Vom königlichen Privatgarten zum öffentlichen Park - Die Wilhelma

Wilhelma Vogelschau
Stuttgart: Wilhelma aus der Vogelschau - Lithographie von 1855 [Copyright: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg]
Während der Bauarbeiten für das Landschloss Rosenstein (1824–1829) wurden im östlichen Teil des königlichen Parkes Mineralquellen entdeckt, was in König Wilhelm I. den Wunsch weckte, dort ein eigenes Badhaus errichten zu lassen: Dies war die Geburtsstunde der heutigen Wilhelma. Nachdem er einige Entwürfe abgelehnt hatte, verfasste der König eigenhändig ein Bauprogramm, das Standort, Gestaltung und Anspruch des Badhauses konkretisierte: Nur ein Stockwerk, viereckig, mit einem inneren Hof mit Arkaden im gotischen oder lieber maurischen Stil. Der maurische Stil hatte seinen Höhepunkt im 12. bis 15. Jahrhundert in Spanien und Nordafrika. Eines der bedeutendsten Beispiele ist die Alhambra in Granada (Spanien), gebaut 1492. Deshalb wird die Stuttgarter Wilhelma manchmal auch als die „Alhambra am Neckar“ bezeichnet. Auch andere Gebäude, die in dieser Zeit entstanden sind, etwa Synagogen in Berlin und Wien, wurden im maurischen Stil gebaut. Der Architekt Karl Ludwig von Zanth setzte die Pläne Wilhelms um. Zwischen den Jahren 1837–1840 kam noch das Wilhelma-Theater hinzu. Ursprünglich waren die Gartenanlagen allein der königlichen Familie vorbehalten. Die Wilhelma diente zudem den Festlichkeiten des königlichen Hofes. Das nach der Überlieferung glanzvollste Fest fand am 26. September 1857 im Rahmen der Stuttgarter Kaisertage statt, als Napoleon III. und Zar Alexander II. von Russland zu politischen Verhandlungen in Stuttgart weilten. Nach dem Tod Wilhelms I. im Jahr 1864 wurde der Zutritt zur Wilhelma etwas erleichtert, jedoch erst ab 1880 konnten alle unbescholtenen Bürger Eintrittskarten zur Besichtigung der Anlage erwerben. Nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 und der Auflösung des württembergischen Hofes ging die Wilhelma in den Besitz des Volksstaats Württemberg über und wurde als botanischer Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Während des Zweiten Weltkrieges wurden große Teile der maurischen Bauten und der botanischen Anlagen durch Bombenangriffe zerstört. Erhalten blieben nur der Maurische Garten, Reste des Wohngebäudes und der Gewächshäuser, der Belvedere-Pavillon und die Damaszener-Halle. Erst 1949 konnte die Wilhelma wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Den ausführlichen Text von Martin Häußermann aus den Archivnachrichten finden Sie hier. (JH)
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