Die Volzemer Steine

Die Volzemer Steine
Der große Volzemer Stein. [Quelle: Wikimedia / Lizenz CC-BY-SA-3.0-DE]

Der Westweg, markiert durch die rote Raute, ist einer der ältesten Fernwanderstrecken durch den Schwarzwald und führt von Pforzheim nach Basel. Kurz vor Dobel, dem erste Etappenziel für Wanderer nach dem Start in Pforzheim, liegen die sogenannten Volzemer Steine. Im Jahr 1949 wurde diese eindrucksvolle Felsformation als Naturdenkmal ausgewiesen. Zuvor wurden die Felsen von den Einheimischen als Steinbruch zur Fertigung von Brunnentrögen und Mühlsteinen genutzt. Etwa 100 Meter breit und 10 Meter hoch ist die Sandsteinhalde, manche Felsblöcke sind bis zu fünf Meter groß. Entstanden ist diese Felsformation durch Erosionsprozesse des dort vorkommenden geschichteten Bundsandsteins. Geologisch gesehen sind die Volzemer Steine eine große Besonderheit, da solche Blockhalden oder Felsmeere normalerweise an steilen Hängen entstehen. Bei den Volzemer Steinen hat dieser Blockzerfall jedoch nur bei sehr geringer Hangneigung stattgefunden. 
Weiter auf dem Westweg kommt man nach Dobel. Der Ort, als Rodungssiedlung des hohen Mittelalters entstanden, liegt auf der Hochfläche des Nordschwarzwaldes. Etwa fünf Sechstel der Gemarkung sind mit Wald bedeckt. Vorwiegend der Wald und das Waldgewerbe, aber auch die Landwirtschaft waren früher die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung. Heute wird die Gemeinde, die das Prädikat „heilklimatischer Kurort" trägt, vom Fremdenverkehr und seinen Einrichtungen geprägt.

Theater zur Zeit der Weimarer Republik

Die Verfassung des Landestheaters
Errichtung einer "Verfassung für das Württembergische Landestheater (Quelle: Landesarchiv BW, StAL E 18 V Bü 8, 1 Bü)
Theater im Südwesten: In der Weimarer Republik erlebte die Theaterkunst einen kulturellen Höhepunkt. Gleichzeitig veränderte sich mit dem Beginn der Demokratie der künstlerische Anspruch an das Theater. Es galt gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und das Publikum gesellschaftskritisch zu formen. Bereits im November 1918 begannen in den Feuilletons rege Debatten, in denen Demokraten eine politische, künstlerische und betriebliche Neuausrichtung der Theater forderten. Das Theater sollte nicht mehr allein als Repräsentations- und reine Vergnügungsmöglichkeit von Adel und Bürgertum fungieren. Verbunden waren solche gesellschaftsformenden Ansprüche beispielsweise nicht nur mit dem epischen Theater Bertolt Brechts (1898-1956), sondern auch mit einer neuen demokratischen Kultur der Partizipation aller am Theaterleben beteiligten Mitarbeiter. In rechtlicher Hinsicht stellte sich dieser Übergangsprozess als Umwandlung der Hoftheater in Staats-, Landes- oder Stadttheater dar. So auch in Stuttgart, wo das ehemalige Hoftheater in ein Landestheater umgewandelt wurde. Die Theaterleitung lieferte daraufhin ab Mai 1919 Entwürfe zu einer neuen Verfassung, in der Theatermitarbeiter stärker an künstlerischen und personellen Entscheidungsfindungen beteiligt waren. Die Leitung des Landestheaters übernahm ab 1920 Albert Kehm. Während seiner Amtszeit kam es zu 50, teilweise von öffentlichen Kontroversen begleiteten, Uraufführungen. Einen umfangreichen Einblick in den Spielplan von Theater, Oper und Ballett geben die Theaterzettelbände des Staatsarchivs Ludwigsburg. In Karlsruhe hingegen verlief dieser Wandlungsprozess weniger progressiv. Hier führte die Umwandlung nicht zu einer Neuausrichtung des Bühnenprogramms und das Theater blieb während der Zeit der Weimarer Republik tendenziell konservativen künstlerischen Ansätzen treu. Weitere Dokumente und Informationen finden Sie im Thememodul "Von der Monarchie zur Republik". (JH)

