Pforzheim, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | 1270 Gründung (?) – 1278 erste urkundliche Erwähnung – um 1280/90 Fertigstellung der Klosterkirche – 1443 Einführung der Observanz – 1555/56 Aufhebung – 1631/35 Restitution – 1649 Abzug der Franziskaner aus Pforzheim Patrozinium: MariaOrdensgliederung: Straßburger (Oberdeutsche) Minoritenprovinz, Kustodie Schwaben; 1443 Straßburger (Oberdeutsche) Observantenvikarie; 1517 Straßburger (Oberdeutsche) Observantenprovinz, Kustodie SchwabenKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. Guido, Landkapitel Pforzheim |
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| Beschreibung: | Name: fratribus Minoribus in Phorzheim (1278);1 fratres domus in Phorzhein ordinis Minorum fratrum (1291);2 der Barfuoßen closter zuo Phortzhein (1383)3 GeschichteHistorische EntwicklungWahrscheinlich auf älteren Zeugnissen beruhend, geben franziskanische Chronisten des 17. und 18. Jahrhunderts an, dass die Gründung des Pforzheimer Barfüßerklosters im Jahr 1270 erfolgt sei.4 Urkundlich belegt ist diese älteste Niederlassung der Franziskaner in der mittelalterlichen Markgrafschaft Baden erstmals 1278.5 Interesse des Bettelordens an der größten markgräflichen Stadt könnte zuvor bereits der Aufenthalt Bertholds von Regensburg signalisiert haben, der im Herbst 1259 in Pforzheim predigte. Über die Entstehungsumstände des Konvents sind wir nicht näher informiert, allein die von Bernard Müller um 1700 kompilierte Chronik gibt an, dass das Kloster eleemosynis […] et ope ac liberalitate civium errichtet worden sei,6 demnach also auf das Engagement der Bürger Pforzheims zurückgegangen wäre. Die Lage – nahe der Stadtmauer, südwestlich der im Norden des Stadtareals gelegenen markgräflichen Burg (der erhaltene Chor der Klosterkirche heute Barfüßergasse 10) – spricht allerdings dafür, dass Rudolf I. von Baden (1243–1288) der Gründung wenigstens zugestimmt haben muss. Wahrscheinlich förderte der Markgraf aktiv die Ansiedlung der Minderbrüder. Bis ins 15. Jahrhundert liegen nur wenige Nachrichten zu den Pforzheimer Franziskanern vor. 1385 fand das Kapitel der Straßburger Ordensprovinz in Pforzheim statt. In einer 1371 ausgestellten Urkunde werden als Empfänger verkauften Grundbesitzes neben dem Konvent die Bürger Heinrich Göldlin, Günther von Vaihingen, Goßlin Schultheiß, Günther Flad und Werner Göldlin als truowenhander vnd pflegere des Klosters genannt.7 Dass fünf Angehörige politisch wie sozial führender Familien Pforzheims mit der Verwaltung des Klostervermögens betraut waren, spricht für enge Beziehungen zwischen Konvent und Stadt. Günther von Vaihingen gehörte auch noch 1382 zu den Pflegern, nunmehr neben Goßlin und Volkmar Imhoff.8 Auch 1438 werden – ohne Namensnennung – die procuratores erwähnt, mit deren Wissen die Verleihung eines Hofes erfolgt sei.9 1416 soll für Baumaßnahmen am Kloster von vier Kardinälen ein Ablassbrief ausgestellt worden sein.10 Anlässlich der Feierlichkeiten zur Vermählung Karls I. (1453–1475) mit Katharina von Österreich († 1493) im Jahr 1447 wurde das Barfüßerkloster in die herrschaftliche Logistik einbezogen: Nach Ausweis des Quartierverzeichnisses diente es der Unterbringung Markgraf Jakobs I. (1431–1453), des Vaters des Bräutigams (die Burg war der Braut und ihrem Gefolge vorbehalten).11 1443 wurde im Pforzheimer Konvent die Observanz eingeführt. Nach dem kurzen Bericht, den der Novizenmeister Johannes Schmid von Elmendingen darüber verfasste, gehörten der Gemeinschaft