Lichtenthal, Zisterzienserinnen
| Kurzbeschreibung: | 1243 Ersterwähnung – 1245 »Gründungsurkunde« der Söhne von Markgräfin Irmengard von Baden und päpstliche Bestätigung – 1248 Inkorporation in den Zisterzienserorden und Kirchweihe – 1426 Reform – 1622 Mitglied der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation – 1815 Einrichtung eines Schulbetriebs – 1925 Mitglied der Mehrerauer Kongregation. Patrozinium: Mariae HimmelfahrtOrdensgliederung: Mutterkloster Neuburg (im Elsass), 1622 Salem, 1625 Lützel, 1668 Tennenbach; 1624 Oberdeutsche Zisterzienserkongregation, Elsässisch-schweizerische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. German und Moritz, Landkapitel Kuppenheim; 1821/1827 Erzbistum Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: devotas virgines in Lucida valle (1243);1 abbatissa et conventus monasterii Lucide vallis Cisterciensis ordinis (1245)2 GeschichteHistorische EntwicklungNach dem Tod Markgraf Hermanns V. von Baden (1190–1243) im Jahr 1243 stiftete seine Witwe Irmengard 1245 in Beuern bei (Baden-)Baden zu seinem Seelenheil ein Frauenkloster. Wie das Lichtenthaler Exordium fundationis aus der Mitte des 13. Jahrhunderts berichtet, begann sie sogleich damit, die Klostergebäude zu errichten, und 1248 wurde bereits die erste Kirche zu Ehren der Assumptio Mariae geweiht. Im selben Jahr weihte Bischof Heinrich von Straßburg (1244–1260) den Hauptaltar, vor dem im Chor die Gebeine des zunächst in Backnang bestatteten Markgrafen Hermann V. beigesetzt wurden.3 In einer im März 1245 feierlich besiegelten Urkunde, die oft als »Gründungsurkunde« Lichtenthals bezeichnet wurde,4 berichten die beiden Brüder Hermann (1243–1247) und Rudolf von Baden (1243–1288), dass ihre Mutter Irmengard für das Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls in Beuern bei (Baden-)Baden ein Frauenkloster zu errichten begonnen hatte, das jedoch nicht über genügend Ausstattung verfügte. Erst ihre Schenkung, die dem Kloster die Patronatsrechte der Kirchen zu Ettlingen und Baden-Baden, den Zehnten zu Iffezheim, die Orte Winden und Beuern und zwei Höfe in Oos und Haueneberstein einbrachte, gewährte diesem eine ausreichende Lebensgrundlage. Die Anfänge des Frauenklosters müssen daher schon vor 1245 gelegen haben, was durch eine Seelgerätsstiftung vom 9. März 1243 für den eben verstorbenen Markgrafen Hermann im Kloster Maulbronn bestätigt wird. Der dortige Abt verpflichtet sich nicht nur zur Abhaltung des Jahrtages, sondern auch zur Übernahme der Aufsicht über die Frauen zu Lichtenthal.5 Schon der hier erstmals auftretende Name Lucida vallis deutet darauf hin, dass sich die geistlichen Frauen dem Zisterzienserorden zugehörig fühlten. So spricht Irmengard 1248 schon von einer novella plantatio sanctimonialium in Lucida valle aput Baden, ordinis Cisterciensis, Spirensis diocesis, a nobis fundata.6 Noch im Jahr 1245 hatte das Kloster die päpstliche Urkunde Religiosam vitam eligentibus und eine weitere Bestätigung durch Papst Innozenz IV. (1243–1254) erhalten.7 Nachdem auch der zuständige Diözesanbischof Heinrich von Speyer (1245–1272) 1246 seine Zustimmung erteilt hatte,8 wandte sich die Markgräfin mit der Bitte um Inkorporation ihrer Gründung an das Generalkapitel der Zisterzienser. Dieses entsandte die Äbte von Eußertal und →Tennenbach zur Inspektion.9 Unterstellt wurde das Kloster dem Maulbronner Vaterabt aus der elsässischen Zisterze Neuburg.10 Von nun an tritt der Neuburger Abt regelmäßig als Aussteller, Siegler oder Zeuge von Rechtsgeschäften der von ihm betreuten Nonnen auf und war auch bei der Kirchweihe 1248 zugegen.11 1256 bestätigte Papst Alexander IV. (1254–1261) den vom Vaterabt festgelegten numerus taxatus von 40 Schwestern, damit das Überleben der jungen Gründung gesichert war, ohne auf Almosen zurückgreifen zu müssen.12 Im Rahmen der cura monialium übte er auch die Aufsicht über die Wirtschaft der geistlichen Frauen aus, für deren Leitung er einen Prokurator bestellte. Ein Beispiel dafür ist der 1255 erwähnte Gozbertus yconomus Lucide vallis.13 Die enge Verbindung zur Mutterabtei Neuburg wird an einer vom dortigen Abt Heinrich 1249 ausgestellten Verbrüderungsurkunde deutlich, die die Nonnen, die er als »in Christo geliebte Töchter« bezeichnet, von ihm erbeten hatten. Eingeschlossen in das Gebet werden auch die Novizinnen und die Konversschwestern sowie die Laienbrüder.14 Laut Exordium fundationis kam der Gründungskonvent aus dem 1212 gestifteten Zisterzienserinnenkloster →Wald bei Sigmaringen. Aus Wald stammte auch die erste Äbtissin Trudinde, auf die 1249 Mechthild von Liebenstein folgte.15 Die dritte Äbtissin Adelheid war die Tochter des Wolfrat von Krautheim, dessen Familie die Zisterzienserinnenabtei Gnadental bei Schwäbisch Hall gegründet hatte. Die vierte seit 1257 amtierende Äbtissin stammte wieder aus dem Walder Konvent. Zur oben genannten Grundausstattung kamen durch Schenkungen des Markgrafen Rudolf I. 1256 die Teilhabe an Nutzungsrechten und Allmenden der Stadt (Baden-)Baden16 und 1288 das Dorf Geroldsau im Grobbachtal mit zugehörigen Rechten hinzu.17 Rudolfs I. Gemahlin entstammte dem Geschlecht der Grafen von