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Von Mühlen und Löchern

Die Hexenlochmühle, aufgenommen von Alwin Tölle um 1960-1989, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2004/13189, gemeinfrei

Die Hexenlochmühle, aufgenommen von Alwin Tölle um 1960-1989, Quelle: Badisches Landesmuseum, Außenstelle Südbaden BA 2004/13189, gemeinfrei

Mühlen, oft in malerischen Winkeln gelegen, zählen zu den Inbegriffen der Postkartenidylle. Einige von ihnen haben Kultstatus, wie die berühmte Rankmühle bei St. Märgen im Schwarzwald. Andere sind Insinder-Tipps und manchmal gibt es Geschichten von Orten zu erzählen, die längst verschwunden sind. 

Ganz in der Nähe der Rankmühle liegt die Hexenlochmühle, versteckt in einem schluchtartigen Tal zwischen Furtwangen und St. Märgen. Sowohl die alten Anlagen mit zwei Wasserrädern als auch die Umgebung tragen zum wildromantische Erscheinungsbild bei. Schon die Anfahrt über ein enges, endlos erscheinendes Sträßchen im fast sonnenlosen Grund macht dem Namen Ehre. Das erste Wasserrad wurde Anfang des 19. Jh. zum Antrieb einer Nagelschmiede erbaut. Später kam eine Sägemühle hinzu und die Schmiede diente der Herstellung von Uhrengestellen. Heute ist die Hexenlochmühle ein Ausflugsziel mit Bewirtungsbetrieb.

Die Lochmühle in der Gauchachschlucht, einem Nebenarm der Wutach, ist durch die teils tragischen Geschichten in Erinnerung geblieben, die mit ihr verbunden sind. Schon früh nachweisbar, zählt sie zu den Anlagen, die den Widrigkeiten jahrhundertelang standhielten. Fluten wie die von 1804 und 1895 hatten katastrophale Auswirkungen auf das gesamte Wutachgebiet. 1804 rissen die Wassermassen drei Mühlenangehörige mit sich, darunter den siebenjährigen Sohn der Familie. Die Toten konnten nie gefunden werden. An das Unglück erinnert bis heute eine Kapelle, die am Hang oberhalb der Talsohle errichtet wurde. Ambros Oschwald (1801-1873), ein anderer Sohn Familie, wurde Pfarrer und geriet wegen seiner nicht konformen Weltanschauungen in Konflikt mit der Kirche. Er und seine Anhänger wanderten 1854 nach Wisconsin aus, wo sie eine urchristliche, genossenschaftlich organisierte Gemeinde gründeten. 1895 richtete das Hochwasser erneut verheerende Schäden an. Die Lochmühle verschwand komplett. Glücklicherweise kam niemand zu Tode, doch der Standort wurde aufgegeben. Die Mitglieder der letzten Besitzerfamilie Frank bezogen ein Haus im nahen Mundelfingen. Hier ereilte sie ein weiterer Schicksalsschlag, als das Gebäude durch Blitzschlag abbrannte. Schließlich konnte die Stadtmühle in Hüfingen erworben werden.

Aus heutiger Sicht verwundert die nicht geringe Anzahl an Mühlen im verzweigten Schluchtsystem der Wutach. Einerseits standen gewaltige Wasserkräfte zur Verfügung. Andererseits entfalteten diese ihr Zerstörungspotenzial nicht nur in Form von Hochwasser, sondern auch Felsstürzen und Hangrutschungen. Zu den früh nachweisbaren Anlagen gehören Schattenmühle, Dietfurtmühle, Eulenmühle, Guggenmühle und Burgmühle. Ihre Existenz sicherte u.a. der Mühlenbann, der mit der grundherrlichen Verpflichtung verbunden war, in einer bestimmten Mühle mahlen zu lassen. Neben Kornmühlen waren Gips- und Papiermühlen am Werk. Oft bediente der Antrieb mehrere Funktionen wie Säge-, Reibe- oder Schleifvorrichtungen. Nach Aufhebung des Mühlenbanns Mitte des 19. Jh. und dem Beginn der Industrialisierung verloren die traditionellen, oft nur über beschwerliche Ab- und Aufstiege erreichbaren Mühlen in der Schlucht an Bedeutung. Einige Standorte wurden für die Wasserversorgung umgebaut, andere zu Gaststätten und Herbergen.

Trotz aller Romantik wirken die abgelegeneren Mühlen auch heute zuweilen unheimlich, Umschreibungen wie Mühlenloch erscheinen wenig einladend. Um die 20 Lochmühlen kennt das LEO-Ortslexikon, die sich über den Westen und Süden Baden-Württembergs verteilen. Der Begriff Loch, dessen Ursprünge im Mittel- bzw. Althochdeutschen liegen, ist allerdings nicht eindeutig und kann sowohl auf Feuchtgebiete und Sumpf als auch Wald oder Gehölze hinweisen. Auf diese Weise bekommen die ebenso zahlreich vertretenen Namen wie Loch(er)hof, Lochmatte oder einfach nur Loch eine eigene Bedeutung.

Zum Weiterlesen:
Über die Geschichte von Ambros Oschwald und seiner Gemeinde in Wisconsin informiert ein Artikel im Friends Newsletter des Max Kade Institutes von 2010. (Text in englischer Sprache, bitte nutzen Sie ggf. ein Online-Übersetzungsprogramm)

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