrähen - gibt eine Reihe weiterer, die ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind und sich über das Gebiet nordöstlich von Singen bis zur Baaralb verteilen. Die Berge sind nicht zuletzt wegen ihrer Burgen berühmt, von denen die meisten während des Dreißigjährigen Krieges zerstört wurden. Dem Hohentwiel widerfuhr dieses Schicksal erst in napoleonischer Zeit. Zu verdanken war dies unter anderem dem Kommandanten Konrad Widerholt, der den gegnerischen Höhenbesitz in der Umgebung ab 1634 systematisch zerstören ließ. Dazu gehört auch die Burg Staufen, die heute in Vergessenheit geraten ist. Der Berg Staufen befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hohentwiel. Im Gegensatz zu den steil aufragenden Nachbarn handelt es sich um eine flachere Kuppe, rund 100 Meter niedriger als der Hohentwiel. Zwischen beiden verläuft unter einer Senke der Hilzinger Tunnel der A81. Die Bezeichnung Staufen im Zusammenhang mit einem Berg oder einer Burg taucht mehrfach in Baden-Württemberg auf. Der Hohenstaufen gehört zu den „Dreikaiserbergen“ bei Göppingen. Auf dem Schlossberg der Stadt Staufen im Breisgau befindet sich eine Ruine gleichen Namens. Das mittelhochdeutsche Stauf oder Staufen bezeichnet einen spitzen Bergkegel. Das Wort steckt auch im Hegauer Hohenstoffeln, was für Forscher auf Besitzzusammenhänge schließen lässt, die sich im Namen des unscheinbareren Bergs Staufen niedergeschlagen haben.

Die Hegauer Burg Staufen und ihre Geschichte sind vergleichsweise wenig erforscht. Vermutlich handelt es sich um eine Gründung der Zähringer. Die Besitzverhältnisse sind eng mit der Ortsherrschaft von Hilzingen verbunden. Im Lauf des 14. Jh. kam diese an den Herzog von Österreich und, nach verschiedenen Teilungen, erneut Anfang des 17. Jh. 1612 erhielt der Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler zwei Drittel als Lehen, den Rest ein Bürger aus Lindau. Erstaunlicherweise existieren mehrere Abbildungen der Burg, die sie im Zusammenhang mit dem Hohentwiel zeigen. Um 1612 erstellte Johannes Oettinger eine Karte zu „Tuttlinger Amt und Hohentwiel“ als Ergänzung von Georg Gadners „Chorographia“ des Fürstentums Württemberg. Die Verhältnisse sind zwar schematisch aber doch mit Details wiedergegeben. Hier ist eine Anlage ohne hervortretenden Turm zu sehen. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg war die Burg in kriegerische Auseinandersetzungen einbezogen. 1634 ließ Widerholt sie besetzen, 1638 abbrechen. Aus den bildlichen Darstellungen zu den Belagerungen des Hohentwiel 1641 und 1644 geht der Umfang der Zerstörung nicht eindeutig hervor. Eine Szenerie der Situation von 1641 zeigt die beiden Burgen, eingebunden in einen Befestigungsgürtel. Die Kernburg auf dem Staufen ist von einer turmbewehrten Mauer umgeben, wobei die Dächer der Gebäude nur noch aus Sparren bestehen. Die Burg diente hier als militärischer Stützpunkt. Ein Rekonstruktionsversuch von 2014 zu der Anlage, der nach umfangreichen Untersuchungen und unter Einbeziehung historischer Abbildungen entstand, verweist auf ein palasartiges, zweiflügliges Haupt- sowie ein niedrigeres Nebengebäude. Ob und wann ein Bergfried vorhanden war, bleibt offen.

Auf LEO-BW finden Sie die Belagerungsdarstellung von 1641 sowie den Beitrag Die Ruine Staufen bei Hilzingen im Hegau. Zum Grundriss und zur Baugestalt der mittelalterlichen Burg von Tobias Teyke und Wolfgang Teyke (Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 132 (2014).

00

Weitere Blogeinträge

thumbnail
Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.

Über den folgenden Link können Sie neue Blog-Beiträge als RSS-Feed abonnieren: 

https://www.leo-bw.de/web/guest/blog/rss