Eberstein, die auch als Stifter und Wohltäter anderer Klöster begegnen. Weitere Familien, die Lichtenthal förderten, Äbtissinnen und andere Amtsträgerinnen stellten, waren in der Regel mit den Markgrafen verwandt oder deren Ministerialen und Lehnsleute. Genannt seien hier die Edelherren von Lichtenberg und von Leiningen, die Scherer von Tübingen, die von Grüningen und von Neidlingen, die Göler von Ravensburg oder die Röder von Rodeck. Daneben sandten wohlhabende Bürger aus Speyer, Ettlingen, Pforzheim, (Baden-)Baden, Weißenburg und Hagenau ihre Töchter in den Lichtenthaler Konvent. Neben den beim Eintritt ins Kloster erfolgten Schenkungen statteten die Familien ihre Töchter zunehmend mit Leibrenten aus, was zur Abkehr von der strengen monastischen Lebensform und zu Ungleichheiten im Konvent führte.18 Während die Schenkungen im 13. Jahrhundert zugunsten des gesamten Konvents erfolgten, lassen sich bereits seit Beginn des 14. Jahrhunderts in Lichtenthal Rechtsgeschäfte nachweisen, die zum Wohl einzelner Konventualinnen abgeschlossen wurden. So vermachte der Speyrer Bürger Albert Pflaumbaum am 20. Juni 1305 seinen drei in Lichtenthal eingetretenen Töchtern fünf Pfund Heller ewigen Zinses von einem Haus in Speyer. Falls eine der Schwestern starb, sollte ihr Anteil an die Überlebenden fallen. Erst nach dem Ableben der dritten Schwester aber stand der Zins unmittelbar dem Kloster zu19. Soweit die Mitgift der Nonnen aus Liegenschaften oder Zinsen bestand, wurden ihnen diese teilweise von vornherein zur Nutznießung überlassen. Bares Geld legten die Frauen zuweilen selbst in Grundbesitz oder sonstigen Gütern an. Einzelne Nonnen besaßen sogar mehrere Höfe mit dazugehörigen Zinsen. Da allerdings nicht alle Konventsmitglieder gleich ausgestattet waren, handelte die Äbtissin Agnes von Baden (1338–1361) selbst Leibrentenverträge für die nicht ausreichend versorgten Klosterfrauen aus20. In der Mitte des 14. Jahrhunderts war der Konvent auf 80 Nonnen angewachsen, weshalb die Einkünfte des Klosters nicht mehr zur angemessenen Ernährung ausreichten. Um dringender Not abzuhelfen, hatte ihnen Papst Clemens VI. (1342–1352) 1345 daher den Kirchensatz und das Patronat der Pfarrkirche von Malsch zugestanden.21 Abt Gottfried von Neuburg beschränkte 1366 die Höchstzahl auf 51 Chorschwestern und neun Konversinnen, die nur beim Eintritt einer Angehörigen der Markgrafenfamilie überschritten werden durfte.22 Zudem war das gemeinsame Leben zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch die Konkurrenz der Familien von Leiningen und von Lichtenberg erschwert worden. Da beide das Amt der Äbtissin besetzen wollten, kam es von 1422 bis 1426 sogar zu einer Vakanz23. Daher beschloss das Generalkapitel in Cîteaux 1426 die Reform des Klosters und beauftragte damit die Äbte von Lützel, Maulbronn und Herrenalb. Jegliches Privateigentum sollte abgeschafft werden und der ganze Konvent sollte wieder von den gemeinsamen Einkünften leben. Auch sollten die Einhaltung der oftmals durch Familienbesuche gestörten Klausur und die regelmäßige Teilnahme am Chorgebet wiederhergestellt werden.24 Zur Umsetzung der Reform wurden Nonnen aus dem bereits reformierten Schwesterkloster Königsbrück geholt, die das monastische Leben erneuerten. Aus ihnen wählte der Konvent die ersten bürgerlichen Äbtissinnen Elisabeth Wiest (1444–1459) und Anna Strauler (1459–1475).25 Wie aus mehreren Verträgen hervorgeht, konzentrierte sich Elisabeth Wiest auf die Neuordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Lichtenthal, um die Voraussetzungen für die Rückkehr zur vita communis und zur Klausur zu schaffen. Unterstützt wurden die aus Königsbrück stammenden Amtsträgerinnen in Lichtenthal offenbar von Mönchen aus Maulbronn und Herrenalb, die in der Zeit der Reform als Klosterschaffner oder Seelsorger im Konvent tätig waren.26 Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts erscheinen auch die Äbte der von Neuburg aus gegründeten Klöster Maulbronn und Herrenalb häufiger als Vertreter des Vaterabts. Da beide Zisterzen in der Reformation von Württemberg aufgehoben wurden, erlangte Äbtissin Barbara Veus (1551–1597) für den Abt von →Tennenbach das Visitationsrecht. Nach Errichtung der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation wurde Lichtenthal 1622 →Salem, 1625 dann Lützel unterstellt, da es zur elsässisch-schweizerischen Provinz gezählt wurde. Nachdem das Elsass französisch geworden war, fiel 1668 die Paternität endgültig an den Abt von Tennenbach, bis dessen Kloster in der Säkularisation aufgehoben wurde.27 Einem Visitationsbericht des Generalabtes der Zisterzienser ist zu entnehmen, dass der Lichtenthaler Konvent 1573 18 Nonnen, 19 Laienschwestern und drei Novizinnen umfasste, die ein »vortreffliches Leben« geführt hätten.28 Damit hängt wohl zusammen, dass Lichtenthal auf Bitten des Grafen von Fürstenberg 1570 den Gründungskonvent in das von den Benediktinerinnen verlassene Kloster →Friedenweiler entsandte. Personell half Lichtenthal ebenso im fürstenbergischen Kloster →Maria Hof in Neudingen und in dem ebenfalls Tennenbach unterstehenden Kloster →Wonnental aus. Auch unterstützten