damals neben dem Guardian und dem Vizeguardian sieben Brüder (darunter Schmid selbst) und zwei Novizen an. Von den Fratres hätten alle bis auf einen, der zu den Observanten hielt, das Kloster verlassen.12 Treibende Kraft hinter diesem Vorgang scheint Markgraf Jakob I. gewesen zu sein, der im Jahr zuvor bereits an der Reform des Pforzheimer →Dominikanerinnenklosters mitgewirkt hatte. In diesem Sinne deuten das Geschehen frühneuzeitliche franziskanische Geschichtsschreiber,13 doch schon Nikolaus Glassberger gibt in seiner gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstandenen Chronik an, dass die Reform mit Willen und Unterstützung und auf Veranlassung (volente ac iubente atque procurante) des Markgrafen erfolgt sei14 – oder, wie es an anderer Stelle seines Textes knapp heißt (allerdings unter Verwechslung Jakobs I. mit seinem Sohn und Nachfolger Karl I.): reformavit enim dominus Carolus, marchio Badensis, conventum Pforzhemensem.15 In einer Urkunde vom 14. Oktober 1443, die uns am eingehendsten über den Hergang unterrichtet, heißt es, die Reform sei von ernstlicher begerung des Markgrafen erfolgt.16 Auch darauf könnte sich Konrad von Münchingen, der spätere Prior der Kartause Güterstein (1445–1478), bezogen haben, als er am 22. Juli 1443 an Markgraf Jakob schrieb, dass dieser – wie er gehört habe – beabsichtige, in seinen Landen etliche vngeordente clöstere wider uf zu richten vnd in ein ordenliche wesen zu bringen, womit er seiner Meinung nach nit mynder tue, dann ob üwer Gnade sie von nüwem ufbuwete vnd stifte. Der Kartäuser ermahnte den Markgrafen, in seinem löblichen Werk fortzufahren.17 Tatsächlich bestellte Wiprecht von Frankenstein, Kantor des Wormser Domstifts und einer der vom Basler Konzil mit der Reform der oberdeutschen Franziskanerklöster beauftragten Visitatoren, zusätzlich zu Nikolaus Caroli, dem Guardian des bereits reformierten →Heidelberger Franziskanerklosters, Markgraf Jakob zum vorderer, maner und mithelffer.18 Der Fürst vertraute die praktische Umsetzung des Vorhabens seinem Pforzheimer Amtmann Paul Leutrum von Ertingen an. Mit der bereits zitierten Urkunde vom 14. Oktober 144319 regelten Nikolaus Caroli und der Markgraf die Vermögensverhältnisse des Konvents neu: Alle gutere, zinse oder gulte im Besitz des Franziskanerklosters wurden auf das Pforzheimer Heilig-Geist-Spital übertragen. Im Gegenzug hatte der dortige Konvent des Heilig-Geist-Ordens mit acht Priestern an allen Fronfasten die Stifter von Jahrzeiten und Seelenmessen zu begehen, die mit diesen Gütern und Einkünften verbunden waren. Sofern einzelne Fundatoren oder ihre Nachkommen damit nicht einverstanden waren, blieb es ihnen freigestellt, das Stiftungsgut mit bischöflichem Rat auf andere Kirchen oder geistliche Gemeinschaften zu transferieren. Um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, die mit der Reform Beauftragten wollten allein die Bewohner des genannten Spitals begünstigen – so formuliert es die Urkunde ausdrücklich –, wurde festgelegt, dass das Heilig-Geist-Spital von dem erhaltenen Gut jährlich an Martini oder innerhalb dreier Wochen danach 10 Gulden an das Siechenhaus St. Georg zu Pforzheim abgeben musste. Außerdem hatte das Spital einmalig eine Summe von 400 Gulden an das Franziskanerkloster für die bauliche Unterhaltung und die Anschaffung von Büchern auszuzahlen. Zudem sollte das Spital gegebenenfalls für bestehende Schulden des Klosters aufkommen. Anscheinend hielten die Auseinandersetzungen innerhalb der