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Von Kerzen und Wachs – ein Beitrag zum Advent

Chor der evangelischen Stadtkirche Neuenstein, Quelle: Landesarchiv BW

Chor der evangelischen Stadtkirche Neuenstein, Quelle: Landesarchiv BW

Die erste Kerze am Adventskranz brennt. Der Brauch entstand in Hamburg, wo der evangelischen Pfarrer Johann Heinrich Wichern um 1839 eine Einrichtung für sozial benachteiligte Jugendliche gegründet hatte. Ursprünglich handelte es sich um eine Art Adventskalender mit 23 Kerzen für die Tage vor Heiligabend. Im Lauf der Zeit entstand daraus die heutige Form mit vier Kerzen für die Adventssonntage. Nach dem Ersten Weltkrieg, also vor etwa 100 Jahren, fanden Adventskränze weitere Verbreitung. Heute werden gerne die praktischen LED-Lichter eingesetzt. Doch haben Kerzen mit ihrem unvergleichlichen Licht und dem Duft von heißem Wachs einen eigenen Reiz. Die in vielen Kirchen vorhandene Möglichkeit zum Anzünden einer Kerze wird nach wie vor gerne genutzt. Damit verbunden sind Bitte, Dank, Andenken oder ganz allgemein der Ausdruck von Glauben.

In der Zeit der Naturalabgaben war der Wachszins von Bedeutung. Kirchliche Einrichtungen hatten immensen Bedarf an Bienenwachs, das wegen der vermeintlichen Jungfräulichkeit der Bienen als Mariensymbol geschätzt wurde. Aus erhaltenen Verträgen geht hervor, für welche Zwecke, von wem und in welchen Mengen das Wachs gestiftet werden konnte. So ist beispielsweise eine über 500 Jahre alte Urkunde erhalten, in der sich die Gemeinde Neuenstein verpflichtet, als Gegenleistung für die von Graf Albrecht zu Hohenlohe an die Kirche in Neuenstein übertragenen Reliquien in der gräflichen Kapelle die Kerzen brennen zu lassen. Verbunden mit der Stiftung war eine Wachsgült mit der namentlichen Nennung der Spenderinnen und Spender. Demnach handelte es sich um ein halbes Dutzend Personen, die sechs Pfund Wachs oder mehr zur Verfügung stellten. Der Vorgang ist auf „Donnerstag nach St. Elisabeth“ [23. November] 1486 datiert und wurde von Schultheiß, Bürgermeister und Gericht zu Neuenstein beglaubigt. Eine Abschrift befindet sich in den Unterlagen „Stiftungen und andere geistliche Sachen der Familie Hohenlohe“ im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein. In den Jahren 1550-1556 hielt die Reformation Einzug in Neuenstein. Die heutige Kirche in Neuenstein, ausgeführt unter Georg Kern, ersetzte um 1609/10 eine spätgotische Kapelle, deren Chor und Turmuntergeschosse einbezogen wurden.

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