Die Majolika-Manufaktur in Karlsruhe

Die Majolika
Staatliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe. [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe. Alle Rechte vorbehalten]

Zu den ältesten noch produzierenden Keramik-Manufakturen in Deutschland gehört die Karlsruher Majolika. Auf Anregung des Galeriedirektors und Professors der Karlsruher Akademie Hans Thoma sowie seines Freundes, des Malers und Keramikers Wilhelm Süs, und mit Zustimmung des Großherzogs Friedrich I.  wurde 1901 die "Großherzogliche Majolika-Manufaktur" in Karlsruhe gegründet. Trotz anfänglicher Absatzschwierigkeiten der Produkte übernahm 1903 das Karlsruher Kunstgewerbehaus C.F. Müller den Vertrieb. Dank der Errichtung neuer Fabrikgebäude am Rande des Karlsruher Schloßparks in den Jahren 1909 bis 1913 konnte die Produktion durch die Herstellung von Baukeramik, Öfen, Brunnen, Grabmalkunst, Park- und Gartenschmuck erweitert werden und die Karlsruher Manufaktur gestaltete in ganz Deutschland vor allem Innenräume von öffentlichen Gebäuden, Kauf- und Privathäusern aus. Für Baden wirkte die Produktion bei Kleinkunst und Gebrauchskeramik stil- und geschmacksbildend. Seit dem Jahr 2001 führt der "Blaue Strahl" aus 1.645 blauen Majolika-Fliesen ausgehend vom Schlossturm des Karlsruher Schlosses quer durch den Schlossgarten zum Gebäude der Manufaktur. Der Blaue Strahl wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Manufaktur angelegt. Nach dem Erwerb der historischen Bestände der Staatlichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe durch das Badische Landesmuseum im Jahr 1982 wurden diese in einem Gebäude inmitten Manufakturanlagen 1988 öffentlich zugänglich gemacht. Anhand von rund 1.000 keramischen Objekten wird ein Querschnitt durch die Produktion der Karlsruher Majolika-Manufaktur von ihren Anfängen 1901 bis in die Gegenwart gezeigt. Das Archivgut der Majolika wurde in den Jahren 1979, 1981, 1983, 1985, 2006 durch das Badische Landesmuseum Karlsruhe im Generallandesarchiv Karlsruhe hinterlegt. (JH)

Die Falkensteiner vom Höllental, Ritter Kuno und der Teufel

Das Grabmal Kunos von Falkenstein, Pfarrkirche St. Gallus in Kirchzarten, um 1910. Quelle Landesarchiv BW GLAK, Sammlung Kratt 498-1 Nr. 8342.
Das Grabmal Kunos von Falkenstein, Pfarrkirche St. Gallus in Kirchzarten, um 1910. Quelle Landesarchiv BW GLAK, Sammlung Kratt 498-1 Nr. 8342.

An einer der engsten Stellen des Höllentals, unweit des legendären Hirschsprungs, liegt die Burg Falkenstein. Das Adelsgeschlecht der Falkensteiner war aus Ministerialen der Zähringer hervorgegangen. Wie diese engagierten sie sich in der Erschließung des Hochschwarzwalds. Bis zum Ende des Spätmittelalters erstreckte sich ihr ausgedehnter Besitz über große Teile des Kirchzartener Beckens bis in die Höhen von Breitnau und Hinterzarten. Die Burg Falkenstein wurde um 1100 oder schon früher im Zusammenhang mit den Erschließungsaktivitäten erbaut. Es wird angenommen, dass sie gegen das dem Höllental benachbarte Engenbachtal ausgerichtet war. Die Festung fiel 1388 den Auseinandersetzungen zwischen dem Schwäbischen Städtebund und Württemberg zum Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut. Seit dem 13. Jh. hatte sich die Familie immer weiter aufgespalten. Es existierte noch eine Burg Neu-Falkenstein, wahrscheinlich am Ort des Bubensteins auf Falkensteiger Gemarkung doch verlagerten die Herren ihre Aktivitäten zunehmend nach Freiburg. Dem Verlust der Burg Falkenstein folgte der Verkauf vieler Besitzungen.

