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Flusslandschaft Murg Teil II: Flößer, Wasserkräfte und die Revolution 1848/49

Die überdachte Brücke in Forbach ist eines der Wahrzeichen des Murgtals, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2012/523-24

Die überdachte Brücke in Forbach ist eines der Wahrzeichen des Murgtals, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2012/523-24

Den oberen Abschnitt der Murg um die Gemeinde Baiersbronn mit ihrem umfangreichen Fremdenverkehrsangebot charakterisieren breite Schwarzwaldtäler. In Klosterreichenbach entstand im 11. Jh. ein Konvent, der Hirsau unterstellt war. Als Teil der ehemaligen Anlage ist die heutige evangelische Kirche erhalten. Im schluchtartigen mittleren Murgtal entfaltet das Wasser beachtliche Kräfte, die im 1914 errichteten Murgtalkraftwerk bei Forbach zur Energieerzeugung genutzt werden. Dem Kraftwerk angegliedert sind mehrere Speicherbecken, wie der Stausee im Schwarzenbachtal.

Die Holzflößerei auf der Murg war bereits im Mittelalter ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die steigende Nachfrage im 15. Jh. ließ festere Strukturen entstehen. Die erste nachweisbare Ordnung der Murgschifferschaft als Handelsgesellschaft stammt aus der Zeit um 1488. Als genossenschaftliche Einrichtung mit umfangreichem Waldbesitz besteht sie noch heute. Der Transport der Stämme war aufwendig, versprach aber gute Gewinne. Sie wurden nach dem Fällen durch Schwerkraft, teils direkt auf dem Boden oder über angelegte Erdrinnen, teils über kleinere Wasserläufe, talabwärts befördert. Wo das nicht möglich war, kamen Fuhrwerke zum Einsatz. Insbesondere die Enge des mittleren Murgtals und der steinige Grund stellten ein Hindernis für die Flößerei dar. Mithilfe von ständigen oder nach Bedarf erbauten Schwallungsvorrichtungen konnte der Wasserstand der Murg sowie der Zuflüsse erhöht werden. Steinmauern, an der Mündung der Murg in den Rhein, entwickelte sich zum bedeutenden Stapel- und Anlegeplatz für die großen Holzflöße. Das dortige Flößereimuseum sowie das Museum Haus Kast in Gaggenau-Hörden informieren über die Geschichte der Murg-Flößerei. Das heute dicht besiedelte untere Murgtal war eines der ersten Zentren der Industrialisierung im Südwesten. In Gernsbach entstanden Holz- und Papier-, in Gaggenau Eisenwerke. Die Süddeutsche Automobil-Fabrik (SAF) in Gaggenau wurde 1905 gegründet und ging 1910 in Benz & Cie. auf.

Bad Rotenfels, heute Teilort von Gaggenau, ist wegen seines Thermalbads Rotherma bekannt. Im 19. Jh. existierte für einige Jahrzehnte ein reger Kurbetrieb. Nach der Entdeckung einer Quelle ließ Markgraf Wilhelm von Baden (1792–1859) auf dem Gelände seines Musterguts eine Trinkhalle und später ein Badhotel errichten. Bis zu seinem Tod waren die Einrichtungen eine gut besuchte Alternative zum mondänen Baden-Baden. Das an ein Kurhaus erinnernde Schloss Rotenfels ist der von Friedrich Weinbrenner in klassizistischem Stil gestaltete ehemalige Landsitz Wilhelms. Heute beherbergt es die Akademie für Lehrerbildung.

Bei Kuppenheim tritt die Murg in die Rheinebene. Als nächste Station folgt Rastatt, die größte Siedlung auf dem Weg zur Mündung. Nach den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs löste Rastatt die alte Residenz in Baden-Baden ab und wurde Sitz des Markgrafen Ludwig Wilhelm (1655-1707). Wie später Karlsruhe, war das wiederaufgebaute Rastatt als Planstadt angelegt mit regelmäßigem Grundriss und auf das Schloss ausgerichteten Straßen. Mitte des 19. Jh. wurde Rastatt zur Bundesfestung ausgebaut und war einer der Hauptschauplätze der Badischen Revolution 1848/49.

Schon ab dem späten 18. Jh. wurde die Murg begradigt und verläuft nach Gernsbach in einem kanalisierten Bett. Weitere Eingriffe erfolgten durch die Rheinkorrektur, bei der die Mündung um etwa 1,5 Kilometer nordwärts verlegt wurde. Auf den letzten Metern passiert die Murg die Rheinauen mit alten Flussarmen und Feuchtgebieten wie dem Silberweidenwald. Hier befindet sich auch der „Goldkanal“, ein ehemaliger Altrheinarm, wo in den 1930er Jahren nach dem Edelmetall gesucht wurde. Durch die Förderung von Kies entstand einer der größten Baggerseen Baden-Württembergs, heute mit Naherholungs- und Naturschutzanteilen.

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