Freiburg, Augustinereremiten 

Kurzbeschreibung:

um 1278 Gründung – 1483 Neubau der Kirche – 1707 verheerender Brand – 1784 Auszug aus dem Kloster – 1810 Aufhebung

Patrozinium: Erhard
Ordensgliederung: Deutsche Provinz, 1299 Rheinisch-schwäbische Ordensprovinz, 1781 Vorderösterreichische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Augustinereremiten 1278-1810
Beschreibung:

Name: fratres conventuus inferiorum Friburgum ordinis Heremitarum sancti Augustini (1378);1 prior und convent der Augustiner (1417);2 ad ff. Augustinianos (1746);3 in dem gotteshaus derer Augustiner (1748)4

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Gründung der Augustinereremiten in Freiburg wird nicht zeitgenössisch, sondern in einer Urkundenabschrift wiedergegeben: Stadtherr Egen I. von Freiburg (1271–1316) sowie sein Bruder und Pfarrrektor Konrad erlaubten den Ordensleuten 1278 ein Areal in der Stadt zu bewohnen, eine Kirche zu errichten und den Gottesdienst zu feiern, wo auch immer sie sich niederließen.5 Die Formulierungen im Text legen nahe, dass sie schon vor 1278 ansässig waren. In einer Auflistung aller Ordenshäuser in der Provinz steht der Freiburger Konvent unter der Überschrift ante unionem ab Alexandro quarto summo pontifice 1256 factam.6

Nennenswert sind die frühen Verbindungen zur Straßburger Geistlichkeit, die mit der Mitwirkung Konrads, Domherren in Straßburg und Konstanz, bei der Ansiedlung begannen.7 Die Weihe der Kirche im Jahre 1299 führte Bischof Konrad von Straßburg (1273–1299) durch.8 1404 vidimierte der Bischof mehrere apostolische litterae zur Bestätigung seelsorgerischer Aufgaben.9 Als die Klosterkirche 1462 teilweise durch einen Brand zerstört worden war und sich die Gemeinschaft um Einnahmen für die Reparationen bemühen musste, gewährte der Bischof von Straßburg das Almosensammeln in seiner Diözese und vergab Indulgenzen für Kirchenbesuche.10 Demgegenüber zeigten die Bischöfe von Konstanz kaum Präsenz, sondern reagierten nur auf Anfragen der Augustinereremiten.11 Nach derselben Feuerkatastrophe weihte Bischof Otto IV. von Konstanz (1474–1491) den neuen Sakralbau im Jahre 1483.12 Außerdem verschob er das jährliche Kirchweihfest vom Sonntag nach Johannistag auf den Sonntag nach Jakobstag.13

Die Reformbewegung begann 1421 in der Rheinisch-schwäbischen Provinz.14 1510 wurde eine neue Ordnung festgesetzt und von acht Konventsmitgliedern sowie dem Provinzial unterschrieben.15 Sie betont die Einheit von Prior und Konvent, die Verpflichtung zur gegenseitigen Unterstützung sowie die ordensrechtliche Gleichstellung beider Seiten, vor allem bei der Kleidung und dem Essen. Alle Zinsen, Gülten und Gefälle sollten in dieselbe Kasse fließen. Über ihre Ausgaben hätten Prior und Brüder gemeinsam zu entscheiden, wenngleich sie getrennte Rechnungsbücher führen sollten. Die Bestimmungen sahen auch einen Pfleger zur Vertretung der Gemeinschaft nach außen sowie zur Aufsicht über die Buchführung vor. 1517 erreichten den Provinzial Klagen über den Ungehorsam seiner Freiburger Ordensleute.16 1521 wurde der Prior von Rappoltsweiler nach Freiburg gerufen, damit der Konvent sich der Observanz nicht mehr entziehen konnte.17 Während einige Prioren den Reformbemühungen nicht dezidiert entgegen standen, lehnte die Gemeinschaft jegliche Kooperation ab.