Geblieben ist die Sage vom Ritter Kuno und seinem Pakt mit dem Teufel. Wegen der kinderlosen Verbindung mit seiner Frau Ida begab sich Kuno auf einen Kreuzzug ins Heilige Land. Beim Abschied teilte er seinen Ehering in zwei Hälften und übergab die eine an Ida. Wenn er nicht binnen sieben Jahren zurückgekehrt sei solle sie wieder heiraten. Im Heiligen Land geriet Kuno tatsächlich in Gefangenschaft, konnte aber entkommen. Da erschien der Teufel und flüsterte ihm zu, die sieben Jahre seien um, Ida wolle den Edlen Johann von Snewlin heiraten. Die beiden kamen überein dass Kuno von einem geflügelten Löwen in die Heimat zurückgebracht würde, er dürfe aber währenddessen nicht einschlafen, sonst sei seine Seele verloren. Der Flug wurde von Falken begleitet, die Kuno halfen wach zu bleiben und er erreichte wohlbehalten sein Ziel. Der wütende Teufel warf einen Stein, der den Ritter verfehlte aber heute noch in einem Kirchzartener Gasthaus eingemauert sein soll. Beim Zusammentreffen mit Ida vereinigten sich die beiden Hälften des Rings und auch der langersehnte Kindersegen stellte sich ein.

Bei dem sagenhaften Ritter soll es sich um den 1343 verstorbenen Kuno von Falkenstein gehandelt haben, dessen imposantes Grabmal in der Pfarrkirche St. Gallus in Kirchzarten erhalten ist. Das Relief zeigt ihn in ganzfiguriger Darstellung mit Helm, Kettenpanzer, Schild und Schwert auf einem Löwen stehend. Das Bildnis mag viel zur Legendenbildung beigetragen haben. Die Sagengestalt lässt sich den vielen Trägern des in der Dynastie verbreiteten Namens Kuno kaum zuordnen. Auch die Teilnahme des 1343 verstorbenen Ritters an einem Kreuzzug ist nicht gesichert. Ein wahrer Kern der Geschichte ergibt sich aus der Funktion der Falkensteiner als Lehnsträger und Vögte für den in Freiburg und dem Breisgau vertretenen Johanniterorden ab dem ausgehenden 13. Jh. Die an Einfluss gewinnenden Herren von Snewlin haben dann im 15. Jh. umfangreichen Grundbesitz von den Falkensteinern übernommen.

"Flussgemüse" - Die Fischzucht der Maulbronner Mönche

Klosteransicht Kieser
Die ehemalige Zisterzienserabtei Maulbronn. Kolorierte Federzeichnung von A. Kieser, 1683. Quelle: HStAS
Bis heute finden sich rund um das Kloster Maulbronn Spuren der zisterziensischen Landwirtschaft. Das Ideal der Selbstversorgung und -bewirtschaftung spielte beim Bau der riesigen Klosterstadt ab Mitte des 12. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Wie alle Lebensbereiche der Mönche unterlagen auch die Mahlzeiten den strengen Ordensregeln des heiligen Benedikt. Für die Klosterküchen bedeutete das sowohl die Versorgung einer vielköpfigen Gemeinschaft sicherzustellen als auch die Grundsätze der asketischen Lebensführung zu berücksichtigen. So standen auf dem Speiseplan der Mönche meist fettarme Gemüsegerichte, Getreidebrei oder Fisch. Denn Fisch galt als „Flussgemüse“ und fiel somit nicht unter das Verbot des Verzehrs „vierfüßiger Tiere“. Entsprechend spielte Fisch im Klosteralltag eine wichtige Rolle. Doch auch die Nachfrage nach Fisch in der Bevölkerung war insbesondere während der Fastenzeit groß. Wie viele andere Klöster begannen die Maulbronner Mönche, Fische zu züchten und legten dazu über mehrere Geländestufen ein Netz von etwa 20 Teichen an, die untereinander durch ein umfangreiches Kanalsystem verbunden waren. Die Maulbronner Gemarkung –nicht umsonst als Klostergrund ausgesucht –bot hierfür mit ihrem Reichtum an Quellen und Bächen, allen voran der Salzach, günstigste Voraussetzungen. In einem Lagerbuch des Klosters findet sich die Maulbronner Seeordnung von 1561, die nach der württembergischen Eroberung und Reformation des Klosters verfasst wurde. Diese Seeordnung gilt als älteste komplette Bestandsaufnahme der 20 Teiche und listet Namen, Größe, Funktion, Fischbesatz und Erhaltungszustand der Gewässer auf. In späteren Jahrhunderten wurde dieses Wassersystem immer weiterentwickelt bis im 19. Jahrhundert die meisten Teiche schließlich trockengelegt und als landwirtschaftliche Flächen umgenutzt wurden. Von den im 12. Jahrhundert angelegten Weihern sind heute nur noch drei vollständig erhalten: der Tiefe See, der Roßweiher und der Aalkistensee. Mehr über das Kloster und  Maulbronns historisches Wassersystem können Sie in der Klosterdatenbank und beim Landesamt für Denkmalpflege nachlesen. (JH)