Zum Welttag des audiovisuellen Erbes

Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg
Heute ist Welttag des audiovisuellen Erbes. Der Welttag soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschheit in den letzten 100 Jahren ein großes audiovisuelles Erbe an Tonaufnahmen, Filmen und Videos geschaffen hat, die es als historische Dokumente zu erhalten gilt. Das Haus des Dokumentarfilms stellt auf LEO BW über 180 Filmausschnitte zur Verfügung, die Einblick in das Leben und den Alltag vergangener Tage geben. Wie kaum ein anderes Medium vermitteln bewegte Bilder den Eindruck von Authentizität und Objektivität, doch gerade deshalb konfrontieren audiovisuelle Dokumente Betrachterinnen und Betrachter mit Problemen der Quellenkritik. Ohne Kontextinformationen haben Filme nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. Das wird besonders deutlich im Film zur Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg, der im Jahr 1917 entstand. Drei Frauen in Uniform gehen durch eine Allee, sie tragen lange Holzleitern und Tornister mit der Aufschrift „Gasgesellschaft“. Sie arbeiten in Berufen, in denen sie in der Öffentlichkeit stehen und körperlich arbeiten. In Berufen also, die gemeinhin als „Mänenrberufe“ galten und immer noch gelten. Während des Ersten Weltkriegs erhöhte sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen stark, auch in Branchen, die bis dahin Männern vorbehalten waren. Der Frauenanteil beim Fabrikpersonal erhöhte sich auf Reichsebene von sieben auf neun Prozent zwischen Juli 1914 und Juli 1916, in der chemischen Industrie auf 23 Prozent und in der elektrischen auf 55 Prozent. Auch im heutigen Baden-Württemberg stieg die Zahl der Fabrikarbeiterinnen, wie zum Beispiel in der Metallindustrie von 560 Arbeiterinnen 1914 auf 7.547 im November 1918. Frauen übernahmen außerdem zunehmend Aufgaben im öffentlichen Dienst, im Telefon- und Telegraphendienst oder als Schaffnerinnen und Wagenführerinnen. Der Film zur Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg vermittelt den Eindruck, dass es Frauen gelang, in Arbeitsbereiche vorzudringen, die zuvor Männern vorbehalten waren. Jedoch konnte die Beschäftigung von Frauen in den vorherigen Männerdomänen kaum eine umfangreiche emanzipatorische Wirkung entfalten, zu sehr wurden Frauen nach dem Krieg wieder systematisch aus der Erwerbsarbeit ausgegrenzt. Die meisten von ihnen mussten ihre Arbeitsplätze nach dem Krieg für Heimkehrer freigeben. (JH)

Auf alten Karten: Die Landstraße von Tübingen nach Ulm (1706)

Die Landstraße von Tübingen nach Ulm, Karte des Feldmessers Ulrich Stierlin, 1706, Quelle Landesarchiv BW, HStAS N1 Nr. 92, Bild 2.
Die Landstraße von Tübingen nach Ulm, Karte des Feldmessers Ulrich Stierlin, 1706, Quelle Landesarchiv BW, HStAS N1 Nr. 92, Bild 2.

1706 fertigte Ulrich Stierlin, „Zeugwart und Feldmesser auf Hohentübingen“, eine Straßenkarte mit dem Verlauf zweier Landstraßen. Sie führen an Tübingen und Reutlingen vorbei und vereinigen sich kurz vor der „Teufelsbrücke“ bei Rommelsbach. Die nächste Etappe, die hier nicht wiedergegeben ist, war Urach mit dem Ziel Ulm. Das ältere Teilstück der Straße reichte von Tübingen kommend bis zum Steinlachtal, passierte Bläsiberg, Wankheim und Jettenburg, um schließlich Betzingen zu durchqueren - auf der Karte mit dem Buchstaben A gekennzeichnet. Die neuere Landstraße führte durch das Neckartal bis Kirchentellinsfurt, anschließend nach Sickenhausen und Rommelsbach - auf der Karte Buchstabe B. Am rechten Bildrand ist Reutlingen zu sehen, daneben die Achalm. Neckar und Steinlach sind durch E und F ausgewiesen.