die Lichtenthalerinnen 1593 die Reform im Kloster Olsberg bei Augst in der Schweiz.29 Bereits bei der Reform in Lichtenthal selbst, die auch auf Wunsch von Bernhard I. von Baden (†1431) eingeleitet worden war, wurde der Einfluss der Markgrafen von Baden deutlich. Jakob I. (1431–1453) kümmerte sich in der Folge um die wirtschaftliche Sanierung des Konvents und nennt sich seit 1453 »Schirm-« und »Kastvogt« der Abtei.30 Anstelle des pater immediatus stimmten nun die Landesherren den vom Kloster geschlossenen Verträgen zu. Deren Einfluss wuchs noch nach der Reformation, zumal sich bei jedem Regierungswechsel die Religionspolitik der Markgrafen änderte. Dabei beanspruchten auch die katholischen Landesherren die Mitsprache bei den Äbtissinnenwahlen und der Aufnahme von Novizinnen.31 Die Äbtissinnen Rosula Röder (1519–1544) und Barbara Veus konnten die Einsetzung protestantischer Prädikanten verhindern und drängten auch in den Lichtenthaler Patronatspfarreien auf die Berufung katholischer Geistlicher. Unter der Herrschaft der Markgrafen von Baden-Durlach (1594–1622) wurde dies rückgängig gemacht. Die Lage der Abtei, die sich aus Furcht vor einer Aufhebung 1613 an das Generalkapitel gewandt hatte, entspannte sich erst, als das Territorium 1622 wieder an die katholische Linie Baden-Baden zurückfiel.32 Als Baden-Baden während des Pfälzischen Erbfolgekriegs am 24. August 1689 in Brand gesetzt wurde, blieb Lichtenthal verschont. Von 1690 bis 1693 mussten jedoch die jüngeren Nonnen wegen Bedrohung durch die durchziehenden Truppen in die schweizerischen Klöster Magdenau, Tänikon, Feldbach, Wurmsbach und in das schwäbische Kloster Rottenmünster flüchten. Nach dem Aussterben der markgräflichen Linie Baden-Baden 1771 huldigte Lichtenthal dem neuen Landesherrn Karl Friedrich von Baden (1738–1811), der es seines Schutzes versicherte. Der 1793 begonnene Reichskrieg mit der französischen Revolutionsregierung führte 1796 zur Besetzung des Beuerner Tals. Markgraf Karl Friedrich schloss daher am 22. August 1796 unter Verzicht auf seine linksrheinischen Güter einen Sonderfrieden. Er erlaubte bei der Säkularisation 1803 dem Konvent von Lichtenthal weiterhin in klösterlicher Communion beisammen zu bleiben.33 Lichtenthal konnte als Grablege des Herrscherhauses unter besonderen Bedingungen, die restriktiv in das eigentliche Ordensleben eingriffen, bestehen bleiben, musste aber seine Gemeinnützigkeit nachweisen. Dies gelang zwar durch die Einrichtung eines Erziehungsinstituts, band den Konvent aber an das am 16. September 1811 veröffentlichte »Regulativ für die katholischen weiblichen Lehr- und Erziehungs-Institute des Großherzogtums Baden«, das der zisterziensischen Lebensform zuwiderlief. Am 9. Februar 1815 wurde das Lichtenthaler Lehrinstitut feierlich eröffnet. Da es nach der Säkularisation in Deutschland kein Zisterzienserkloster mehr gab, das die cura monialium sicherstellen konnte, wirkte der Pfarrrektor von Kuppenheim als geistlicher Berater in Lichtenthal. Mit der Unterstützung der Erzdiözese Freiburg versuchte der Konvent im Rahmen des Regulativs eine dem Zisterzienserorden angepasste Lebensform umzusetzen, für die der Eigentumsverzicht und das gemeinsame Chorgebet essentiell waren. Letzteres war jedoch nur den Frauen gestattet, die nicht im Schuldienst tätig waren, während die Aufnahme von Novizinnen auf diejenigen beschränkt blieb, die der badischen Regierung ihr Lehrerinnenexamen vorweisen konnten. In dieser Situation gründeten die Schwestern unter der Äbtissin Magdalena Kollefrath 1883 als Zufluchtsort ein Tochterkloster in Südtirol, in dem die Novizinnen ausgebildet werden konnten, denen der Staat den Eintritt in die Abtei verwehrt hatte. Dieses Tochterkloster Mariengarten in St. Pauls-Eppan ist seit 1914 eine selbständige Abtei.34 Nach der Revolution von 1918/19 und der Aufhebung des Regulativs von 1811 konnte Lichtenthal zunächst unter Aufsicht der Erzbischöfe von Freiburg Anschluss an den Orden gewinnen. Am 26. Oktober 1925 bestätigte das in Rom tagende Generalkapitel die Zugehörigkeit der Abtei zum Orden der Zisterzienser als ein Kloster der Mehrerauer Kongregation.35 Gemäß dem VIII. Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils »Über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens – Perfectae caritatis« ist das Leben der Schwestern in Lichtenthal geprägt von der Erneuerung des liturgischen Lebens im gemeinsamen Chorgebet, der Orientierung am Evangelium, aber auch der Integration in die Arbeits- und Sozialstruktur der heutigen Welt. 1995 feierte die Abtei das 750. und 2020 das 775. Jahr ihres Bestehens.36 Mit der obligatorischen Einführung der Simultanschule im Großherzogtum Baden wurde die Mädchenschule Lichtenthal 1877 umgewandelt in eine staatliche Volksschule für Mädchen, 1965 wurde sie zu einer Grund- und Hauptschule erweitert und 1980 zu einer koedukativen Grundschule umgestaltet. Am 9. Februar 2015 konnte das 200-jährige Schuljubiläum gefeiert werden. Besitz und WirtschaftDie Grundausstattung Lichtenthals geht auf die Schenkungen der Markgrafenfamilie im Jahr 1245 zurück, die die Patronatsrechte der Kirchen zu Ettlingen und Baden-Baden, den