Über 420 weitere Biografien auf LEO BW

Badische Biographien 1875
Titelblatt des ersten 1875 erschienen biografischen Nachschlagewerks zu Personen der badischen Geschichte. Begründet wurde es vom Historiker und Archivar Friedrich von Weech. Quelle: Badische Landesbibliothek

Wieso galt Wilhelm II., letzter König Württembergs, als „Bürgerkönig“? Wie beeinflussten zwei Semester an der Universität Freiburg das Denken Max Horkheimers? Wer hat die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in den über 420 weiteren Biografien, die die Kommission für geschichtliche Landeskunde für LEO BW bereitgestellt hat. Damit sind auf LEO BW nun insgesamt 2.500 Biografien von bedeutenden Persönlichkeiten der südwestdeutschen Landesgeschichte verfügbar, die neben umfangreichen biografischen Texten auch Angaben zu Werken und zu weiterführender Literatur enthalten. Alle Biografien finden Sie hier. Einen thematischen Schwerpunkt der neuen Biografien bilden Gründerpersönlichkeiten von Presseorganen nach dem Zweiten Weltkrieg und bedeutende Journalisten der Nachkriegszeit wie zum Beispiel Heinrich Rombach, Otto Färber oder Hugo Eckener. Hinzu kommen Porträts prominenter Unternehmerpersönlichkeiten, die Baden-Württemberg geprägt haben, wie beispielweise Alfred Kärcher, Albert Steigenberger oder Marie Engelhorn. Viele Beiträge sind nicht nur für Baden-Württemberg, sondern auch für die Zeitgeschichte im Allgemeinen und für unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen von Interesse wie etwa die Beiträge zu Max Horkheimer und Hans Georg Gadamer.

Entnommen wurden die Biografien aus den "Baden-Württembergischen Biographien" Band 5 (2013) und Band 6 (2016) sowie aus dem dritten Band der "Württembergischen Biographien" (2017). (JH)

"An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn"

Wassermarken an einem Gartenhaus in Wertheim als Beleg für Überflutungsereignisse. Wertheim am Zusammenfluss von Main und Tauber war und ist immer wieder von großen Überschwemmungen betroffen, s. dazu auch der Artikel „Sintflut im Taubertal“. Bild: LABW (StAWt)
Wassermarken an einem Gartenhaus in Wertheim als Beleg für Überflutungsereignisse. Wertheim am Zusammenfluss von Main und Tauber war und ist immer wieder von großen Überschwemmungen betroffen, s. dazu auch der Artikel Sintflut im Taubertal. Bild: LABW (StAWt)

Die Bauernregel hat historische Wurzeln. Mehrfach ereigneten sich um den Magdalenentag am 22. Juli Hochwasserkatastrophen. Eine Jahrtausendflut war 1342 zu vermelden. Nach einem eisigen Frühjahr und kurzer heftiger Schneeschmelze folgte im Sommer eine Hitzewelle mit Dürre und ausgetrockneten Böden. Der danach einsetzende Regen übertraf Schätzungen zufolge die Wassermassen der Oder- und Elbefluten von 1997 und 2002 um ein Vielfaches. Ein Schwerpunkt lag am Main und seinen Zuflüssen mit gravierenden Auswirkungen auf die Pegel von Rhein und Donau. Das Ackerland ganzer Landstriche wurde weggeschwemmt. Menschen ertranken und starben durch Hunger sowie Entkräftung. Selbst in weniger betroffenen Gebieten kam es zu Hangrutschungen, wie eine Quelle von 1342 aus Esslingen am Neckar vermuten lässt. Weitere niederschlagsreiche Sommer in den folgenden Jahren führten zu einer anhaltenden Nahrungsmittelknappheit, die die ab 1346 grassierende Pestepidemie verschärfte. Als Ursache der heftigen Niederschläge gelten Vb-Wetterlagen (von römisch 5). Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeer ziehen nach Nordosten und laden sich dabei weiter auf. 1480 führte ein weiteres Magdalenenhochwasser zu Überschwemmungen in der Schweiz und am Oberrhein.

Diese und weitere Angaben zu historischen Wetterereignissen stehen auf der digitalen Forschungsplattform tambora.org sowohl über Quellen als auch in kodierter und damit vergleichbarer Form zur Verfügung. Eine Einführung und viel Aufschlussreiches zum Thema Wetter in der Geschichte finden Sie in im aktuellen Heft der Archivnachrichten unter dem Titel Unberechenbar! Wetter im Wandel.