Klostergemeinschaft nach 1443 zunächst an, ohne dass darüber weitergehende Informationen vorliegen. Dass der Guardian Nikolaus Helwig von Weißenburg und der Vizeguardian Theobald Hingstetter, die früher beide dem Zisterzienserorden angehört hatten, 1448 das Kloster verließen und dafür von Nikolaus Caroli exkommuniziert wurden,20 könnte jedenfalls auf Konflikte hindeuten, zumal in demselben Jahr ein weiterer Bruder, Richard von Kirchberg, nach Pfullingen zog und dort Beichtvater des noch nicht reformierten Klarissenkonvents wurde.21 Dass 1452 das Kapitel der Straßburger Observantenvikarie in Pforzheim tagte, mag hingegen für die innere Konsolidierung des reformierten Klosters sprechen. An der Spitze der Klostergemeinschaft standen der Guardian und der Vizeguardian, die in der Regel für zwei Jahre, ab 1486 für drei Jahre gewählt wurden. Eine Wiederwahl war möglich. Auch die weiteren im 15. und 16. Jahrhundert nachweisbaren Ämter entsprachen erwartungsgemäß üblichen Gepflogenheiten des Ordens: Praedicator, Magister novitiorum, Magister iuvenum, Legens. Die Aufhebung des Pforzheimer Barfüßerklosters setzen franziskanische Chronisten in das Jahr 1555,22 mithin vor den Erlass der badischen Kirchenordnung von 1556. Noch 1554 hatte sich in Pforzheim das Ordenskapitel versammelt.23 Als sich der Pforzheimer Rat 1556 um eine geräumigere Unterbringung der (deutschen) Stadtschule bemühte, wurden dieser die Gebäude des Franziskanerklosters zugewiesen. Inwieweit die Kirche in der folgenden Zeit noch für Gottesdienste genutzt wurde, ist fraglich. Im frühen 17. Jahrhundert scheint sie als Kornspeicher gedient zu haben. Auf der Grundlage des kaiserlichen Edikts von 1629 musste Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach (1622–1659) Anfang 1631 der Restitution des Barfüßerklosters zustimmen, das noch im Januar desselben Jahres von drei Observanten, darunter dem Prior Petronius Widemann, bezogen wurde. Die praktische Inbesitznahme des Klosters stieß freilich auf erhebliche Schwierigkeiten. Anscheinend wurden die Gebäude nur teilweise geräumt, und selbst in der Kirche scheint den Franziskanern nur der Chor samt Sakristei übergeben worden zu sein. Im Langhaus wurde hingegen nun der protestantische Gottesdienst gehalten, da die →Dominikanerkirche nicht länger als Stadtkirche zur Verfügung stand. Als Pforzheim im Januar 1632 von den Schweden besetzt wurde, flohen die Brüder, Widemann selbst wurde von Soldaten getötet. Erst nachdem 1635 in Pforzheim die Kaiserlichen eingezogen waren, kehrten die Franziskaner in die Stadt zurück und besetzten erneut das Kloster. In dessen Kirche nahmen sie in der folgenden Zeit auch Bestattungen vor, wie in deren Bereich gefundene Grabplattenfragmente belegen.24 Mit der Wiederherstellung des protestantischen Territoriums Baden-Durlach infolge des Westfälischen Friedens wurden die in Pforzheim vorgenommenen Restitutionen hinfällig. Doch noch im Juni 1649 erscheint in einer schwedischen Zusammenstellung von Gravamina für den Nürnberger Exekutionstag die Forderung Baden-Durlachs, dass die zu Pfortzheim seit anno 1624. eingedrungene Dominicaner und Franciscaner münche abgeschaffet werden,25 doch hieß es in der Antwort der Reichsstände vom 25. Juli 1649, dass die executio in diesem Fall bereits erfolgt sei.26 Tatsächlich hatten die Ordensbrüder die Stadt schon im März 1649 verlassen. Die Auseinandersetzungen mit den beiden Orden waren freilich auch im Sommer 1651 noch nicht beendet.27 Besitz und WirtschaftÜber Besitzungen und