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Eisige Freuden -  zur Wintersportgeschichte im Südwesten

Wintervergnügen auf dem gefrorenen Schluchsee, Abbildung aus: Das Badnerland im Winter, Broschüre des badischen Fremdenverkehrsverbands von 1913, Quelle: BLB Karlsruhe 119 H 1529, CC-BY-SA (4.0)

Wintervergnügen auf dem gefrorenen Schluchsee, Abbildung aus: „Das Badnerland im Winter“, Broschüre des badischen Fremdenverkehrsverbands von 1913, Quelle: BLB Karlsruhe 119 H 1529, CC-BY-SA (4.0)

Es bleibt winterlich mit guten Aussichten für Ski- und Rodelfans in höheren Lagen. Ende des 19. Jh. hatte der Skisport Einzug im Südwesten gehalten. Ausgehend vom Feldberggebiet, wo 1891 der „Ski Club Todtnau“ gegründet wurde, erfreute sich das Fahren auf Brettern zunehmender Beliebtheit. Spezielle Ausprägungen entwickelte der Wintersport auf der Schwäbischen Alb.

Zum Erfolg des Wintertourismus trug nicht zuletzt die Technisierung bei. Neue Bahnlinien, etwa die 1887 eröffnete Höllentalbahn von Freiburg bis Neustadt, ermöglichten die bequeme Anreise, selbst im Winter. Ein findiger Schwarzwaldbauer tüftelte bereits Anfang des 20. Jh. an einem Schlepplift für Feriengäste: Robert Winterhalder (1866-1932) vom Schneckenhof in Oberschollach bei Eisenbach nutzte dazu sein Seilbahnsystem für Bergtransporte, betrieben durch Wasserkraft der hauseigenen Mühle. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Skifahren zum Breitensport, der Dank zahlreicher Vereinsgründungen für die Allgemeinheit zugänglich wurde.

Schon 1906 entstand der „Badische Landesverband zur Hebung des Fremdenverkehrs“, der für die Bekanntmachung und Vermarktung der badischen Wintersportziele und deren Annehmlichkeiten sorgte. Im Nordschwarzwald boten Verbindungen wie das „Bühlertalbähnle“ oder die Albtalbahn extra Skiwagen zur Beförderung von Personen und Ausrüstung. Als schneesichere Anziehungspunkte lockten die Badener Höhe, Merkur, Hornisgrinde oder Seekopf. Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten bestanden in Gasthöfen wie dem „Waldhaus Bermersbacher Hütte“, beim „Sandwirt“ oder dem Domizil des „akdemischen Skiklubs Kalrsruhe“. Im südlichen Schwarzwald entwickelte sich Triberg mit seinen Nachbarorten Schonach und Schönwald zu einem Zentrum. Der in Südwestdeutschland einzigartige „Bobsleigh-Klub Schwarzwald“ in Triberg veranstaltete Meisterschaften auf der am Sterenberg angelegten Kunstbobbahn. Rodelbahnen für Erwachsene waren auch an der Ebersteinburg bei Baden-Baden oder dem Königsstuhl bei Heidelberg mit der 1907 fertiggestellten Bergbahn eingerichtet. Auf dem gefrorenen Schluchsee sollen sogar Eissegler auf ihre Kosten gekommen sein.

Einer der ersten Wintersportvereine der Schwäbischen Alb wurde 1910 in Ebingen, heute Teilort von Albstadt, gegründet. Die weniger touristisch erschlossenen Pisten der Alb zogen vor allem Einheimische an. Heute kaum noch bekannt ist die Begeisterung für das Skispringen, das nach dem Ersten und vor allem dem Zweiten Weltkrieg in vielen Orten der Ostalb gepflegt wurde. Ein Vorreiter in dieser Hinsicht war der 1922 unter Beteiligung aus Stuttgart gegründete „Ski-Club Degenfeld“, der bereits in den Anfangsjahren weibliche Mitglieder aufnahm und erfolgreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Wettkämpfen hervorbrachte. Eine weitere Anlage mit Geschichte ist die heutige „Skiarena Täle“ bei Meßstetten, deren Anfänge in den 1930er Jahren liegen .

Milde Winter ließen Amateure und Profis in Gebiete mit mehr Schneesicherheit ausweichen. Viele der Alb-Anlagen sind heute nicht mehr in Gebrauch oder wurden abgerissen, so auch die nach 1945 mithilfe US-amerikanischer Soldaten errichtete Ostalbschanze bei Unterkochen oder die Lautertalschanze bei Herrlingen. In den Orten blieb die Erinnerung an große, internationale Tourniere lebendig. So fand auf der Herwartschanze bei Königsbronn noch bis in die 1980er Jahre das legendäre Nachtspringen statt, ein Wettbewerb der österreichischen, schweizerischen und deutschen Nationalmannschaften.

Mehr zur Geschichte des Wintersports im Südwesten finden Sie hier

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