Einen Blick in das Klosterinnere ermöglicht die Chronik des Freiburger Ordensbruders Johannes Will, in der er die Geschichte von den Anfängen der Gemeinschaft bis 1755 schrieb.18 Für das 16. und 17. Jahrhundert ist seine Darstellung stark von Kriegsgeschehen, Aufständen und wiederkehrenden Meldungen über schlechte Ernteerträge, grassierende Krankheiten und jährliche Todesfälle im Orden geprägt.19

1784 kam es auf Anordnung Kaiser Josephs II. zu einem Ortswechsel: die Augustinereremiten sollten ihr seit Jahrhunderten bewohntes Kloster verlassen und in das Franziskanerkloster →St. Martin ziehen, wo eine Pfarrei eingerichtet wurde.20 Die dort seit dem 13. Jahrhundert ansässigen Franziskaner wiederum erhielten die Anweisung, nach Oberlinden ins Augustinerkloster überzusiedeln. 1810 beschloss die Regierung die Aufhebung der Gemeinschaft und ließ ihr Vermögen in den neuen Kirchenfonds von St. Martin übertragen.21 Daraus war ihnen eine Wohnung zu stellen und eine Pension zu zahlen. Überdies sollten die Priester unter den verbliebenen Konventsmitgliedern den Pfarrer von St. Martin als Hilfspriester bei der Seelsorge unterstützen.

Besitz und Wirtschaft

Das Urkundenmaterial veranschaulicht für das 14. und 15. Jahrhundert die rege Stiftungstätigkeit der Freiburger Bürgerschaft, die mit Jahrzeiten bei den städtischen Klöstern für ihr Seelenheil sorgte. Häufig fanden dabei Vergabungen an mehrere Klöster statt, etwa in den Jahren 1388, 1395 und 1488.22 Einige Urkunden stellte das Schultheißengericht der Stadt Freiburg aus: sie bilden entweder Urteile in Streitfällen ab, die meist zugunsten der Ordensleute ausfielen, oder dokumentieren die rechtmäßig vollzogenen Renten- und Gültengeschäfte von Bürgerinnen und Bürgern an die Ordensleute.

Für die Augustinereremiten war die Freiheit, ihre Einkünfte und Besitz durch Schenkungen, Kauf oder testamentarische Verfügungen selbst verwalten zu dürfen, von zentraler Bedeutung. Deshalb ließen sie sich dieses Recht mehrfach bestätigen.23 Obwohl sich die Praxis augenscheinlich nicht mit den selbstgesetzten Normen vereinbaren ließ, spiegelte sie die wirtschaftliche Realität wider und war für den Unterhalt der Brüder notwendig.

Der Bezug von Gülten sowie ihr Weiterverkauf bildeten die wirtschaftliche Säule des Klosters. Diese Gülten bestanden aus Geld, Naturalien oder Erträgen aus ihrem Verkauf. Aus Urbaren, Zins- und Rechnungsbüchern im Stadtarchiv gehen Art, Umfang und Ortsbezug der Einnahmen und Ausgaben hervor.24 Ein Berain von 1456 nennt beispielsweise die Orte Bahlingen, Eichstetten, Endingen, Opfingen, Holzhausen, Kirchzarten, Krozingen, Lehen, Merdingen, Opfingen, Riegel, Sulzburg, Uffhausen, Denzlingen, Stauffen sowie Umkirch. Für Kornzinsen waren unter anderem Bezüge aus Biengen, Freiburg, Gottenheim, Königsschaffhausen, Munzingen und Kolmarsreute aufgeführt.

In den letzten Jahrzehnten der Gemeinschaft häuften sich Streitfälle um finanzielle Angelegenheiten mit der Stadt Freiburg. Zum einen belasteten Engpässe bei der Holzlieferung die Ordensleute, wie aus mehreren Schreiben des Priors an den Waldmeister sowie an den Stadtrat hervorging.25 Zum anderen beschwerte sich die Stadt Freiburg sogar noch mehrere Jahre nach der Auflösung der Augustinereremiten über Zahlungsrückstände, darunter das Herrschaftsrechtsgeld (1813), der Feuersozietätsbeitrag (1816) und die Quartiergeldzahlung (1815).26