Einkünfte des Pforzheimer Barfüßerklosters informieren uns – mit Ausnahme eines wohl im 15. Jahrhundert angefertigten Zinsregisters28 – nur sporadisch einzelne Urkunden, die Stiftungen und Schenkungen dokumentieren. Eine erste Schenkung ist schon 1278 bezeugt, als Elisabeth von Eberstein, Tochter des Pfalzgrafen Konrad von Tübingen, ihr Testament aufsetzen ließ und in einer stattlichen Reihe von Legaten an unterschiedliche geistliche Gemeinschaften auch den noch jungen Pforzheimer Franziskanerkonvent, dessen Guardian unter den Zeugen erscheint, mit 4 Mark an Geld und 4 Maltern Korn bedachte.29 1284 gelangten als Schenkung in Aurich gelegene Güter an die Barfüßer, die diese 1291 an das Kloster Herrenalb weitergaben.30 1371 kaufte das Kloster einen verpachteten Hof in Gölshausen,31 den es auch noch 1438 verlieh (in diesem Fall an Johannes Kübener, den Schultheißen zu Bretten, und seine Erben).32 Als das Pforzheimer →Heilig-Geist-Spital als Rechtsnachfolger diesen Hof 1451 weiterveräußerte, brachte er 155 Gulden ein.33 Der Erwerb einer jährlichen Gült in Höhe von 1 Pfund Heller gegen Zahlung von 20 Pfund Heller ist für 1412 dokumentiert.34 Ein Gesamtbild der Besitz- und Einnahmesituation des Konvents ergibt sich aus derlei verstreuten Nachrichten nicht. Mit der Einführung der Observanz (1443) musste das Kloster alle Besitzungen und Einkünfte gegen die einmalige Zahlung von 400 Gulden an das Pforzheimer Heilig-Geist-Spital abgeben. Über die Finanzen des Klosters in der folgenden Zeit fehlen weitgehend Informationen. Der Unterhalt scheint aber nicht üppig gewesen zu sein: 1525 sollen den Brüdern 4 Fuder Wein, 12 Malter Korn sowie 10 Malter Hafer und Gerste zugestanden haben, und 1531 baten sie den Bischof von Speyer um Unterstützung, der ihnen daraufhin 2 Malter Korn zukommen ließ.35 Religiöses und kulturelles WirkenFür die Memoria der badischen Markgrafendynastie scheint das Pforzheimer Barfüßerkloster nur eine geringe Rolle gespielt zu haben. Bezeugt ist 1396 eine Jahrtagsstiftung für den fünf Jahre zuvor verstorbenen Rudolf VII. (1372–1391).36 Auch stadtbürgerliche Seelgerätstiftungen sind erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts überliefert. So fundierte Werner Göldlin gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth und seinem Sohn Heinrich 1384 eine Messe am Franziskusaltar.37 Vereinzelt nachweisen lassen sich insbesondere für führende Pforzheimer Familien Begräbnisse, so für Claus Weiler († 1463?, Grabplatte 1945 zerstört)38. Bei dem im Kloster beigesetzten Stuttgarter Stiftsherrn Heinrich Sattler († 1532, Grabmal bezeugt, aber nicht erhalten)39 dürfte es sich um einen Angehörigen der mehrmals im Rat der Stadt vertretenen Pforzheimer Familie Sattler gehandelt haben. Auch aus der Umgebung der Stadt wurde das Kloster bedacht. Beispielsweise verpflichtete Contzelin Müller von Lomersheim die Mönche 1382, gegen Entrichtung eines ewigen Zinses in Höhe von 1 Pfund Heller am Zwölfbotenaltar in ihrer Kirche ein ewiges Licht zu unterhalten.40 Aus dem folgenden Jahr ist ebenso eine Seelgerätstiftung aus Göbrichen belegt.41 In der Klosterkirche beigesetzt wurden außerdem Angehörige verschiedener niederadliger Familien, so neben Margaretha von Niefern († 1493) und dem Speyerer Bischof Johannes Nix von Hoheneck (1459–1464, † 1467) mehrere Vertreter der Straubenhart, Enzberg und Wallstein, die miteinander im Besitz eines benachbarten Adelshofes (Barfüßergasse 3, abgegangen) im Erbgang wechselten, beispielsweise Conrad von Enzberg († 1497, Grabplatte bezeugt, aber nicht erhalten)42 und Conrad d. Ä. von Wallstein († 1533, Grabplatte 1945 zerstört)43. 