Die Schilfwälder am Federsee

Schilfernte am Federsee. Quelle: Haus des Dokumentarfilms. Über 180 weitere Filmausschnitte, die spannende Einblicke in Leben und Alltag im Südwesten geben, finden Sie hier

Schilfmähen am Federsee: Der Federsee bei Bad Buchau in Oberschwaben ist der zweitgrößte See in Baden-Württemberg. Der ehemals 30 Quadratkilometer große Schmelzwassersee verlandete nach der letzten Eiszeit auf natürliche Weise. Daraus bildeten sich ausgedehnte Moorflächen und die Seefläche verkleinerte sich auf die heutige Größe von 1,4 Quadratkilometer. Der 250 Hektar große Schilfgürtel um den Federsee ist das größte zusammenhängende Verlandungsröhricht in Südwestdeutschland und von internationaler Bedeutung, da es zu einem der wichtigsten Lebensräume für an Schilf angepasste Vogelarten gehört. Neben Nahrung und Brutmöglichkeiten bieten die Schilfwälder den Vögeln ein gutes Versteck und geschützte Schlafplätze. Ist die Schilfmahd heute streng reglementiert und eine naturschutzgerecht durchgeführte Pflegemaßnahme, war Schilf früher ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft. Diese historische Aufnahme aus dem Jahr 1920 zeigt Frauen und Männer bei der Schilfernte am Federsee. Rohrkolben, Schilf und Seegras waren damals eine wichtige Einnahmequelle und wurden genutzt, um daraus Matten, Seile, Matratzen und Schuhe herzustellen. Geschnitten wurde Schilf zumeist mit Sicheln, später wurden hochtechnische Maschinen entwickelt, die es auch erlauben das Schilf vom Wasser aus zu schneiden. Inwieweit die Schilfmahd mit Raupenfahrzeugen als Schutzmaßnahme für Schilfbestände förderlich wirkt, ist bis heute umstritten. Mehr Informationen zum Lebensraum Schilf am Federsee finden Sie auf der Seite des NABU Baden-Württemberg. (JH)

Von Hümplern und Schiffern

Schiffe am Neckar bei Haßmersheim, Bild: Gemeinde Haßmersheim
Schiffe am Neckar bei Haßmersheim, Bild: Gemeinde Haßmersheim

Haßmersheim, das 1499 zur Pfalz, 1806 zu Baden kam, ist eine kleine Gemeinde am Neckar in der der Nähe von Gundelsheim. Beim Gang durch den Ort fällt auf, dass in den Gärten neben Blumen auch Masten, Wimpel und anderes Schiffszubehör zu finden sind. Viele Neckarschiffer haben bis heute ihren Wohnsitz in Haßmersheim.

Früher wurden die kleineren Boote auf dem Neckar als Hümpler bezeichnet. Dazu schrieb Johann Friedrich Zeller, der erste Oberamtmann des Oberamts und Neckar-Schifffahrts-Commissair von Heilbronn in seiner 1809 erschienenen Abhandlung über die Die Neckar- Rhein- und Main-Schifffahrt zwischen Heilbronn, Mainz und Frankfurt, ... daß damalen auf dem Neckar neben den eigentlichen Schiffern auch Hümpler waren. Er zitiert ein Schreiben von 1741, das vom Neckargrafenamt in Heidelberg an den Magistrat in Heilbronn gerichtet war und in dem zwei Hümpler aus Hasmersheim namentlich genannt sind. Zeller bemerkt, ein Hümpler sei ein Frachtunterpächter reicher Neckarschiffer gewesen, der die Schifffahrtskunde entweder nicht gehörig erlernt hatte, und daher kein eigentliches Schiff führen durfte, oder der das Vermögen zu dessen Erwerbung nicht besaß; sondern sich auf ein kleineres Fahrzeug einschränken mußte, dem man den Namen Schiff nicht gab. Kleine Neckarschiffe wurden auch benötigt, um den Fluss bei Niedrigwasser zu befahren.