Religiöses und kulturelles Wirken

Die Augustinereremiten versahen das Totengedenken der Jahrzeitstifter und -stifterinnen. Die meisten an sie übertragenen Renten, Gülten oder Zinsen waren an die Verpflichtung zum jährlichen Gebet geknüpft. In einem Fall waren sie dieser Aufgabe bei einer Jahrzeitstiftung 1593 nicht nachgekommen, wie aus einer Mahnung des städtischen Rats hervorgeht.27 1710 entstand ein Konflikt mit dem Freiburger Pfarrer Jakob C. Helbling um das Bestattungsrecht.28 In einer Sammelhandschrift des späten 18. Jahrhunderts sind Epitaphien und Grabinschriften aus Freiburger Kirchen überliefert.29 In den ältesten Gräbern im Chorbereich lagen Herren von Stauffenberg (1375 u. 1482), quantitativ überwiegen Deutschordensritter aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Prozessionen spielten bis ins späte 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Dabei gab es eine Absprache mit den benachbarten →Wilhelmiten, in welcher Reihenfolge und Anordnung sich die Mitglieder beider Gemeinschaften bewegen sollten. 1496 konnten diesbezügliche Streitigkeiten erst durch die Anhörung vor einem ausgewählten Stadtgremium einvernehmlich gelöst werden.30 1505 folgte eine Übereinkunft, nach der alle Novizen gemeinsam laufen sollten sowie alle Ordenspriester. Für Letztere wurde festgelegt, dass die Augustinereremiten bei ihrem Kloster auf die Wilhelmiten warten sollten.31 Deutlich harmonischer wurde 1636 die Kaiserwahl Ferdinands III. von Welt- und Ordensgeistlichen mit einer Prozession zur Kirche der →Dominikaner begangen.32 In den Jahren 1645 und 1646 hielten die großen Bettelordensklöster gemeinsame Prozessionen ab.33 Für das Jahr 1726 berichtet die Chronik von Veränderungen, die im Jubeljahr in Rom (1725) unter Papst Benedikt XIII. (1724–1730) stattgefunden hatten. In Freiburg erklärten sich die Weltgeistlichen, (Erz-)Bruderschaften und Ordensgemeinschaften freiwillig dazu bereit, das Jubiläum in den folgenden acht Wochen zu zelebrieren. Eigens dafür erstellten sie eine Ordnung mit den abzuhaltenden Gebeten und Prozessionen.34

Die religiöse Ausstrahlung des Freiburger Augustinereremitenklosters auf andere Stadtklöster lässt sich nicht näher bestimmen. Sie pflegten enge Beziehungen zu den →Augustinnerinnen von St. Anna zum Grünwald, denen in der Chronik regelmäßig Platz eingeräumt wurde und die sie seelsorgerisch betreuten.35

Im 17. Jahrhundert standen drei (Erz-)Bruderschaften unter der Betreuung der Freiburger Augustinereremiten. 1624 wurde die Confraternitas S. Barbara V. et M. in ihrer Kirche eingerichtet und mit Indulgenzen ausgestattet.36 Bereits 1636 folgte die Erzbruderschaft B. M. V. de Consolatione unter gemeinsamer Leitung des Konstanzer Ordinarius und des Freiburger Priors.37 Für die Gründung der Confraternitas centuratorum S. P. August. et S. Matris Monica sub invocatione B. Mariae virginis de Consolatione 1652 holten die Ordensleute die Zustimmung des Bischofs von Konstanz sowie des Freiburger Pfarrers ein.38 Die Chronik berichtet für das Jahr 1670 nur knapp, dass die Bruderschaft S. Barbara V. et M. in die Bruderschaft centuratorum B. M. V. de Consolatione inkorporiert worden sei.39

Innerhalb der Rheinisch-schwäbischen Ordensprovinz existierten seit 1377 Standorte zum Studium generale für Theologie und Philosophie.40 Die drei Städte Basel, Hagenau und Straßburg wurden so zu frühen Ausbildungszentren. Nach ihrer Gründung besuchten viele Augustinereremiten die Freiburger Universität und erwarben dort einen Studienabschluss. Einen Eindruck davon vermittelt ein Verzeichnis, das nach Abschlussjahren geordnet ist und biografische Angaben zu den Personen (Ordenshäuser, Studienfach, Todesjahr) macht.41

