Zum Tod von Eberhard Finckh am 30. August 1944 in Plötzensee

Eberhard Finckh, Quelle Bundesarchiv Bild 146-1994-104-04, CC BY-SA 3.0 de
Eberhard Finckh, Quelle Bundesarchiv Bild 146-1994-104-04, CC BY-SA 3.0 de

Heute erinnern wir an Eberhard Finckh, eine der Persönlichkeiten im Umfeld des Attentats vom 20. Juli 1944. Finckh wurde 1899 in Kupferzell geboren und wuchs in Urach und Stuttgart auf. Er nahm am Ersten Weltkrieg als junger Kriegsfreiwilliger Teil und schlug nach einem kurzen Ingenieurstudium 1920 die Offizierslaufbahn ein. Personen seines Umfelds sahen in ihm mehr einen schwäbischen Landpfarrer als einen Offizier. Schon in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft distanzierte er sich von deren Zielen und der Person Hitlers. Ab 1937 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin-Moabit, wo er Claus Schenk Graf von Stauffenberg kennenlernte. Während des Krieges wurde Finckh als Oberst im Generalstab und Oberquartiermeister der Heeresgruppe West in Paris eingesetzt. Hier kamen seine ausgeprägten Fähigkeiten als Logistiker zum Zug, mit der er die Versorgung der Truppe erheblich verbesserte. Hier traf er auch auf Carl-Heinrich von Stülpnagel, der zusammen mit anderen hochrangigen Militärs eine Gruppe im Netz des Umsturzvorhabens bildete. Schon kurz nach dem Attentat wurde in Paris mit der Ausschaltung von Gestapo und Sicherheitsdienst begonnen, erst dann wurde das Scheitern des Vorhabens bekannt. Die Verhaftung Finckhs erfolgte am 26. Juli. Finckh und Stülpnagel starben am 30. August 1944 in Berlin-Plötzensee durch den Strang. Eine Ausführliche Darstellung zu Eberhard Julius Heinrich Finckh finden Sie in seiner Biographie.

Ravensburg im Wandel der Zeit

 Prospekt der Stadt Ravensburg von David Mieser 1625
Prospekt der Stadt Ravensburg von David Mieser 1625 Ausschnitt (Quelle: Historischer Atlas BW). Zum Vergrößern auf die Karte klicken.
Wenige Jahre vor den schweren Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges fertigte der Maler David Mieser ein Ölbild der Stadt Ravensburg an. In Auftrag gegeben wurde sie vom Ravensburger Rat. Auf dem Mieserschen Prospekt ist die Reichsstadt Ravensburg und ihre Umgebung steil aus der Vogelschau von Westen zu sehen. Die Tafel erfaßt beinahe die gesamte alte Stadtmarkung und demnach insgesamt ein Gebiet von ca. 4,0 x 3,2 km, das heißt eine Fläche von ca. 12,8 Quadratkilometern. Der ungefähre Maßstab schwankt zwischen 1:1530 und 1:1640, der durch Vermessungsfehler bedingte Verzerrungsfaktor ist also sehr gering für die damalige Zeit. Wie lange die Karte einen praktischen Nutzen für die städtische Verwaltung hatte, ist unbekannt. Jedoch ist die Miesersche Karte von großem Wert für die Forschung, zählt sie doch zu den letzten großen Stadtporträts vor dem säkularen Niedergang der Reichsstadt. So lässt sich an diesem Bilddokument unter anderem zeigen, wie viel historische Bausubstanz der Stadt bis heute erhalten geblieben ist und welche Gebäude für immer verschwunden sind. Nach der Renovierung des Ravensburger Rathauses von 1929/1931 fand die Miesersche Karte an der Stirnseite des großen Ratssaales ihren endgültigen Platz.
Über den Maler David Mieser ist hingegen verhältnismäßig wenig bekannt. Bis zu seinem Tod im Pestjahr 1635 war er in Ravensburg als Maler tätig. Neben der hier gezeigten Stadtansicht gehört eine 1630 geschaffene Radierung, die Ravensburg aus der Vogelschau von Nordwesten zeigt, zu den bedeutendsten Arbeiten Miesers. David Mieser arbeitete hier zusammen mit dem Geometer Johann Morell. 13 Jahre später wurde ihre Radierung in etwas reduzierter Gestalt sogar in Merians Topographia Sueviae aufgenommen. Ob Morell, wie vermutet wird, bereits an der Karte von 1625 als Vermessungstechniker beteiligt war, ist jedoch unklar. Den ganzen Text von Peter Eitel aus den Erläuterungen des Historischen Atlas Baden-Württemberg können Sie hier finden. Mehr über die historische Entwicklung der Anfertigung von Stadtansichten können Sie auch im Themenmodul "Südwestdeutsche Archivalienkunde" nachlesen. (JH)