Ein Schlössle zieht um

Das Effringer Schlössle im Zustand der 1970er Jahre, Quelle Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach
Das Effringer Schlössle im Zustand der 1970er Jahre, Quelle Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach

Oft sind sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen: kleinere herrschaftliche Anwesen, die in vielen Orten Baden-Württembergs anzutreffen sind. Der Ortsadel hat hier seine Spuren in Form von Residenzen aber auch Jagd- und Landsitzen hinterlassen. Neben prunkvolleren repräsentativen Bauten gibt es andere, die sich bis auf ihre Größe kaum von den ortsüblichen Gebäuden unterscheiden. Im Lauf der Geschichte erfuhren die Häuser immer wieder Veränderungen. Es gab Umnutzungen oder Eingriffe in die Substanz bis hin zu Verfall und Abriss.

Das Schlössle von Effringen bei Wildberg im Nordschwarzwald ist eines dieser Gebäude. Es entstand als Teil einer Wehranlage und wurde dann Meierhof des Klosters Stein am Rhein. Dieser erscheint erstmals in einer Urkunde von 1379 mit dem Verkauf an die Familie Grückler, die in der Folgezeit einen herrschaftlichen Wohnsitz errichtete. Einst verfügte das Gebäude über einen Turm an der Rückseite und ein zusätzliches Geschoss. Später wurde es zum Bauernhaus und nach neuerlichem Umbau um 1880 zum Wohnhaus. 1972 zogen die letzten Bewohner aus. Die Translozierung begann im Sommer 2015. Seit 2018 ist das Objekt im Freilichtmuseum wieder zugänglich. Auf der Homepage des Museums kann der gesamte Vorgang im Zeitraffer nachverfolgt werden.

Das Schlössle ist das erste Gebäude aus dem Nordschwarzwald, das die Vogtsbauernhöfe ergänzt und gehört zu den ältesten Bauten in deutschen Freilichtmuseen. Dabei ist der Umzug eines Schlösschens kein Einzelfall. Das ehemalige Jagdschloss von Hohengehren im Schurwald bei Stuttgart wurde im 19. Jh. an die Gemeinde Altbach verkauft, abgetragen und dort als Rathaus wiederaufgebaut.

St. Blasiens kleines Sanssouci

Der Sanagarten
Der Sanagarten in St. Blasien. Quelle: Landauf, LandApp. Fotograf: Martin Hahn. Vielen Dank für diesen Beitrag!

Der als Wandelgarten für die Patienten des früheren Lungensanatoriums entstandene Sanagarten erinnert an St. Blasiens Geschichte und Tradition als Kurort. Das Lungensanatorium entstand im Jahr 1881 und bot damals stationäre Behandlungen sowie Vorsorge- und Sicherungsheilverfahren bei Tuberkulose an. Um 1900 starb jeder siebte Erwachsene in Europa an der Lungenkrankheit und nur wenige Behandlungsoptionen standen zur Verfügung. Vor der Einführung antituberkulotisch wirksamer Antibiotika galt die Höhentherapie als möglicher Heilungsansatz. Schnell stieg St. Blasien zu einem beliebten Höhenluftkurort auf und verzeichnete Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 6000 Kurgäste pro Jahr, darunter zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur wie etwa Scholem Alejchem, der Gründervater der jiddischen Literatur, oder der russische Schriftsteller Maxim Gorki. Zwischen 1923 und 1925 wurde das Sanatorium um einen zwölf Höhenmeter überwindenden Terrassengarten erweitert. Die Urheberschaft der Gartenanlage wird nach einem Sanatoriumsprospekt von 1930 dem Freiburger städtischen Gartendirektor Robert Schimpf zugeschrieben. Neben ihrer repräsentativen Funktion war die Anlage wohl als geschlossener Kur- und Heilgarten ausschließlich für die Sanatoriumsgäste bestimmt. Heute steht der Garten unter Denkmalschutz ist das ganze Jahr für Besucher offen.

Zum Weiterlesen: Volkmar Eidloth, Petra Martin, Karin Schinken: Dem Kurgast zum Wohle und zur Erholung. Der Terrassengarten des Sanatoriums St. Blasien – Voruntersuchungen zur Sanierung. Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Jahr 2020, Heft 3, S.146-152. (JH)

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