Das Schifffahrtsmuseum von Haßmersheim zeigt Schiffsmodelle, Dokumente und Gegenstände aus dem Alltag der Schiffer, verbunden mit dem Hinweis, dass hier einer der größten Schifferorte Süddeutschlands war. Zu den Schiffern zählte auch Friedrich Heuß, ein Vorfahre des Bundespräsidenten Theodor Heuss, der zu den ersten Schiffsbetreibern gehörte, die um die Mitte des 19. Jh. die Reise in die Niederlande antraten und damit das Hümpler-Dasein hinter sich ließen.

Die Dichterin Augusta Bender

Die Hausfreundin von Augusta Bender
1900 – 1902 erschienen im Eigenverlag drei Bändchen „Die Hausfreundin“ mit Novellen und Kochrezepten. Quelle: Badische Landesbibliothek

Vor Kurzem eröffnete in Schefflenz ein kleines Literatur-Museum, das an das Werk und das bewegte Leben der Schriftstellerin, Lehrerin und Frauenrechtlerin Augusta Bender erinnern soll. Bender wurde 1846 in Oberschefflenz geboren und wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Um nach der Volksschule einen weiteren Schulabschluss machen zu können, musste sie jedoch nahezu aus dem Dorf fliehen, denn Bender wollte sich fortbilden und einen ihr entsprechenden Beruf ergreifen: für ein Mädchen, zumal aus bäuerlichen Verhältnissen, damals ein ungewöhnlicher Plan. Mit siebzehn Jahren nahm sie Schauspielunterricht in Mannheim, mit achtzehn bereitete sie sich in Mosbach auf das Fachexamen in Telegraphie vor. Als eine der ersten Frauen verdiente sie sich als Telegrafistin auf der Post in Karlsruhe eigenes Geld, wurde aber schnell mit struktureller Unterdrückung und mangelnder Gleichberechtigung konfrontiert. Jedoch erlaubte es ihr Gehalt, Bücher zu erwerben. Von ihrem Bruder finanziell unterstützt, konnte Bender 1867/68 an einem Heidelberger Institut ihre Kenntnisse in Fremdsprachen und Geschichte vertiefen und bestand die Prüfung für das Lehramt an höheren Töchterschulen. Ihre Wege führten sie nach London und Rom über Paris, Nizza, Genua und im Juli 1871 in die Vereinigten Staaten. Zwischen 1871 und 1897 weilte Bender siebenmal in Amerika. Dort hielt sie literarische Vorträge; lehrte Deutsch in Bürgerhäusern von New York und Philadelphia, auf einer Farm in New Hampshire und an einem College in Massachusetts; begegnete u. a. dem Faust-Übersetzer Bayard Taylor (1825-78), dem seinerzeit vielgelesenen Ludwig Büchner (1824-99), ferner dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker (1811-81), dem sie 1916 ein Gedenkblatt widmete. Das literarische Schaffen Benders umfasst zahlreiche Werke, wobei keines ihrer Werke nennenswerten Erfolge verzeichnen konnte. Wesentlich erfolgreicher war ihr volkskundliches Engagement, das Bender nach ihrer Rückkehr aus Amerika vertiefte. Mit den „Oberschefflenzer Volkslieder“ zeichnete Bender die vom Vergessen bedrohten Texte gewissenhaft auf und schrieb eigene Erläuterungen. Ergänzend kamen 1910 die „Kulturbilder aus einem badischen Bauerndorf“ hinzu, mit fünf Auflagen die verbreitetste ihrer Schriften. Eine selbstbiographische Rückschau eröffnete sie mit der Jugendgeschichte einer Kleinbauerntochter „Der Kampf ums höhere Dasein“ (1908), und in Baden-Baden, wo sie im Lichtentaler Lehrerinnenheim eine Bleibe fürs Alter gefunden zu haben glaubte, brachte sie 1913/14 zwei Bände Erinnerungen heraus („Auf der Schattenseite des Lebens“). Sie berichten anschaulich von Kindheit und Jugend bis hin zu der ersten Überfahrt nach Amerika. Mehr Informationen zu Augusta Bender finden Sie auf LEO BW und auf der Seite des neu eröffneten Literaturmuseums. (JH)