Zum 250. Geburtstag von Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel, Lithographie von Friedrich Wilhelm Bollinger, vor 1825; Quelle UB Tübingen
Hegel, Lithographie von Friedrich Wilhelm Bollinger, vor 1825; Quelle UB Tübingen

Georg Wilhelm Friedrich Hegel war Schwabe, Begründer des dialektischen Denkens und wäre heute 250 Jahre alt geworden.

Er kam 1770 als Sohn pietistischer Eltern in Stuttgart zur Welt und studierte Theologie in Tübingen. Zu seinem Freundeskreis zählten Hölderlin und Schelling. Erst mit 48 Jahren konnte er einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Berlin übernehmen. Die von ihm begründete wissenschaftliche Philosophie hat das Ziel, die gesamte Wirklichkeit systematisch zu deuten. Zu den wichtigsten Werken Hegels zählen Phänomenologie des Geistes, Wissenschaft der Logik, die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften und die Rechtsphilosophie.

Sein Werk gilt als schwer zugänglich, doch das lässt der Hegel-Kenner Sebastian Ostritsch von der Uni Stuttgart nicht gelten. Im Zeitalter gesellschaftlicher Gräben sei Hegel aktueller denn je. So isch no au wieder pflegte der Philosoph zu sagen und meinte damit, dass sich die Wahrheit einer Sache nur im Zusammenhang mit ihrem Gegenteil erschließen lässt. Widersprüche können in einem dialektischen Prozess überwunden werden. Vielleicht war das schwäbisch-pietistische Erbe dafür ausschlaggebend, vielleicht auch der zeitgeschichtliche Hintergrund mit den Umwälzungen der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons, dass Hegel im Chaos stets das Vernünftige suchte. Hegel starb 1831 in Berlin.

Zum Geburtstag des Philosophen wird das Stuttgarter Hegel-Haus in der Innenstadt, dem ein komplett neues Konzept zugrunde liegt, wiedereröffnet. Zu sehen sind eine Dauerausstellung und eine Multimedia-Präsentation. Aufgaben und Rätsel, die im Escape-Room gelöst werden müssen, schaffen einen Zugang zur Geisteswelt des Denkers.

Der „Winterkönig“ Friedrich V. von der Pfalz

Das Kurfürstenpaar Friedrich und Elisabeth mit Familie, Kupferstich nach 1622, Quelle UB Heidelberg
Das Kurfürstenpaar Friedrich und Elisabeth mit Familie, Kupferstich nach 1622, Quelle UB Heidelberg

Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, geboren am 26. August 1596, sollte als Winterkönig in die Geschichte eingehen. 1613 heiratete Friedrich die englische Prinzessin Elisabeth Stuart. Die konfessionspolitisch motivierte Allianz sollte eine Zeichen gegenüber der katholisch-habsburgischen Vormachtstellung in Europa setzen. Der Hochzeit folgte eine so glanzvolle wie kostspielige Hofhaltung in Heidelberg mit Ausbau des Schlosses und Neuanlage des Hortus Palatinus. Das Kurfürstenpaar unterstrich seinen Anspruch durch eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit, die in zahlreichen Druckschriften und Flugblättern Ausdruck fand. Als das empfindliche Kräfteverhältnis zwischen Katholiken und Protestanten 1618 in Böhmen eskalierte, ließ sich Friedrich zum böhmischen König wählen. Am 4. November 1619 fand in Prag die Krönung statt. Die Ereignisse um die Königswahl und die damit verbundene Provokation gegenüber dem Kaiserhaus, die als Rechtsbruch ausgelegt wurde, ließen den Aggressionen, die den Dreißigjährigen Krieg einleiten sollten, freien Lauf. Schon bald erwiesen sich die Verhältnisse für die Kurpfälzer als unerwartet schwierig. Der Böhmische Adel verfolgte weiterhin eigene Ziele, hinzu kamen religiöse und kulturelle Gegensätze und finanzielle Engpässe. Jakob I. von England, der Vater Elisabeths, versagte seine Unterstützung, desgleichen die protestantischen Kurfürsten. Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 endete in einem Desaster. Friedrich und seine Familie flohen, wurden unter Reichsacht gestellt und fanden mit Mühe Aufnahme in den Niederlanden Aufnahme. Die Kurpfalz wurde von spanischen Truppen erobert. Die Propaganda tobte weiter, nun gegen Friedrich, der nach seiner wenige Monate dauernden Regierungszeit als Winterkönig verspottet wurde. Versuche zur Rückgewinnung seiner Stellung mithilfe Gustav Adolfs verliefen ohne Erfolg. Kurz nach dem Tod Gustav Aldolfs in der Schlacht bei Lützen erlag Friedrich am 29. November 1632 in Mainz einer der grassierenden Epidemien.

Die Unibibliothek Heidelberg verfügt über eine Reihe zeitgenössischer Druckschriften zu Friedrich und Elisabeth, die als Digitalisate abrufbar sind. Neben Publikationen zur Hochzeit und zur Königskrönung stehen mehrere Abbildungen zur Verfügung. Das Bild zeigt das Paar mit sechs von insgesamt zehn Kindern. Die 1622 geborene Luise Hollandine, hier in der Wiege, wurde später Äbtissin des Klosters Maubuisson.

Das "Untere Wasserwerk" in Schwetzingen

Wasserwerk
Wasserwerk Innenansicht [Copyright: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg]
Das Schwetzinger Schloss, das im 18. Jahrhundert vor allem den pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz diente, ist bekannt für seinen prächtigen Schlossgarten. Um die Wasserversorgung für die Teiche, Brunnen und zahlreichen Wasserspiele des Schlossgartens zu gewährleisten, wurde vom Architekten Nicolas de Pigage ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem entwickelt. Da das zunächst erbaute "Obere Wasserwerk" nicht zur Versorgung des ständig wachsenden Gartens ausreichte, entstand zwischen 1762 und 1765 das zusätzliche "Untere Wasserwerk" hinter dem römischen Wasserkastell. Zwei Wasserräder, die vom Leimbach angetrieben wurden, übertrugen ihre Kraft auf sieben Pumpen, die aus drei Brunnen das Wasser in zwei Reservoirs im Dachgeschoss des Pumpenhauses in Höhe von 13 m beförderten. Das "Obere Wasserwerk" bediente den Arionbrunnen bis zu den wasserspeienden Hirschen sowie den Seepferdchenbrunnen. Das "Untere Wasserwerk" betrieb alle Wasserkünste am Badhaus, am Naturtheater und am Römischen Wasserkastell. Die beiden Wasserwerke in Schwetzingen gehören zu den ältesten erhaltenen Anlagen in Europa und sind ein seltenes technisches Denkmal für die avancierte Technik der damaligen Zeit. Zwischen 2007 bis 2018 wurde das gesamte "Untere Wasserwerk" instandgesetzt und saniert. Seitdem kann das Wasserwerk im Rahmen von Führungen besucht werden. Ein 3D-Modell des „Unteren Wasserwerks“ finden Sie in der LEO-BW 3D-Galerie. (JH)
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