Zum 30. Tag der Deutschen Einheit

Badeanzüge für die DDR-Olympiamannschaft, Quelle: Landesmuseum Württemberg
Badeanzüge für die DDR-Olympiamannschaft, Quelle: Landesmuseum Württemberg

In der DDR stand im Frauensport das Schwimmen an erster Stelle. Mit einem speziellen Auswahlsystem wurden die Talente bereits im Kindesalter ausgesucht und in Kinder- und Sportschulen gefördert. DDR-Schwimmerinnen heimsten in den 1970er Jahren bei Schwimmwettkämpfen die meisten Medaillen ein. Die Kehrseite der Medaillen mit Doping bis hin zu zweifelhaften medizinischen Experimenten steht auf einem anderen Blatt.

Doch was haben Badeanzüge der DDR-Olympiariege mit Baden-Württemberg zu tun? Ganz einfach: Sie stammen von der Firma Büsing in Reutlingen. Meist war es umgekehrt und Textilien aus DDR-Produktion wurden günstig im Westen verkauft, z.B. über Versandhäuser.

Seit der Wiedervereinigung sind 30 Jahre vergangen. Dominierte anfangs die „Mauer in den Köpfen“, ist eine neue Generation mit veränderten Sichtweisen herangewachsen. Auch die Welt ist eine andere geworden mit neuen Herausforderungen hinsichtlich Beschleunigung, Internationalisierung und der schmerzlichen Erkenntnis, dass Demokratie und politische Kultur keine Selbstläufer sind. Der Tag der Deutschen Einheit bietet auch Gelegenheit, sich mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen.

 

Hier einige Tipps zu Veranstaltungen und Ausstellungen:

Im Rahmen des Projekts der Medienkünstlerin Ina Rommee und des Fotografen Stefan Krauss sprechen zehn Menschen aus Baden-Württemberg, Brandenburg und dem früheren Ost- und West-Berlin über ihre Erfahrungen, das geteilte Deutschland und das Zusammenwachsen seit 1990. Die Beteiligten waren im Jahr der Wiedervereinigung noch nicht in die gesellschaftlich-politische Verantwortung eingebunden. Mit pointierten Erinnerungen, unverbrauchten Sichtweisen und neuen Perspektiven vermittelt die Installation ein vielstimmiges Bild der Entwicklungen bis 1990 und der anschließenden Transformationszeit.
30 JAHRE WIEDERVEREINIGUNG - MIT 14 INS NEUE DEUTSCHLAND. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg-Lounge, bis 31. Januar 2021.

 

Neben Erinnerungsstätten und Museen, die die Geschichte der Freiheitsbewegungen im Südwesten thematisieren, ist das DDR-Museum Pforzheim das einzige in den westlichen Bundesländern, das Aspekte der DDR-Geschichte vermittelt. Unter Einbindung in den gesamtdeutschen Kontext liegt der Schwerpunkt neben der Sensibilisierung für die Werte der Demokratie auf einer Auseinandersetzung mit Fragestellungen zu Diktatur und Menschenrechten. Einige Räume des Museums sind in einer 360 Grad-Ansicht online zugänglich. Die aktuelle Ausstellung zeigt Fotos von Siegfried Wittenburg, die ab 1977 entstanden.
SIEGFRIED WITTENBURG: „LEBEN IN DER UTOPIE – ODER DER ALLTAG IN EINEM VERSCHWUNDENEN STAAT“, bis zum 8. November 2020.

 

Der Tag der Deutschen Einheit ist gleichzeitig Tag der offenen Moschee, der seit 2007 unter dem Schirm des Koordinationsrats der Muslime (KRM) mit einem Motto organisiert wird. Das aktuelle Thema lautet GLAUBE IN AUSSERGEWÖHNLICHEN ZEITEN. Der Umgang mit ansteckenden Krankheiten aus islamischer Sicht bedeutet nicht nur die Einhaltung von Hygienevorschriften, die Teil des religiösen Lebens geworden sind, sondern auch Solidarität und Miteinander. In Deutschland leben an die fünf Millionen Muslime. Der Tag der offenen Moschee soll dazu beitragen, das Selbstverständnis der Beteiligten als Teil der deutschen Gesellschaft auszudrücken. Dass viele unter den derzeit erschwerten Bedingungen mithelfen, die Versorgung, soziale Einrichtungen und das Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten, verdient darüber hinaus besondere Beachtung.
Zentrale Homepage zum TAG DER OFFENEN MOSCHEE mit einer Liste beteiligter Einrichtungen und Infobroschüre.