Zehnt zu Iffezheim, die Orte Winden und Beuern und zwei Höfe in Oos und Haueneberstein umfassten. Seit 1288 gebot die Lichtenthaler Äbtissin über das Beuerner- und das Grobbachtal. Da der Adel und das wohlhabende Bürgertum, die ihre Töchter in den Lichtenthaler Konvent schickten, das Kloster mit Schenkungen und Stiftungen zum Seelenheil ausstatteten, erhielt dieses bis zum Ende des 14. Jahrhunderts einen ausgedehnten Streubesitz. Dieser reichte von Bühl bis Speyer und von Weissenburg im Elsass bis ins Zabergäu, konzentrierte sich im Laufe der Jahrhunderte aber bis kurz vor der Säkularisation auf Schwerpunkte zwischen Ettlingen und Bühl sowie in Pforzheim.37 Bereits nach der Reform im 15. Jahrhundert geschah die Besitzvermehrung vornehmlich durch Neuerwerbungen zur Arrondierung des Besitzes. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Kauf die bestimmende Quelle der Gütervermehrung. Festzuhalten ist hier, dass die Abtei von ihrer Gründung an mit Rechten ausgestattet wurde, die den Normen der Zisterzienser widersprachen, etwa Zehnten, Zinsen, Kirchenpatronate und Leibeigene.38 Zu den oben genannten Kirchenpatronaten in Baden-Baden und Ettlingen kamen diejenigen von Iffezheim (1259), Malsch (1340), Steinbach (1341), Pforzheim (1344), Haueneberstein (1348) und Sandweier (1514) hinzu. Damit verbunden war in der Regel auch die Inkorporation der genannten Pfarrkirchen.39 Auf die Patronate der Kirchen in (Baden-)Baden und Ettlingen verzichtete das Kloster im 15. Jahrhundert mit Erlaubnis des Ordens, als diese in Stiftskirchen umgewandelt wurden. An der Wende zur Neuzeit war Lichtenthal unter anderem in etwa 35 Orten begütert und verfügte über 20 Höfe unterschiedlicher Größe, von denen vier anfangs als Grangien bezeichnet wurden.40 Die Eigenwirtschaft spielte neben der Rentengrundherrschaft jedoch nur eine geringe Rolle und war auf die unmittelbare Umgebung des Klosters beschränkt. Die Höfe waren wie die sonstigen Güter auf Zeit verpachtet oder auf Lebenszeit verliehen. Gülten und Zehnten, darunter Weinzehnten, wurden durch einen Laienbruder verwaltet. Seit 1388 ist ein weltlicher Amtmann belegt, der 1493 als Schaffner bezeichnet wird. Die Klosterhöfe in Steinbach, Ettlingen und Pforzheim dienten als Sammelstellen für Einkünfte und Überschüsse. Neben Getreide ist hier vor allem der Wein zu nennen, den Lichtenthal unter anderem im Affental, im Beuerner Tal, aber auch bei Weissenburg im Elsass anbaute. Ein Privileg, das die Abtei erstmals 1332 von Ludwig dem Bayern (1328–1347) erhielt und sich von mehreren Herrschern bestätigen ließ, erlaubte, Wein und andere Handelswaren zollfrei auf dem Rhein zu transportieren.41 Seit dem 14. Jahrhundert ist belegt, dass die Markgrafen immer wieder Geldanleihen beim Kloster machten, das umgekehrt zu bestimmten Leistungen ihnen gegenüber verpflichtet war, wie beispielsweise dem Halten von Jagdhunden. In die Regierungszeit der Elisabeth Wiest fällt die Anlage eines auf Pergament geschriebenen Lagerbuchs als Dokument pragmatischer Schriftlichkeit und Zeugnis für die sich wieder konsolidierende Wirtschaft.42 Am 25. Juni 1509 erließ Markgraf Christoph I. (1475–1515) eine Ordnung für den Klosterschaffner und das Gesinde,43 aus der abzulesen ist, dass die Aufsicht über die Güterverwaltung nicht mehr in erster Linie beim Orden, sondern zunehmend beim Landesherrn lag. Die Äbtissin, die sich selbst um die Wirtschaft gekümmert hatte, gab nach der Reform immer mehr Kompetenzen an den Schaffner ab, zumal 1623 bei einer Visitation durch den Salemer Vaterabt die Klausurierung nochmals verschärft wurde.44 Die Äbtissin von Lichtenthal übte die Ortsherrschaft mit der Niedergerichtsbarkeit in den Dörfern Beuern, Winden, Oos und Bietigheim aus. Ihre Herrschaftsrechte vertrat im 17. und 18. Jahrhundert ebenfalls der jeweilige Oberschaffner. 1803 verfügte die Abtei über mehr als 1.000 Morgen Ackerland und 34.000 Gulden Kapital. Markgraf Karl Friedrich zog bei der Säkularisation den Besitz ein und gewährte eine finanzielle, Sustentation genannte, Unterstützung. Darüber informiert ein Inventarium über sämtliches, dem ehemaligen Gotteshaus Lichtenthal gehöriges Vermögen.45 Die Nonnen erhielten eine Pension, die sie als gemeinsames Einkommen verwalteten. Neben den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden konnte die Kommunität, die nicht mehr als zwölf Personen umfassen sollte, einen Garten, nahegelegene Felder sowie Melk- und Schlachtvieh zur eigenen Ernährung behalten. Neben dem 1815 eingerichteten Schulbetrieb waren die Nonnen bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft eingesetzt. Seit 1938 gab es eine Paramentenstickerei und seit 1942 eine Handweberei.46 Neben der Schule betreibt das Kloster heute ein Gäste- und Tagungshaus mit einem Klosterladen und einem breiten Angebot an Kursen und Veranstaltungen mit der Möglichkeit zur spirituellen Einkehr. Die Klosteranlage gehört heute dem Land Baden-Württemberg. Religiöses und kulturelles WirkenIm Zentrum der klösterlichen Verehrung steht in Lichtenthal die Gottesmutter Maria. Der Mariae Himmelfahrt wurde 1248 die Klosterkirche geweiht und seit dem 16. Jahrhundert wird die Schlüsselmuttergottes in der Fürstenkapelle verehrt. 