null

Die Rhein-Neckar-Region und ihre Schlösser

Der ehemalige Landsitz des Bankiers Rothschild in Hemsbach, heute Rathaus, Quelle: Gemeinde Hemsbach

Der ehemalige Landsitz des Bankiers Rothschild in Hemsbach, heute Rathaus, Quelle: Gemeinde Hemsbach

Im Nordwesten Baden-Württembergs liegt die Metropolregion Rhein-Neckar als bedeutender Industrie- und Wirtschaftsstandort. Hier treffen die beiden namensgebenden Wasserstraßen aufeinander, die im 19. Jh. mit Rheinbegradigung und dem Ausbau des Mannheimer Hafens wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen haben. Dynamische Zentren entfalten Strahlkraft. Zum Rhein-Neckar-Kreis gehören 17 Städte. Sechs davon sind „Große Kreisstädte“, darunter Hockenheim, Weinheim und Wiesloch. Mannheim und Heidelberg mit ihren renommierten Universitäten bilden eigene Stadtkreise. Heidelberg, inmitten des Rhein-Neckar-Kreises, ist auch dessen Verwaltungssitz. Der Süden des Rhein-Neckar-Kreises wird durch die A6 erschlossen, die am Walldorfer Kreuz auf die A5 trifft und nach Norden abbiegt. Die beiden Autobahnen verlaufen hier parallel. Im Norden erstreckt sich das Kreisgebiet bis nach Weinheim und zu den Ausläufern der Bergstraße. Der nordöstliche Teil des Kreises wird vom ländlicheren Odenwald bestimmt. Einen Einschnitt bilden die beiden hessischen Gemeinden Neckarsteinach und Hirschhorn, deren Flächen bis an den Neckar heranreichen, während das östlich anschließende Eberbach wieder zu Baden-Württemberg gehört. Die südlicheren Bereiche werden vom Kraichgauer Hügelland geprägt.

Mit den Orten der Rhein-Neckar-Region sind zahlreiche Attraktionen verbunden: Ladenburgs Stadtgeschichte reicht bis in die Römerzeig zurück. Das Automuseum Dr. Carl Benz erinnert an die Anfänge des Automobilbaus, der auch am Hockenheimring seine Spuren hinterlassen hat. Das Technik Museum Sinsheim mit seiner Präsentation motorisierter Fortbewegungsmöglichkeiten lässt fast keine Wünsche offen. Für seine Burgen und Schlösser ist die Region weniger bekannt, trotz der Highlights in Mannheim, Heidelberg oder Schwetzingen. Weitere alte Gemäuer, die zahlreich vertreten sind, lohnen eine nähere Betrachtung. Sie und die damit verbundenen interessanten Geschichten möchten wir in den nächsten Wochen vorstellen. Den Anfang macht Hemsbach mit dem „Rothschild-Schloss“ sowie dem Rest einer ehemaligen Wasserburg.

Hemsbach an der Bergstraße

1839 erwarb der Frankfurter Bankier Carl Mayer Freiherr von Rothschild (1788-1855) eine Villa italienischen Stils, die der kurfürstliche Jagdrat Franz Blesen in den 1760er Jahren hatte erbauten lassen. Der 1822 in den Adelsstand erhobene Rothschild unterhielt internationale Beziehungen, war selbst viel unterwegs und lebte zeitweise in Neapel, wo sich eine der Niederlassungen des Bankhauses befand. In seinen späteren Jahren konzentrierte sich Rothschild auf den Hauptsitz in Frankfurt. Das milde Klima an der Bergstraße und die Nähe der nur 30 Kilometer Luftlinie entfernten Wirtschaftsmetropole mag zu der Entscheidung für Hemsbach beigetragen haben. Um 1850 erfolgte eine bauliche Erweiterung der Villa. Mit den beiden seitlichen Flügeln sowie der Aufstockung um zwei Geschosse entstand ein repräsentativer Palazzo, wobei das südländische Erscheinungsbild beibehalten wurde. Die kleine jüdische Gemeinde in Hemsbach profitierte von der Anwesenheit des reichen Schlossherrn. Nach dessen Tod, mehreren Besitzwechseln und zeitweiligem Verfall übernahm 1925 die Kommune Hemsbach das Schloss, das 1928 zum „Neuen Rathaus“ wurde.

Neben dem „Rothschild-Schloss“ ist in Hemsbach der Rest einer ehemaligen Wasserburg erhalten. Von der mehrteiligen Anlage, die im 13. Jh. erstmals erwähnt wurde, blieben nur die unteren Geschosse eines Wohnturms. Ein großer Teil der Mauern wurde bei Abbrucharbeiten des 19. Jh. beseitigt. Das heute unter dem Namen Ritterhaus oder Zehntscheuer bekannte Gebäude befindet sich in Privatbesitz und wurde verschiedentlich für gastronomische Zwecke genutzt.

00

Weitere Blogeinträge

Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.

Über den folgenden Link können Sie neue Blog-Beiträge als RSS-Feed abonnieren: 

https://www.leo-bw.de/web/guest/blog/rss