Baden-Württemberg von oben

Zwei Ansichten unter dem Ortholayer
Der neue Themenlayer "Orthophoto 1968" im LEO-BW-Kartenmodul. Links: Das ganze Ländle von oben, rechts: Zoom auf Stuttgart

Neu auf LEO-BW: Mit dem neuen Themenlayer „Orthophoto 1968“ wird das Kartenangebot auf LEO BW um ein weiteres Highlight ergänzt. Im Frühjahr 1968 wurde erstmals eine systematische Luftbilddokumentation für das gesamte Bundesland Baden-Württemberg erstellt. Ziel des aufwändigen Projekts war es, Basisinformationen für eine umfassende Straßendatenbank für ganz Baden-Württemberg zu erheben. In einem gemeinsam vom Landesarchiv und dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung zwischen 2017 und 2020 durchgeführten Projekt erfolgte die Digitalisierung und anschließende Aufbereitung der Luftbilder, so dass sie nun als Orthofoto zur Verfügung stehen. Der Blick zurück ins Jahr 1968 macht deutlich, wie sehr sich manche Siedlung oder Gegend insgesamt oder im Detail verändert hat. Insbesondere die besiedelte Fläche ist deutlich gewachsen. Daneben haben sich Gewässerverläufe verändert, Straßen und andere Verkehrswege wurden ausgebaut. Vielerorts entstand in Folge der Flurbereinigung ein neues Landschaftsbild. Auch die fortschreitende Motorisierung hat die Landschaft nachhaltig verändert. Neben Details wie Garagen und Stellplätzen sind 1968 in vielen Innenstädten noch Parkplätze zu erkennen, wo sich inzwischen verkehrsberuhigte Flächen befinden. Das Orthophoto im Kartenmodul von LEO-BW kann dort auf vielfältige Weise mit anderen Karten kombiniert werden, zum Beispiel mit dem aktuellen Orthophoto über die Funktion Kartenvergleich.

Ein Grenzstein, der Rätsel aufgibt

Ein rätselhafter Grenzstein
Ein rästelhafter Grenzstein vor der Untergröninger Schule. Vorder-, Rück- und Seitenansicht. Quelle: Landauf, LandApp, Nutzer: Kolonist. Vielen Dank für das Einstellen!

Wer kann bei der Lösung eines Rätsels helfen, das ein fleißiger User in unserer Landeskunde-App „Landauf-LandApp“ geteilt hat. Es geht um einen Grenzstein an einer Stelle, an der keine Grenze ist und nie eine war.

 

Dieser Grenzstein steht auf einer Wiese vor der Untergröninger Schule. Er zeigt auf der Vorderseite das limburgische Wappen (Fränkische Heerspitzen und Streitkolben). Schon hier gibt der im 45-Grad-Winkel aufsteigende Strich im oberen Wappenfeld Rätsel auf. Wurde der Stein nur beschädigt oder hat jemand versucht, die württembergische Hirschstange anzudeuten? Der Erzählung nach soll dieser Stein vor 1972 von einem Lehrer aus der Gaildorfer Gegend (Michelbach/ Bilz) hierher gebracht und aufgestellt worden sein. Dies kann aber niemand bestätigen. Nachforschungen über die Herkunft blieben bis jetzt erfolglos. Auf der Rückseite befindet sich die Jahreszahl 1773, eine Pflugschar sowie eine Inschrift mit den Ziffern 16 und 98.  Die Zahl 93 steht auf der Seite des Grenzsteins. Was für ein Grenzstein könnte es sein (Forst-, Jagd- oder Zehntgrenze)? Und was verbirgt sich hinter den verschiedenen Ziffern? Wir freuen uns auf Ihre Mithilfe über die Kommentarfunktion oder auf unserem Facebook- und Twitter-Account!

Wuhre und ihre Geschichte - alte Wasserkanäle durchziehen den Hotzenwald

Plan zu einer Beschwerde von Anrainern des Hännerer Wuhrkanals um 1850, Quelle LABW StAF B 733/1 Nr. 7284
Plan zu einer Beschwerde von Anrainern des Hännerer Wuhrkanals um 1850, Quelle LABW StAF B 733/1 Nr. 7284

Neben vielen modernen Einrichtungen zur Nutzung der Wasserkraft ist der Südschwarzwald von einem Netz alter, künstlich angelegter Wasserläufe durchzogen. Die eher schmalen und flachen Gräben von maximal 1,5 m Breite verlaufen mit wenig Gefälle über viele Kilometer entlang der Hänge. Der Ausdruck Wuhr, auf alemannisch „Wührä“, ist eine Ableitung des mittelhochdeutschen Wuor, einem wasserführenden Damm. Im Lauf der Jahrhunderte entstand ein Wasserversorgungssystem, das auch die Entwässerung von Wiesen oder das Auffangen von Schmelzwasser im Frühjahr einschloss. Das Wasser wurde oft gewerblich für den Betrieb von Mühlen und Hüttenanlagen oder auch landwirtschaftlich genutzt. Ab dem Spätmittelalter finden sich die ersten Nennungen in Quellen. Der Bau der Gräben begann schon früher und begleitete vermutlich die Besiedlung des Hochschwarzwalds. Einer der ältesten Kanäle ist das von der Mettma abgehende Berauer Wuhr. Sein Ursprung ist umstritten. Möglicherweise steht es in Zusammenhang mit dem Umzug des Benediktinerinnenklosters St. Blasien im 12. Jh. aber es könnte sich um eine noch viel frühere Anlage handeln. Heute liegt es trocken, nur Teile der Rinne sind erkennbar. Von den größeren Anlagen blieben das Hochsaler Wuhr, das Heidenwuhr und das Hännemer Wuhr bis heute erhalten.