Der Pomologe Eduard Lucas

Der Lucas‘ Taubenapfel
Der Lucas‘ Taubenapfel. Quelle: Eduard Lucas und Georg Oberdieck (Herausgeber der Zeitschrift) - Pomologische Monatshefte, 1877, Wikimedia, Gemeinfrei.
Als wissenschaftliche Disziplin etablierte sich die Pomologie, also die Obstbaukunde, bereits im 18. Jahrhundert. Ihre Blütezeit hatte die Pomologie aber vor allem im 19. Jahrhundert als die Pomologen begannen nicht nur vorhandene Obstsorten zu beschreiben, sondern selbst zu züchten. Intensiv beschäftigten sie sich mit der Verbesserung und Auswahl und widmeten einen großen Teil ihrer Arbeit der Erkennung der Sorten und der Namensgebung. In dieser Zeit entstanden viele umfangreiche Bücher, darunter einige reich bebilderte, kunstvolle Werke. Auch der Pomologe Eduard Lucas, der am 19. Juli 1806 geboren wurde, verfasste über 48 Bücher, die sich mit der Beschreibung von Obstsorten, dem Obstanbau und der Obstkultur, dem Baumschnitt und anderen Themen der gärtnerischen Tätigkeit beschäftigen. Das wohl schönste Werk von Eduard Lucas mit dem Titel „Abbildungen württembergischer Obstsorten“ erschien 1858 und enthält zahlreiche großformatigen Farbtafeln. Eine digitalisierte Fassung des Werkes finden Sie hier. Seit 1843 war Eduard Lucas Institutsgärtner bei der neuen Gartenbauschule der Landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt in Hohenheim bei Stuttgart. Einige Jahre später gründete Lucas in Reutlingen eine private „Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie“. Die Lehranstalt war in ihrer Art einzigartig in Deutschland und eine wichtige Ausbildungsstätte für die praktische Ausbildung im Obst- und Gartenbau in Württemberg. Noch heute werden die Gartenanlagen der ehemaligen „Pomologie“ in Reutlingen als beliebtes Naherholungsgebiet genutzt. Dass Lucas durch seine eingehenden Forschungen ein Wissen schuf, das für Laien als auch für Fachleuten bis heute eine wichtige Quelle ist, zeigt sein Standardwerk „Vollständiges Handbuch der Obstcultur“, das 1869 erstmals publiziert wurde und das 2018 unter dem Titel „Lucas' Anleitung zum Obstbau“ in der 33. Auflage im Stuttgarter Ulmer-Verlag erschien.
Darüber hinaus wurden verschiedenste Obstsorten nach Lucas benannt, so auch der hier zu sehende „Lucas' Taubenapfel“. Ähnlich kunstvoll wie die schönen Illustrationen, sind übrigens auch die pomologischen Beschreibungen. Die Gestalt des Lucas‘ Traubenapfel wird als „abgestumpft eiförmig“ beschrieben und der Geschmack als „sehr merklich rosenapfelartig oder etwas bittermandelartig gewürzt, wenig vorherrschend weinig, nicht viel weniger süss“. (JH)

Die Kurstadt Bad Wildbad

Ansichten von Bad Wildbad. Quelle: Haus des Dokumentarfilms. Über 180 weitere Filmausschnitte, die spannende Einblicke in Leben und Alltag im Südwesten geben, finden Sie hier