1332 nennt die Weiheurkunde des gotischen Ostchors zusätzlich die Heiligen Drei Könige als Patrone.47 Vom seligen Markgrafen Bernhard von Baden (†1458) besitzt Lichtenthal eine große Reliquie und die älteste Statue.48 Das Totengedenken und die Anniversarien der Stifterfamilie, deren Angehörige bis zum Ende des 14. Jahrhunderts fast ausnahmslos in Lichtenthal bestattet wurden, wurde im Hauskloster besonders begangen. Beredtes Zeugnis vom geistlichen Leben in Lichtenthal legen zahlreiche aus dem Mittelalter überkommene Handschriften ab. Neben Chorbüchern des 13. bis 15. Jahrhunderts aus den Mutterabteien Neuburg, Maulbronn und Herrenalb zeugen sie auch von der Existenz eines eigenen Lichtenthaler Skriptoriums. Verwiesen sei nur auf die Schreibmeisterin Margarethe gen. Regula (Abb. 7), die wohl zusammen mit Elisabeth Wiest 1440 aus Königsbrück nach Lichtenthal gekommen war. Sie hatte großen Anteil an der spirituellen Erneuerung ihres Klosters, indem sie eine bemerkenswerte Sammlung von Texten geschrieben und ins Alemannische übersetzt hat, die sowohl für die Tischlesung als auch für die private Lektüre der Zisterzienserinnen geeignet waren.49 Durch Randnotizen gewährt sie Einblick in ihre Werkstatt und beabsichtigte, auch »den einfeltigen«, den des Latein unkundigen Mitschwestern, die Bestimmungen des zisterziensischen Liber ordinarius nahe zu bringen. Der in einem ihrer Sammelbände enthaltene Traktat »Von wahrer Armut« gewinnt vor dem Hintergrund der Reform in Lichtenthal und ihrer Forderung nach Einhaltung des Armutsgebotes einen zentralen Stellenwert. Das mit 40 meist quadratischen Federzeichnungen versehene »Leben Jesu« diente der Erbauung und sollte zur Nachfolge Christi anregen.50 Im »Buch von den heiligen Mägden und Frauen« werden weibliche Heiligenviten bearbeitet, um die klösterlichen Tugenden vor Augen zu führen. Im 16. Jahrhundert wurde »Der Gesandte der göttlichen Liebe« der Hl. Gertrud von Helfta durch Äbtissin Barbara Veus aus dem Lateinischen ins Alemannische übersetzt. Das Studium der geistlichen Texte der mittelalterlichen Autoren des Zisterzienserordens nimmt auch heute noch einen großen Raum neben den drei Gelübden der monastischen Profess Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam ein. Die heutige Lebenswirklichkeit der Zisterzienserinnen in Lichtenthal ist geprägt durch liturgica, lectio und labor.51 Liturgie und Alltag sollen sich gegenseitig befruchten, geistliche Lesung und klösterliches Stillschweigen dazu befähigen, die Gegenwart und das Wort Gottes besser wahrzunehmen. Bibliothek und ArchivIn Lichtenthal informiert nicht nur eine sog. »Gründungsurkunde«, sondern auch eine fast zeitgenössische Gründungsgeschichte, das Exordium fundationis, über die Anfänge der Frauenzisterze.52 Die reichhaltige, wenn auch nicht vollständige, Urkundenüberlieferung von Lichtenthal hat vor allem im Generallandesarchiv in Karlsruhe und vor Ort im Lichtenthaler Klosterarchiv die Zeiten überdauert.53 Hinzu kommen zahlreiche Akten und Amtsbücher, unter anderem Nekrologe, Kopialbücher, Beraine und Rechnungen. Zu erwähnen ist noch die im Lichtenthaler Klosterarchiv aufbewahrte, historisch bedeutende Chronik für die Zeit von 1245–1724, die 1732 der Amtmann Johann Alban Glyckher begann und sein Sohn und Nachfolger Bernhard 1779 vollendete. Die Bibliothek blieb über die Jahrhunderte von größeren Katastrophen und Plünderungen verschont. Aus dem Gründungsbestand sind noch etwa 20 liturgische Codices und zisterziensische Grundtexte erhalten, die aus dem Kloster Neuburg bei Hagenau stammen; weitere Handschriften entstanden ab 1430 im Zuge reformerischer Bemühungen. Der Übergang der Paternität an Maulbronn und später Herrenalb spiegelt sich in etlichen Handschriften insbesondere aus dem letzteren Kloster, die unter anderem auf den Mönch Johannes Zürn zurückgehen. 1478 starb die Schreibmeisterin Regula, die auch Übersetzungen vom Lateinischen ins Deutsche angefertigt hat; weitere Schreiberinnen, unter ihnen die Äbtissin Barbara Veus, lassen sich bis ins 16. Jahrhundert namhaft machen. Hinzu kamen Bücherzugänge aus der Sammlung des Beichtvaters Sebastian Lanius oder aus der aufgehobenen Benediktinerinnenabtei →Frauenalb. Lichtenthal wurde 1802/03 zwar säkularisiert, blieb aber als Kloster erhalten. Die Bibliothek bestand zu dieser Zeit aus einigen hundert Bänden, in erster Linie Handschriften und alte Drucke, von denen 72 Bände an die Hofbibliothek und 205 Titel an die Universitätsbibliothek Heidelberg gingen. Im Zuge der Affäre Fredegar Mone, der sich Bestände aus Lichtenthal angeeignet hatte, wurde eine große Zahl von Handschriften 1886 in Straßburg versteigert. Durch das Eingreifen der Regierung konnte der größere Teil gerettet werden. Heute besitzt die Badische Landesbibliothek Karlsruhe 142 Handschriften; im Kloster sind gut 30 Codices des 12. bis 16. Jahrhunderts und etwa 70 Codices späterer Zeit verblieben. Gut 90 Lichtenthaler Inkunabeln finden sich heute in Karlsruhe und vor allem in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster liegt westlich des alten