Die beiden Wasserläufe erscheinen nicht ohne Grund auf der Karte. In der Zeit vor dem Bau von Dämmen und Staustufen änderten Flüsse und Bäche häufig ihren Lauf, bildeten neue Arme und Sandbänke. Die Talauen bestanden aus morastigem Schwemmland, das für Reisende schwer passierbar war. Zudem galt der Neckar als besonders wild. Die alte Landstraße nach Ulm verlief deshalb um das Neckartal herum. Trotz der ständig drohenden Beeinträchtigungen entstand später eine direktere Verbindung, an Kirchentellinsfurt vorbei. Hier konnte an der alten „Tälinsfurt“ auch die Echaz überquert werden. Erst gegen Ende des 18. Jh. glückte der Versuch, im Bereich von Tübingen die Neckarflutene inzudämmen. Kanäle zur Ableitung des Wassers existierten bereits zur Entstehungszeit der Karte, gekennzeichnet mit C, D1 und D2.

Bis heute muss beim Straßenbau auf den besonderen Untergrund in diesem Bereich Rücksicht genommen werden. Das 1994 fertiggestellte Teilstück der B27 von Kirchentellinsfurt bis Tübingen erhielt einen brückenartigen Unterbau aus Pfeilern.

Die Angaben zum Verlauf der alten Landstraßen wurden dem Beitrag Der Neckar - ein Fluß mit Einfluß auf der Homepage des Landkreises Tübingen entnommen.

Wuchtiges Erbe - Die Bismarcktürme in Baden-Württemberg

Der Bismarckturm auf dem Gähkopf in Stuttgart, ein typisches Beispiel seiner Gattung, erbaut 1902-04, Quelle LEO-BW, Landauf – LandApp.
Der Bismarckturm auf dem Gähkopf in Stuttgart, ein typisches Beispiel seiner Gattung, erbaut 1902-04, Quelle LEO-BW, Landauf – LandApp.

Der Reichskanzler Otto von Bismarck gehört zu den umstrittenen Personen der deutschen Geschichte. Seine Rolle bei der Reichsgründung führte zu Diskussionen, ebenso seine Entlassung 1890. In der Bevölkerung hatte Bismarck viele Anhänger, was sich nach seinem Tod 1898 noch verstärkte. Als Zeichen dieser Verehrung entstanden zunächst kleinere Bismarck-Denkmäler, später größere Monumente und Türme, auch in Ländern und Regionen, die heute nicht mehr zu Deutschland gehören.

Alle Bismarck-Türme im heutigen Baden-Württemberg sind erhalten geblieben. Bei einem Vergleich fallen Ähnlichkeiten auf. Über einem blockhaften, mit Blendsäulen bewehrten Unterbau erhebt sich eine mehrstufige Brüstung. Die Ausführung geht auf den Architekten Wilhelm Kreis zurück. Studentenvereinigungen hatten zu einem Wettbewerb aufgerufen, in dem der Architekt 1899 mit seinem Entwurf „Götterdämmerung“ siegte. Zugrunde lag die Idee einer Feuersäule. In den Aufbau konnte brennbares Material verbracht und entzündet werden. Die Bauten in Heidelberg, Stuttgart und Tübingen entstanden nach diesem Vorbild. Die meisten anderen Beispiele zeigen Abwandlungen. Hinsichtlich seiner Monumentalität folgt Ettlingen dem Original. Der mit über 22 Metern höchste Turm in Baden-Württemberg steht in Konstanz, eine nicht begehbare Säule bei Freiburg und eine deutlich kleinere Ausführung mit eiserner Feuerschale bei Mosbach. Eine schlichtere Version wurde bei Tauberbischofsheim errichtet. Die Bauten entstanden im Zeitraum von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg, teils unter aktiver Beteiligung von studentischer Seite. Eine Ausnahme stellt das Exemplar auf der Hornisgrinde dar, Gemarkung Sasbach bzw. Sachbachwalden. Hier handelte es sich ursprünglich um einen Signalturm für Vermessungsarbeiten. Mit dem vor rund zwanzig Jahren erfolgten Umbau in Ettlingen sind die Türme heute, bis auf die beiden Beispiele in Freiburg und Tauberbischofsheim, für Aussichtszwecke nutzbar.

Weiterführende Angebote zum historischen Kontext:

Virtuelle Ausstellung Demokratie wagen? Baden 1818-1919

Die Ausstellung "Nation im Siegesrausch. Württemberg und die Gründung des Deutschen Reiches 1870/71" mit Online-Präsentation und -Film

Der Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach über den sogenannten Bismarckturm auf der Hornisgrinde

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