Das Haus des Dokumentarfilms stellt auf LEO BW über 180 Filmausschnitte zur Verfügung, die Einblick in das Leben und den Alltag vergangener Tage geben. Dieses Video von 1928 zeigt Ansichten aus Bad Wildbad und eine Fahrt mit der Sommerbergbahn. Die Kurstadt Bad Wildbad ist eingebettet in das stille Tal der Enz im nördlichen Schwarzwald. Seit 1908 bringt die beliebte Sommerbergbahn Fahrgäste von Bad Wildbads Zentrum nach oben auf das Hochplateau des Sommerbergs. Die Idee einer Bergbahn, die mit ihrer Gleisanlage ein weithin sichtbares Band von der Stadt und ihren Bädern und dem Sommerberg darstellen sollte, entstand bereits 1898. Umgesetzt wurden die Pläne jedoch erst 1907 durch eine Bürgerinitiative, die eine Bergbahn-Aktiengesellschaft gegründet hatte. Nach erfolgreicher Eröffnung im Jahr 1908 erkannte die Stadt Wildbad sehr rasch den Nutzen und übernahm die Bahn. Seitdem wird die Sommerbergbahn als kommunaler Eigenbetrieb geführt. Die erste Wagengeneration konnte bereits bis zu 56 Personen vom Tal auf den Sommerberg transportieren, war aber wesentlich langsamer unterwegs als die heutigen Wagen der vierten Generation. An der schönen Aussicht, die man vom Sommerberg ins Enztal hat, hat sich bis heute wenig geändert. Jedoch kamen zahlreiche Attraktionen hinzu, wie beispielsweise der 2014 eröffnete Baumwipfelpfad, der eine außergewöhnliche Perspektive über den Schwarzwald bietet, und die 2018 eröffnete Hängebrücke.
Der schöne Ausblick vom Sommerberg und die Bergbahn waren auch beliebte Motive der beiden Fotografen Karl Blumenthal und Dieter von Schoenebeck. Karl Blumenthal war königlicher Hoffotograf und hatte ein Atelier in Wildbad, das 1950 von Dieter von Schoenebeck übernommen wurde. Die Fotosammlung der beiden Fotografen dokumentiert umfassend die Entwicklung Bad Wildbads während des 20. Jahrhunderts. 2002 übernahm das Hauptstaatsarchiv die Sammlung. Die digitalisierten Fotografien finden Sie hier. (JH)

"Im Wald da sind die Räuber"

Den Maler Johann Baptist Pflug inspirierten die oberschwäbischen Räuberbanden, wie hier um Xaver Hohenleiter oder auch Anton Rosenberger mit seinen Leuten, zu einer Reihe von Genredarstellungen, Quelle: wikimedia commons gemeinfrei
Den Maler Johann Baptist Pflug inspirierten die oberschwäbischen Räuberbanden, wie hier um Xaver Hohenleiter oder auch Anton Rosenberger mit seinen Leuten, zu einer Reihe von Genredarstellungen, Quelle: wikimedia commons gemeinfrei

Besonders die Banden, die im 18. und Anfang des 19. Jh. ihr Unwesen trieben, wurden überregional bekannt. Neben dem berühmten Schinderhannes im Taunus oder Nikol List in Sachsen, einem Vorbild für „Die Räuber“ Friedrich Schillers, gab es im heutigen Südwesten zu verschiedenen Zeiten Räuberscharen mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten. So hatte sich im Schwarzwald um den bei Nagold und Altensteig herumziehenden und am 17. Juli 1787 in Sulz am Neckar hingerichteten Jakob Reinhard, genannt Hannikel, eine Gruppe gebildet. Die Entstehung der Banden war nicht immer kriminell begründet. Der Formierung der Räuber vom Mainhardter Wald um 1750 ging eine Rebellion gegen die unerträglich hohen Abgabenforderungen des Landesherrn zu Hohenlohe-Bartenstein voraus. In einem extra angestrengten Prozess hatte der Kaiser zu dessen Gunsten entschieden. Mit Napoleon kamen weitere Kriege, Armut und gesellschaftliche Umbrüche. Um die Jahre 1818/19 teilten sich mehrere Banden das Revier Oberschwaben. Xaver Hohenleiter, als Anführer der Schwarze Veri genannt, wurde im April 1819 festgenommen.

Gemeinsam war den Banden, dass sie ihre Überfälle in ländlichen und oft tatsächlich bewaldeten Gebieten verübten, wo die territorialen Verhältnisse es ermöglichten, den Verfolgern rasch über eine Grenze zu entkommen. Die meisten wurden früher oder später gefasst und hingerichtet. Bei den mit Waffengewalt ausgeführten Taten waren Morde nicht ausgeblieben. Weniger brutal gingen die Leute des Schwarzen Veri mit ihren Opfern um. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zu dieser Bande auch Frauen gehörten, wie seine Partnerin Josepha Tochtermann oder die alte Katharina Gebhard und deren Kinder. Ihre Beute bestand oft nur aus Lebensmitteln oder alkoholischen Getränken. So starb der Schwarze Veri auch nicht am Galgen, sondern in seinem Gefängnis im Ehinger Turm von Biberach. Todesursache war möglicherweise ein Blitzschlag, der den Räuber am 20. Juli 1819 über seine eisernen Fesseln traf. Bemerkenswerterweise entwickelte sich eine Reihe von Mythen um seine Gestalt, auf die sich sogar eine Ravensburger Fastnachtszunft beruft.

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