Dorfteils Unterbeuern in einer Schleife des Flüsschens Oos, das um die Konvents- und Wirtschaftsbauten herumgeleitet wurde. Die Oos bildete die Grenze zwischen den Bistümern Speyer und Straßburg. Direkt am Kloster entlang verläuft eine Straße, die aus der oberrheinischen Tiefebene an Baden-Baden vorbei zu einem Schwarzwaldpass führt. Das seit seiner Gründung nahezu durchgehend bestehende Kloster ist immer wieder modernisiert worden, die Grundstruktur wurde jedoch seit dem 14. Jahrhundert wenig verändert. Die Klosterkirche und die nördlich angrenzende Grabkapelle der Markgrafen von Baden sind nach Osten ausgerichtet. Nördlich der Grabkapelle stand das »Amtshaus«, dahinter das Krankenhaus. Der Klausurbereich mit Kreuzgang liegt südlich der Kirche; ein repräsentatives Gebäude für Äbtissin und Konvent wurde 1728 westlich an die Kirche angeschlossen. 1679 wurde die »Einsiedlerkapelle« in der Südost-Ecke der Klostermauer errichtet. Zahlreiche Wirtschaftsbauten umschließen den Klosterhof nördlich der Kirche. Vorgängerbauten und die erste KlosterkircheUnregelmäßigkeiten an der gotischen Kirche sowie Beobachtungen, die bei Umbauten und Restaurierungsmaßnahmen seit dem 19. Jahrhundert dokumentiert wurden, deuten darauf hin, dass die 1243 schon bestehende Frauengemeinschaft in deutlich älteren Gebäuden angesiedelt war. Kleine Rundbogenfenster und Rücksprünge in den Langhauswänden (z. B. in Abb. 1, 11 und 13 erkennbar) zeigen, dass in der Flucht leicht abweichende Mauern in den Kirchenneubau integriert wurden. Die drei westlichen Fensterbögen (Abb. 11) haben zwei bzw. drei Reihen radial gesetzter Steine,54 wie dies für römische Bauten typisch ist, die zwei östlichen sind monolithisch, wie im 12./13. Jahrhundert üblich. Die erste Weihe eines Hauptaltars in Lichtenthal ist für 1248 überliefert, seit diesem Zeitpunkt waren also die Ostteile des damaligen Kirchenbaus in Gebrauch. Das Kirchenschiff war so breit wie heute; daran schloss ein eingezogener, quadratischer Altarraum an.55 Die gotische Klosterkirche und ihre ModernisierungenDie Länge der heutigen, einschiffigen gotischen Kirche beträgt 59 m, ihre innere Breite 9,50 m. Den Ostabschluss bildet eine polygonale Apsis mit hohen, zweibahnigen Maßwerkfenstern und gestuften Strebepfeilern, deren Giebelchen von einem Aufsatz bekrönt werden. Das langgestreckte, verputzte Kirchenschiff mit Eckquaderung gliedern auf der Nordseite Strebepfeiler mit geschwungenen Verdachungen, dazwischen sitzen barock modernisierte, hohe Fenster und ein spätgotischer Treppenturm. Die Südwand der Kirche weist Fenster und Portale verschiedener Epochen auf, jedoch keine Strebepfeiler. Die drei Barockfenster sind dort kürzer als die der Nordwand. Ein Satteldach läuft über alle Teile der Kirche durch, es ist zur Abtei hin abgewalmt und mit einem Dachreiter versehen. Türen führen vom Kreuzgang in das Schiff und auf die Nonnenempore. Im Inneren überfängt die Ostteile ein dreijochiges, steinernes, gotisches Kreuzrippengewölbe mit geometrisch gegliederten Konsolen und drei figürlichen Schlusssteinen. Eine gotische Piscina in der Südwand des Altarraums zeigt, dass das Laufniveau phasenweise ca. 80 cm niedriger war. Weitere Aufhöhungen in Ost- und Westteil der Kirche belegen wohl Probleme mit Hochwasser. Vom Altarraum führte eine gotische Pforte in die südlich angesetzte Sakristei. Ein Ablassbrief von 1321 und eine Weihenachricht von 1332 sowie die stilistische Einordnung legen nahe, dass der 5/8-Schluss der heutigen Kirche um 1330 von Osten an den älteren Vorgängerbau angefügt wurde. Der Altbau wurde mit Lanzettfenstern, Strebepfeilern und zwei Gewölbejochen modernisiert. Ein repräsentatives gotisches Nordportal, etwa in der Mitte in die alte Mauersubstanz eingelassen, bietet den Zugang zum westlichen der beiden gotischen Gewölbejoche, wohl für adelige Laien, die als Nachfahren der Stifterin Zugang zu den Bestattungen hatten. Ein senkrechter Mauerabsatz (erkannbar links in Abb. 11) an der südlichen Obergadenwand legt nahe, dass die Kirche des 14. Jahrhunderts etwa 45 m lang war. Die Nonnenempore wird von fünf Jochen eines barocken Spantengewölbes überfangen. Die ursprüngliche Länge der mehrfach veränderten Empore ist heute an den seitlichen Laufgängen mit Übergang zur Fürstenkapelle erkennbar. Dort führten weitere Emporen und Laufgänge bis in die Krankenstation. Die Lanzettfenster und die spätgotischen, unter Verwendung hochgotischer Grabsteine gemauerten Strebepfeiler der Nordwand passen zur Weihenachricht der ersten Nonnenempore von 1470, die wie in anderen Zisterzienserinnenkirchen erst damals ein ebenerdiges Chorgestühl ersetzte. Sie war zunächst mit einem hölzernen Gewölbe von trapezförmigem Querschnitt überfangen, für das die Mauern um ca. 4,5 m aufgehöht wurden. In der Westwand gab es ein großes Maßwerkfenster. Der Treppenturm ermöglichte nun den Zugang zum Dach vom Wirtschaftshof aus. Direkt daneben entstand zeitgleich56 das Tor zum holzgedeckten Raum unter der neuen Empore. Um 1600 wurde der Kirchenraum neu ausgemalt (Abb. 12). Vermutlich im 17. Jahrhundert wurden unter dem Westteil der Kirche zwei gewölbte Lagerräume geschaffen. 