Schulgeschichte(n)

Schulmuseum Zeugnis
Zeugnis 1890/91. Herkunft/Rechte: Schulmuseum im Klösterle. Benjamin Widholm (CC BY)

Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit auch die Zeugnisse. Dieses Zeugnis aus dem Schuljahr 1890/91 wurde dem Sechstklässler Paul Mösler am Real-Lyzeum in Schwäbisch Gmünd von seinem Klassenlehrer Professor Berner übergeben. Die Fünfer und Sechser dürften für den jungen Schüler Grund zur Freude gewesen sein, denn damals reichte die Notenskala von 1/2 bis 8, wobei 8 der besten Note entsprach. Zusätzlich war die Bewertung in jedem Fach unterteilt in Fleiß und Fortgang. Unter Fleiß bewertete der Lehrer das Engagement des Schülers und dessen Lernwillen. Als Fortgang beurteilte er das Wissen und Können des Schülers im jeweiligen Fach. Unter der Fächerliste hat der Professor separat das Verhalten des Schülers mit "recht gut", der besten Note angegeben. Zusätzlich verweist die "Location" auf die Bewertung des Jungen im Vergleich zu seinen Mitschülern.
Lange Zeit herrschte keine Einheitlichkeit bei der Notenskala. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergaben die meisten Schulen in Deutschland fünf Noten: die Eins für sehr gute, die Fünf für nicht ausreichende Leistungen. Erst 1938 wurde die Note 6 eingeführt.
Zu sehen ist dieses Zeugnis im Schulmuseum im Klösterle in Schwäbisch Gmünd, das 2012 eröffnet wurde. Ein historisches Klassenzimmer aus der Zeit um 1930 steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Eine große Sammlung von Lehr- und Lernmitteln dokumentiert den Schulalltag von der Weimarer Republik bis in die 1950er-Jahre. Daneben besitzt das Museum zahlreiche historische Schüler- und Lehrerfotos aus Schwäbisch Gmünd und Umgebung. Einige Exponate aus dem Schulmuseum im Klösterle finden Sie auf dem baden-württembergischen Museumsportal.
Weitere Schulmuseen gibt es unter anderem in Karlsruhe, in Friedrichshafen oder in Hüfingen. (JH)

Patriotismus als Marketing-Idee

Schuhcremedose "Deutsche Heldencreme von 1914", Quelle: Museum der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch
Schuhcremedose "Deutsche Heldencreme von 1914", Quelle: Museum der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch

Wir bleiben beim Thema deutsch-französische Beziehungen. Diese waren jahrhundertelang von militärischen Konfrontationen geprägt, die mal von der einen, mal von der anderen Seite ausgingen. Gelenkt von der Obrigkeit war diese Erbfeindschaft in den Köpfen der Menschen fest verankert, als mit der Kriegserklärung an Serbien am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg begann. Bald wurden alle Lebensbereiche durch das Kriegsgeschehen bestimmt. Auch die Marketingideen trieben merkwürdige Blüten, wie dieses Fundstück aus den Beständen des Museums der Alltagskultur in Waldenbuch zeigt. Indes wurde die zur Heldencreme deklarierte Schuhpolitur bald bedeutungslos. In den schlammigen Schützengräben des Stellungskriegs mit Millionen von Opfern dürften gewichste Stiefel für die einfachen Soldaten rasch der Vergangenheit angehört haben. Aufbewahrt wurde die Dose jedoch nicht aus patriotistischen Gründen. Der Kunsthistoriker Gustav Pazaurek nahm das Objekt als abschreckendes Beispiel in seine Sammlung von Negativ-Beispielen des Stuttgarter Landesgewerbemuseums auf, Kategorie Hurra-Kitsch und Weltkriegs-Greuel. Er empfand die Verwendung der deutschen Reichsfarben in diesem Zusammenhang als geschmacklos.

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