1426 ließ Giordano Orsini († 1438), der Protektor des Franziskanerordens, der als päpstlicher Legat nördlich der Alpen weilte, im Pforzheimer Kloster zwei Tertullian-Handschriften kopieren, wobei sich die mit der Ausführung beauftragten Brüder – Johannes von Lautenbach und Thomas von Lyphain – in der jeweiligen Subscriptio selbst nennen. Anschließend zu einem Codex vereint, ist das Manuskript bis heute erhalten.44 Ansonsten ist die Anfertigung von Abschriften durch einzelne Angehörige des Konvents nicht bezeugt, geschweige denn, dass ein regelmäßig tätiges Skriptorium nachweisbar wäre. Von der Hand des Novizenmeisters Johannes Schmid (Fabri) von Elmendingen sind historiographische Aufzeichnungen bekannt. Schmid verließ allerdings 1443 bei Einführung der Observanz das Pforzheimer Kloster, hielt sich später (1455) in Rothenburg ob der Tauber auf und beendete sein Leben offenbar im Würzburger Minoritenkonvent. In dessen Bibliothek verbrannten 1945 drei auf Schmid zurückgehende Codices (I, 90; I, 100; III, 43). Die wenigen veröffentlichten Auszüge daraus45 zeigen, dass der Verfasser »auf der Grundlage universalchronistischer Werke wie den ›Flores temporum‹ die zeitgenössische Geschichte fortschrieb, indem diese durch lokale Nachrichten ergänzt und dadurch auf regionale Verhältnisse bezogen wurden«.46 Von 1511 bis 1514 war der Gelehrte Konrad Pellikan Guardian in Pforzheim. Als socius et subditus47 folgte ihm dorthin sein Schüler Sebastian Münster, der von 1513 bis 1514 das Amt des Legens ausübte. Bibliothek und ArchivVon der Klosterbibliothek sind heute keine Überreste bekannt. Teile des Archivs müssen bei der Einführung der Observanz 1443 in den Besitz des Pforzheimer Heilig-Geist-Spitals übergegangen sein, weshalb sich beispielsweise in einem aus dem frühen 16. Jahrhundert stammenden Zinsbuch (Kopialbuch) des Spitals48 gelegentlich (Vor-)Urkunden zu früheren Rechten des Barfüßerklosters finden. Bau- und KunstgeschichteLageDas Franziskanerkloster lag im Nordwesten der im 12. Jahrhundert zu Füßen des Schlossbergs gegründeten »Neustadt« an einem nach Süden, zur Enz hin, geneigten Hang. Der Komplex von annähernd dreieckigem Grundriss bestand aus der Kirche im Süden, den nördlich daran anschließenden Konventsgebäuden und, nach Osten hin, einer größeren Freifläche, die im Nordwesten von der Stadtmauer, im Osten und Südosten – gegen die Stadt hin – von einer hohen Mauer eingefasst war.49 Kirche und KonventsbautenIm Stadtbild hat sich heute nur der wohl im späten 13. Jahrhundert errichtete, bis heute als Kirche genutzte dreijochige Langchor mit Fünfachtelschluss erhalten. Die Außenseite wird durch hoch aufragende Strebepfeiler und Maßwerkfenster gegliedert, der Innenraum von einem einfachen Kreuzrippengewölbe gefasst; in der Nordwand ist das Portal zur ehemaligen Klausur erhalten, an der Westwand der zugesetzte spitzbogige Triumphbogen (Breite 6,5 m; Scheitelhöhe 9,2 m über Chorniveau) erkennbar. Fenster und Gewölbe waren nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1956–59 wiederhergestellt worden.50 Parallelen zu den Rippenkonsolen fanden sich am 1290 begonnenen südlichen Diagonalchor der Schlosskirche. Dieselben Rippenkonsolen weisen die südlich angebaute, zweijochige Sakristei dem Ursprungsbau zu. Westlich schließt sich der Eingangsraum von 1837 über den archäologisch nachgewiesenen Resten eines Treppenturms (rekonstruiert 1939/40) im Zwickel von Chor und Langhaus an. Auf dem Chor saß der 1748 abgetragene Dachreiter von 1416, dessen nachträglich eingebaute Substruktion im westlichsten Joch sichtbar ist.51 Nachdem das Langhaus 1689 im Pfälzer Erbfolgekrieg Schaden genommen hatte, wurde es ab 1747 abgerissen. Erhalten blieben bis zum Zweiten Weltkrieg die nordwestlichen Eckquader und (auf gesamter Länge) die untersten Lagen der Südwand mit einem der gotischen Portale (1416). Auskunft über die Binnengliederung gaben Ausgrabungen anlässlich des Neubaus des Landratsamtes 1938/39. Sechs Pfeilerpaare unterteilten demnach das in seiner Achse gegenüber dem Chor um ca. 3,5 Grad nach Nordwesten verschobene Langhaus in drei gleich breite Schiffe. Der Bau dürfte somit wohl als Hallenkirche zu rekonstruieren sein. Der noch 1938 an der Triumphbogenwand erkennbare Dachansatz lag ca. 2 m unter dem des Chors.52 Dies widerlegt die Darstellung Merians von 1643 mit einem den Chor überragenden, von einem Dachreiter gekrönten Satteldach. Ein durchgängig nachgewiesener, auf den Absätzen der Pfeilerfundamente aufliegender Plattenboden lag ca. 1,2 m unter Chorniveau.53 An der im unteren Bereich massiv aufgeführten Triumphbogenwand zeigten sich Spuren eines Lettners mit fünf spitzbogigen Jochen und mittigem Durchgang über ein spitzbogiges Portal zum Chor.54 Die Klostergebäude schlossen nördlich an die Kirche an. Als letzter Rest war bis 1954 ein tonnengewölbter Keller von 14 m × 7 m Größe erhalten geblieben. Dessen Längsachse verlief rechtwinklig zum Langhaus, die Ostwand auf gleicher Flucht mit der Triumphbogenwand. Der 1938/39 in Teilen 0,5 m über dem Gewölbescheitel erfasste Estrich des Obergeschosses lag 0,4 m über dem Bodenniveau des Chors. Der Bau dürfte Refektorium und Kalefaktorium beherbergt haben. 1752 wurde der Keller in einen bis über das abgetragene Langhaus geführten Speicherbau des Waisenhauses (1823 ersetzt durch den Neubau eines Siechenhauses) einbezogen.55 Von dem schon früh verschwundenen Kreuzgang ließen sich 1938/39 fünf Maueransätze an der Kirchennordwand dokumentieren. Die 3,5 m westlich des alten Kellers gefundene, an der Ostseite verputzte Mauer dürfte dabei als Innenmauer des östlichen Kreuzgangflügels anzusprechen sein.56 Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungSowohl die im Zweiten Weltkrieg verlorene als auch die rezente Ausstattung stamm(t)en aus dem 18.–20. Jahrhundert bzw. wurden in dieser Zeit erworben. Im Chor sind heute die Grabplatte der Margarete Berger, geb. Lutz v. Ehingen († 1551), und die zweier Nonnen des →Dominikanerinnenklosters aufgestellt.57 Acht Grabplatten wurden 1938/39 im ehemaligen Langhaus geborgen und ins Reuchlinmuseum verbracht, wo sie fast alle 1945 zerstört wurden. Drei weitere sind aus den Schriftquellen zu erschließen. Die Jahreszahl 1768 am Türgewände von der Sakristei zum Chor gehört in die Zeit der Nutzung durch die französisch-reformierte Gemeinde.58 BibliographieQuellen: Haupt 1885 (a), (b); Bihl 1943. Handbücher und Lexika: AFA 19, S. 71–118 (Hans Huth); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 625 (Karin Stober); Denkmaltopographie Pforzheim Bd. 1, S. 167–172 (Christoph Timm); DI 57 (Anneliese Seeliger-Zeiss); KDM Bd. 9,6, S. 205–221 (Emil Lacroix); kloester-bw, Franziskanerkloster Pforzheim (Sven Rabeler). Literatur: Pflüger 1862; Haag/Bräuning 2001; Damminger 2008. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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