1723/24 erhielt Baumeister Rudolf Ober den Auftrag, alle Fenster in den Längswänden des Frauenchors um 4 Fuß zu erhöhen und an Stelle von zwei alten Fenstern zum Dormitorium drei neue einzubrechen. Das barocke Scheingewölbe aus Spanten, Putzträgerlatten und verputzter Boxhaut57 über der Empore war ursprünglich mit mehr Stuck und der Inschrift »1724« geschmückt. Die Bäume für das neue Dachwerk wurden im Winter 1723/24 (d) gefällt;58 173059 wurde es im Westen abgewalmt und erhielt einen Dachreiter.60 KonventsbautenAn den 1252 fertiggestellten Klausurgebäuden südlich der Kirche war bis 1728 äußerlich vermutlich wenig geändert worden. Südlich an den Altarraum anstoßend wurden 1969 Mauerreste freigelegt, die auf eine Sakristei mit 3/8-Schluss und eine kreuzgangbegleitende Sepultur hinweisen.61 Der Ostflügel des Kreuzgangs stieß eine Achse weiter östlich als heute an die Kirche an; vom kirchenseitigen Flügel wurden 1934 Fundamente ergraben, dementsprechend dürfte es dort nie Strebepfeiler gegeben haben. Vor dem Abriss 1725 beschrieb Amtmann Glyckher62 die seit 500 Jahren stehenden mittelalterlichen Klausurbauten als zweigeschossig mit hohem Dach; sie umschlossen mit drei Flügeln den Kreuzhof. Die Obergeschosse der drei Flügel beschreibt er als sehr dunkel mit hölzernen Einbauten und hölzernem Gewölbe über dem Mittelgang. Die Zellen waren nur von den bauzeitlichen, zwei Schuh hohen Fensterchen beleuchtet. Ab 1725 wurde das Gelände um etwa einen Meter aufgeschüttet, der Ostflügel und vermutlich auch der Westflügel 1728 um eine Achse nach Westen versetzt neugebaut. Der nun freie Bereich der Kirchenwand im Bereich des östlichen Gewölbejochs erhielt ein Maßwerkfenster, das stilistisch an die gotischen Fenster angeglichen wurde. Die Fürstenkapelle – Grablege der Markgrafen von BadenDie ersten Stifterinnen und Stifter wurden in der Kirche des Konvents bestattet. 1288 verfügte Markgraf Rudolf I. den Bau einer Kapelle mit drei Altären neben der Klosterkirche, die bis 1424 alle markgräflichen Bestattungen aufnahm. Er stattete sie mit Pfründen für drei Priester aus; 1361/63 kam eine weitere Pfründe hinzu. Die Priester könnten in einem Gebäude an Stelle des 1594 auf der klausurfernen Seite der Kirche erbauten »Amtshauses« untergebracht gewesen sein, in dem sie gemeinschaftlich lebten. Die Kapelle wurde im Wirtschaftshof nördlich der Kirche errichtet. Sie war ein schlichter Putzbau mit eingezogenem Ostabschluss, südlich angeschlossener Sakristei und Dachreiter. Die Westfassade zeigte in der Mittelachse zwei Fenster, darunter ein Portal, flankiert von zwei rechteckigen Fenstern. An den flachgedeckten Saal schloss nach Osten ein Triumphbogen und das rippengewölbte Altarhaus ab. Rundstützen vor der West- und Nordwand trugen hölzerne Emporen, die auch der Verbindung vom Nonnenchor zum nordöstlich anschließenden Krankenhaus dienten. Das heutige Erscheinungsbild der nun Fürstenkapelle genannten Grablege geht auf eine durchgreifende Sanierung mit Teilneubau 1830 zurück. Die Großherzöge Ludwig (1818–1830) und Leopold (1830–1852) ließen im Stil des Historismus die Grabkapelle neu ausstatten, an der Fassade wurden Skulpturen aus dem Stift →Allerheiligen angebracht (Abb. Bd. 1, S. 141). Gedenktafeln für weitere Angehörige des Hauses Baden und die spätmittelalterliche Skulptur des seligen Bernhard von Baden als Landespatron machten den Ort zum dynastischen Denkmal, der in Kupferstichen und romantischen Ansichten (z. B. Abb. 5) publik gemacht wurde. AusstattungDank der nahezu ununterbrochenen Geschichte von 780 Jahren ist eine große Anzahl von Ausstattungsgegenständen erhalten; genutzt für gemeinsame Gottesdienste und private Andacht, repräsentativen Wohnbedarf und alltägliche Arbeit. Viele Gegenstände sind dem Konvent entfremdet worden und gelangten beispielsweise ins Badische Landesmuseum. Andererseits sind insbesondere im 19. Jahrhundert nach der Auflösung anderer Klöster viele Stücke nach Lichtenthal gekommen. Zwei Flügel eines im geöffneten Zustand 6 m breiten Hochaltares sind in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe verwahrt (Abb. 14). Die vier Darstellungen versetzen mit großer Detailfreude Szenen aus dem Marienleben in zeitgenössische Interieurs mit Landschaftsausblicken. Diese Darstellungsform erfreute sich im 15. Jahrhundert großer Beliebtheit, da sie die Heiligen in den Alltag zu holen scheint. Im Hintergrund der Geburt Mariens ist ein Rundfenster zu sehen, dessen Stifterinschrift aus dem Jahr 1489 auf die Äbtissin Margarete, Markgräfin von Baden (1476–1496), verweist. Einige Figuren des mittleren Schreins sind ins Cloisters-Museum in New York gelangt. Dieselbe Äbtissin soll 1496 einen Altar für den Nonnenchor gestiftet haben, der später zerlegt, umgenutzt und ergänzt wurde; ein übliches Verfahren gerade für hoch geschätzte Kunstwerke. Der astwerkverzierte Schrein mit den Heiligenfiguren der Katharina, Maria und Margaretha dient heute als Altar auf der Empore; die Flügel, darauf unter anderem bemerkenswerte Schilderungen des Lebens der Maria Magdalena, sind heute an den Nebenaltären der Fürstenkapelle. Von den Heiligenfiguren spielt die »Schlüsselmuttergottes« aus