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Münzen aus Stuttgart

 Vergoldete Hirschgulden-Klippe aus der Prägestätte Stuttgart-Berg, 1623 [Quelle: Landesmuseum Württemberg]
Vergoldete Hirschgulden-Klippe aus der Prägestätte Stuttgart-Berg, 1623 [Quelle: Landesmuseum Württemberg]

Am 17. Januar 1374 ließ der württembergische Graf Eberhard II. erstmals Münzen in Stuttgart prägen. Seitdem war Stuttgart die wichtigste Münzstätte erst der Grafschaft, dann des Herzogtums und schließlich des Königreichs Württemberg. Sie behielt ihre Funktion, als Württemberg 1871 dem Deutschen Reich beitrat und 1952 mit Baden zum Bundesland Baden-Württemberg vereinigt wurde.

Als älteste Münzeprägestätte Stuttgarts gilt das Gebäude in der Engen Straße 6, heute Bärenstraße. Hier wurden Münzen bis 1450 geprägt. Zwischen 1450 und 1724 war die Münze in dem Haus in der Alten Münz-Gasse, der heutigen Turmstraße 2, untergebracht.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges setzte in großen Teilen Deutschlands eine rasch fortschreitende Münzverschlechterung ein, die in der „Großen Kipper- und Wipperzeit“ der Jahre 1622/23 ihren Höhepunkt fand. Auch im Herzogtum Württemberg zeigten sich schon nach kurzer Zeit die Folgen der kaiserlichen Münzmanipulation: Ebenso wie viele fürstliche Standesgenossen trugen Herzog Johann Friedrich und seine Räte dabei keinerlei Bedenken, die guten Münzen in der herzoglichen Kasse, der Landschaftseinnehmerei, gezielt einsammeln zu lassen, sie einzuschmelzen und in geringwertigeren Münzen, bei gleichem Nominalwert, wieder ausprägen zu lassen – sich also ebenfalls an der Münzmanipulation zu beteiligen. Die Folge war zwar eine kurzfristige Steigerung der Einnahmen der Staatskasse. Diese wurde aber mit einer Explosion der Preise und Löhne bei gleichzeitiger Entwertung der Geldvermögen erkauft; zudem waren auch die staatlichen Einnahmen selbstverständlich von der Geldentwertung betroffen. Für die Massenprägung von unterwertigem „Kippergeld“ reichte die Münze in Stuttgart bald nicht mehr aus. Deshalb richtete man rasch hintereinander neben der kleinen Münze in der Alten Münz-Gasse 2 drei weitere Münzstätten in Tübingen, Christophstal bei Freudenstadt und in Stuttgart-Berg ein, so dass es in dieser Zeit in Württemberg zeitweise vier Münzstätten gab.

1842 ließ König Wilhelm I. gegenüber der Staatsgalerie Stuttgart eine neue Prägestätte erbauen, die allerdings im Zweiten Weltkrieg so schwere Schäden erlitt, dass der Prägebetrieb nur noch notdürftig weitergeführt werden konnte. 1967 zog die Prägestätte deshalb in das neu erbaute Gebäude in Bad Cannstatt um. Heute wird bei der sogenannten Staatlichen Münze Baden-Württemberg ein Viertel aller Umlaufmünzen in Deutschland geprägt. Unter diesem Namen firmieren die beiden Münzstätten Karlsruhe und Stuttgart, die sich 1998 zu einem Betrieb zusammengeschlossen haben. Trotz des Zusammenschlusses haben sich die Prägestätten die unterschiedlichen Münzzeichen mit den Buchstaben „G“ (für die Staatliche Münze Karlsruhe) und „F“ (für die Staatliche Münze Stuttgart) erhalten.

Wer mehr über das Münzwesen im Südwesten erfahren will, findet im Virtuellen Stadtlexion der Stadt Stuttgart und auf der Seite der Staatlichen Münze weitere Informationen. (JH)

 

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