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Die Seherin von Prevorst - Friederike Hauffe in Weinsberg

Friederike Hauffe, Bleistiftzeichnung von Josef Wagner 1829, Quelle: Landesmedienzentrum BW

Friederike Hauffe, Bleistiftzeichnung von Josef Wagner 1829, Quelle: Landesmedienzentrum BW

1826, also vor 200 Jahren, kam die junge Friederike Hauffe nach Weinsberg, um sich von Justinus Kerner behandeln zu lassen. In den Städtischen Museen Heilbronn – Museum im Deutschhof wird dazu die Ausstellung „Die Seherin von Prevorst – Eine Frau wird zum Mythos“ gezeigt.

Friederike Hauffe geb. Wanner (1801-1829) war die Tochter des Revierförsters von Prevorst am Rand der Löwensteiner Berge, heute Kreis Ludwigsburg. 1821 heiratete sie ihren Cousin, den Kaufmann Gottlieb Hauffe aus Kürnbach und bekam zwei Kinder. Während ihr Mann oft geschäftlich unterwegs war, traten bei der jungen Frau Symptome auf, die als Geistererscheinungen gedeutet wurden. Auch soll sie Ereignisse vorausgesagt haben. 1826 kam sie völlig entkräftet zu Justinus Kerner (1786-1862) nach Weinsberg, der dort als Oberamtsarzt tätig war. Schon vorher hatte sie sich „magnetischen Heilbehandlungen“ unterzogen. Einer der Wegbereiter dieser Methode war Eberhard Gmelin (1751-1809), der das Konzept von Franz Anton Mesmer weiterentwickelte, das auf der Übertragung von „Lebensenergie“ beruhte. Gmelin wies nach, dass über Hypnose ein Zugang zum Unterbewussten und eine Veränderung des Erkenntnisvermögens herbeigeführt werden konnte. Zu Beginn des 19. Jh. griffen die Mediziner der Romantik, die sich sowohl an den damaligen naturwissenschaftlichen Auffassungen orientierten als auch ganzheitlichen Ansätzen zuwandten, darauf zurück. Offenbar sahen sie eine Möglichkeit damit „Erregungszuständen“ zu begegnen. Ganz fremd erscheinen die Vorgehensweisen nicht, selbst aus heutiger Sicht.

Justinus Kerner, der schon als Knabe von Gmelin behandelt worden war, gehörte zu denjenigen Mesmerianern, die sich spekulativ-esoterischen Anschauungen und Vorstellungen einer von Geistern bevölkerten Parallelwelt widmeten. Friederike Hauffe, die mehrere Jahre ihrer Kindheit im Haus der Großeltern verbracht hatte, war dort mit Mystik, Okkultismus und Formen von Jenseitsvorstellungen in Kontakt gekommen. Die Großmutter stand den pietistischen Basler und Herrnhuter Gemeinden nahe. Ähnlichen Einfluss übte der Stiftsprediger Tritschler aus, ein Nachbar der Familie am Wohnort Oberstenfeld, mit dem sich Friederike anfreundete. 1821 heiratete sie den wesentlich älteren Gottlieb Hauffe. Die Unterschiede zwischen dem erfolgreichen, energischen Geschäftsmann und der hochsensiblen jungen Frau waren beträchtlich. Kurz nach der Eheschließung brach ihre Krankheit aus. Unter schwierigen Umständen kamen zwei Söhne zur Welt, eines der Kinder überlebte nur wenige Monate. Wie ihre Mutter litten auch sie unter schweren Krämpfen. In Weinsberg wurde Friederike Hauffe zunächst in einem separaten Haus behandelt, bis sie Kerner im Frühjahr 1827 bei sich aufnahm. Zwei Jahre später starb sie. Schon zu ihren Lebzeiten kamen bekannte Persönlichkeiten zu Besuchen nach Weinsberg. Patientin und Behandlung sorgten aber auch für Kontroversen. Nach dem Tod seines Pfleglings veröffentlichte Justinus Kerner die Krankengeschichte unter dem Titel „Die Seherin von Prevorst“. Das Buch spiegelt seine spirituelle Sicht „über das innere Leben des Menschen und das Hereinragen einer Welt der Geister in die unsrige“. Heute ist das Buch unter medizinhistorischen Aspekten bedeutsam. Es sorgte auch dafür, dass das Thema eine langanhaltende Faszination entfaltete. Mehr als 50 Jahre nach ihrem Tod fertigte der Münchner Maler Gabriel Max (1840-1915) Bildnisse der „Seherin“, die wesentlich zum Mythos beitrugen. Mit diesen und weiteren spiritistisch inspirierten Bildern gilt er als Begründer der „Seelenmalerei“.

Die Ausstellung in Heilbronn geht den Spuren des Mythos um Friederike Hauffe nach.
Ergänzend gibt es im Stadtarchiv Heilbronn einen Beitrag zu Eberhard Gmelin und dem „Thierischen Magnetismus“

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