Verordnungen regelten die Nutzung des Wassers. Für die Einhaltung der Regelungen, die Reinigung und den Erhalt der flachen Kanäle wurden Wuhraufseher und -knechte eingesetzt.

Am Heidenwuhr legte 1457 ein Wässerbrief des österreichischen Waldvogts in Waldshut sowie dem Schultheiß von Säckingen die Zeiten der Ableitung für die Bauern fest. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen unter den Gemeinden. Eine Wuhrordnung von 1791 teilte den Anliegern in Hütten, Rickenbach, Bergalingen und Jungholz das Wasser nach Wochentage zu. Ein Streit entbrannte um 1670 auch zwischen der Gemeinde Oberwihl und dem Müller Klaus Baumgartner in Hochsal über das Wasser der Seltenwuhr. Daraufhin entschieden die Vögte von Görwihl und Hochsal zugunsten des Müllers.

Mehr Infos

Das Gedächtnis der Stadt

Wertheimer Stadtbuch, in dem verschiedenste Verträge aus Wertheim und Ortschaften der Umgebung direkt nebeneinander erscheinen, hier ein Ehevertrag zweier Lengfelder und ein Ehevertrag zweier Wertheimer Bürger, (Quelle: Landesarchiv BW, StAWt-S Pr Nr. 3 p. 130)
Wertheimer Stadtbuch, in dem verschiedenste Verträge aus Wertheim und Ortschaften der Umgebung direkt nebeneinander erscheinen, hier ein Ehevertrag zweier Lengfelder und ein Ehevertrag zweier Wertheimer Bürger, (Quelle: Landesarchiv BW, StAWt-S Pr Nr. 3 p. 130)
Sogenannte Stadtbücher sind eine unverzichtbare Quelle zur Erforschung des städtischen Lebens im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Die darin fixierten Statuten und Stadtrechtsniederschriften geben Einblick in die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der jeweiligen Stadt und ihren Weg in die Selbstverwaltung. Aber auch über das alltägliche Leben geben Stadtbücher Auskunft, etwa in Form von Liegenschaftsgeschäften, Heiratsverträgen, Testamenten und weiteren privatrechtlichen Niederschriften. Die ersten Stadtbücher oder Libri civitatis sind für das 13. Jahrhundert nachgewiesen, sie stammen aus dem Hanseraum und sind, ebenso wie die Urkunden des Mittelalters, in lateinischer Sprache verfasst. Erst im Spätmittelalter entstehen die ersten Stadtbücher in deutscher Sprache.
Die Entstehung und Entwicklung der Stadtbücher hängt eng mit dem Aufkommen der Schriftlichkeit zusammen. Genügten anfangs für verschiedene Rechtsgeschäfte wie den Verkauf von Immobilienbesitz oder die Gewährung einer Hypothek mündliche Absprachen, wurde es zunehmend wichtiger, bei eventuellen Streitfällen vor Gericht Zeugen benennen zu können. Zu Beginn wurden lediglich die Zeugen des Rechtsgeschäftes notiert. Bald jedoch wurden auch Käufer, Verkäufer und der Gegenstand des Geschäftes vermerkt. Diese Eintragungen waren zunächst rein fakultativ, die ersten Stadtbücher enthalten also eher eine Auswahl der stattgefundenen Besitzveränderungen. Ähnlich ist es auch bei den Finanzgeschäften der Kommunen. Zu Beginn der Verschriftlichung ging es noch nicht um eine vollständige Dokumentation der Finanzen. Sie dienten dem Rechner lediglich als Gedächtnisstütze, um am Ende seiner Amtszeit Rechenschaft ablegen zu können. Ebenso verhält es sich mit Ratsbeschlüssen, von denen zu Beginn vornehmlich diejenigen mit normativem Charakter, sogenannte „Statuten“ dokumentiert wurden.
Mit der Verbreitung des Papiers und den damit sinkenden Kosten für den Beschreibstoff erhielt die Schriftlichkeit in den Verwaltungen einen Aufschwung und der schriftliche Nachweis vollzogener Rechtsgeschäfte gewann immer weiter an Bedeutung. Aus reinen Gedächtnisstützen wurden schriftliche Aufzeichnungen, die auch rechtliche Kraft besaßen. Mehr über Stadtbücher lesen Sie im Artikel von Anna Spiesberger in unserem Themenmodul "Südwestdeutsche Archivalienkunde".
Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.