dem 14. Jahrhundert eine zentrale Rolle im Selbstverständnis der Abtei, da sie als wundertätige Retterin gilt, wenn die Nonnen ihr in Kriegszeiten die Klosterschlüssel anvertrauen. Unter den zahlreichen Grabmälern fallen zwei für die Stifterin Irmingard von Baden († 1260) besonders auf: Die erste Grabplatte ist nur mit Tragekreuz und Äbtissinnenstab über dem badischen Wappenschild und Randleiste schlicht gestaltet. Die wie eine Verlegenheitslösung wirkende Beschriftung ober- und unterhalb der Rahmenleiste IRMENGARDIS FVNDATRIX (Irmengard, die Stifterin) könnte zeitgenössisch sein, wobei auch eine nachträgliche Anbringung diskutiert wurde.63 Etwa 80 Jahre später wurde das Stifterinnen-Grab neu inszeniert und ein aufwendiges Tischgrabmal aufgestellt: Gerahmt von reichen gotischen Dekorelementen liegt die Tote auf einem von Engeln gehaltenen Bahrtuch und hält in ihren Händen ein Kirchenmodell; das typische Attribut, um Stifter und Stifterinnen zu kennzeichnen. Die Inschrift hält das Jahr 1245 als Gründungsjahr fest.64 Ursprünglich in der Mitte des Chores vor dem Hochaltar aufgestellt, ist es heute in der Fürstenkapelle zu sehen. Spätgotische und frühbarocke AusstattungAus der Zeit um 1600 fallen einzelne Ausstattungselemente auf, wie ein hochwertiges Kapitell (heute im nördlichen Kreuzgangflügel aufgestellt). Die Kanzel, 1606 (i) von Thomas König gefertigt, auf der mit S. Bernhardus explizit der Ordensgründer der Zisterzienser dargestellt ist, dürfte ebenso auf Außenwirkung gegenüber mehr oder minder geladenen, hochrangigen Gästen bedacht sein, wie der Bibelvers, der 1615 (i) auf der Nordwand des Langhauses so angebracht war, dass er auf dem Weg über den Klosterhof zum Laieneingang der Kirche ins Auge fiel. Auf wen der Apokalypse-Vers »Fürchtet den Herrn und erweist ihm Ehre, weil die Stunde seines Gerichts kommt« (Apc 14,7) gemünzt war, wird in der Forschung diskutiert.65 1764 ließ Äbtissin M. Benedikta Grasmair (1738-1775) das bestehende Chorgestühl (Abb. 13) vom Ettlinger Meister Friedrich Bader aus Eichenholz anfertigen, ebenso wie das neue Chorgebälk. Eine Besonderheit sind die Betstühle in zweiter Reihe mit einer kleinen Vitrine, in der die einzelne Nonne individuell und nach Anlass Heiligenfiguren, Reliquien etc. für die persönlichen Andacht arrangieren konnte. Im Klostermuseum befinden sich zahlreiche dieser Gegenstände. Der im Konventsbau befindliche Zyklus von Äbtissinnenporträts zeugt ebenso vom Selbstverständnis der Lichtenthaler Äbtissinnen wie der prächtige Äbtissinnenstab, der 1490 in einer der hoch angesehenen Augsburger Silberschmiedewerkstätten hergestellt wurde. Erhaltene Ausstattungsstücke zeigen den Wohnkomfort in den Räumlichkeiten des 18. Jahrhunderts. GartenDen außerhalb der Klostermauer, jenseits der Straße gelegenen »Krautgarten« ließen die Äbtissinnen des 18. Jahrhunderts mit Bewässerungstechnik und Gartenhaus versehen. 1775 präsentiert er sich standesgemäß mit symmetrisch angelegten Broderie-Beeten. WirtschaftshofDas Kloster Lichtenthal zeigt in selten erhaltener Vollständigkeit die räumliche Einheit des »Wirtschaftsunternehmens« Kloster. Die unregelmäßig an Straße und Oos verlaufende Klostermauer umfasst auch die nördlich und westlich von Kirche und Konvent angesiedelten Bauten für Personal, Werkstätten und Ställe sowie zur Produktion und Lagerung von Lebensmitteln, darunter ein Bretterlager und eine Mühle. Einige Gebäude sowie der Brunnen wurden anlässlich von Modernisierungen mit dem Wappen der Bauherrin versehen, so 1781 der schon 1600 gebaute stattliche Torbau mit Sonnenuhr und Christusfigur. Zwei um 1775 entstandene Vogelschau-Zeichnungen zeigen den Zustand vor der Barockisierung (Abb. 3) ab 1724 und dem Brand 1734 mit lose aufgereihten Gebäuden an der Westmauer, davon eines mit Glocke im Dachreiter. Nach dem Neubau 1735 präsentiert sich an der Stelle eine durchgehende Gebäudegruppe unter Verwendung älterer Teile. Auffällig sind nun die insgesamt vier Stufengiebel. 1594 wurde das »Amtshaus« nördlich der Grabkapelle der Markgrafen repräsentativ neugebaut. Von dem dreigeschossigen Putzbau wurden in das Schulgebäude von 1909 ein Portal und zwei Fensteröffnungen, ein gewölbter Erdgeschossraum sowie die Wendeltreppe von 1623 integriert. Neuere Nutzung1811–69 war die Klosterkirche Pfarrkirche von Beuern. Aus der Verpflichtung, eine Schule zu betreiben, erwuchsen Umbauten und Neubauten im Klosterareal. Der Konvent ließ im 19. und 20. Jahrhundert die Nonnenempore und die Klausurbauten mehrfach umbauen.Die Konventsbauten beherbergen noch heute das Klosterarchiv und das Klostermuseum. BibliographieQuellen: Dambacher 1855–1858. Handbücher und Lexika: CVMA II,1, S. 3–13 (Rüdiger Becksmann); DI 78 (Ilas Bartusch); KB Baden-Baden, S. 155–158 (Kurt Andermann); KDM Bd. 11,1, S. 406–522 (Emil Lacroix/Peter Hirschfeld/Heinrich Niester); kloester-bw, Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal (Sr. M. Pia Schindele O.Cist.). Literatur: Schindele 1984; 1985; 1995; Siebenmorgen 1995; Andermann 1995; Schindele 2006. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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