Ferner richtete die Freiburger Niederlassung acht Mal das Provinzkapitel aus.42 Aus einem Verzeichnis der gewählten Provinziale wird ersichtlich, dass viele Vorsteher aus dem Freiburger Konvent stammten.43 Seine soziale Struktur bleibt weitestgehend unbestimmt, jedoch fällt bei einem Totenverzeichnis für die Jahre 1292 bis1804 die hohe Anzahl von Brüdern mit der Herkunftsangabe aus Franken auf.44

Mit dem Mortuarium von 1740 ist eine Quelle überliefert, welche die verdienstvollen Augustinereremiten aus allen Ordenshäusern der Provinz aufnimmt und damit einen wertvollen Überblick über den Werdegang einzelner Personen bietet.45 Nachweislich durchliefen viele Ordensleute, die aus Freiburg stammten oder hier gewirkt hatten, eine universitäre Laufbahn oder erlangten höhere, geistliche Ämter.46 Tilmann Limperger war beispielsweise 1488 Prior der Gemeinschaft, wirkte viele Jahre an der Universität Freiburg und wurde Weihbischof in Basel.47

Bibliothek und Archiv

Eine eigene Handschriftenproduktion ist nicht nachweisbar, dafür ist die Bibliothek chronikalisch ab dem 16. Jahrhundert greifbar.48

Die Universitätsbibliothek Freiburg verwahrt wenige Handschriften und Inkunabeln aus dem Augustinereremitenkloster. Einige Bücher kamen erst im 17. Jahrhundert nach Freiburg, darunter ein Regelbuch für die Augustinereremitinnen auf dem →Kirnberg (Steißlingen).49

Im Stadtarchiv Freiburg befindet sich ein Repertorium von 1725, welches sämtliche Urkunden des Klosterarchivs aufführt.50 Es gibt Aufschluss über die Ordnung der Schriftstücke und überliefert die Texte teils in Regestform, teils als vollständige Abschrift. Außerdem nennt es Verluste von Urbaren und Zinsbüchern durch den Brand 1707. Ein Teil des Urkundenbestands und wenige Akten gingen über das Pfarrarchiv von St. Martin an das Erzbischöfliche Archiv. Im Stadtarchiv befinden sich vorwiegend Akten und Bücher zu den finanziellen Angelegenheiten des Klosters (Rechnungsbücher, Verzeichnisse von Gefällen und Gülten).51

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das ehemalige Kloster der Augustinereremiten, heute städtisches Augustinermuseum, liegt in der Freiburger Altstadt in Oberlinden zwischen Salzstraße und der ehemaligen Stadtmauer. Die Kirche steht längs der Straße, südlich von ihr der Kreuzgang mit Klausurbauten, die bis in den östlich angrenzenden Wirtschaftshof reichen.

Kirche und Konventsbauten

Die flachgedeckte Kirche besteht aus einem hohen Saal, heute durch Treppen- und Emporeneinbauten (2004-2010) stark verändert, und einem eingezogenen Chor mit 5/8-Schluss. Die seit 2001 laufende Umgestaltung führte zu archäologischen Grabungen in Kirche und Osthof sowie bauarchäologischen Untersuchungen in der Klausur. Bereits beim Umbau zum Museum 1922/23 und der Renovierung 1966-70 wurden Baubefunde dokumentiert. Eine Gesamtauswertung steht noch aus.

Das Kloster wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in einem dichtbebauten Quartier an einer innerstädtischen Hauptstraße errichtet. Mindestens sieben Häuser mussten dem Kirchenbau weichen. Ihre Kellermauern wurden verstärkt und als Fundamente des Langhauses weitergenutzt, was zu einem leicht trapezoiden Grundriss führte.

Zunächst wurde der Chor als eigenständiger Baukörper errichtet. Ein älteres Haus südlich von ihm diente als Sakristei. Möglicherweise war das Gebäude die erste, laut Chronik schon vor 1278 eingerichtet Niederlassung der Mönche. Das in einer zweiten Bauphase entstandene Langhaus besaß als Abschluss zum Chor einen spitzbogigen und fünfjochigen Hallenlettner. Zur Straße wies er ein Dreipassfenster auf und im Süden führten Türen zum Erd- und Obergeschoss der Klausur. Unklar ist, was bei der Weihe 1299 stand. In den 1330er Jahren wurde der Chor wohl erhöht (Steinlieferungen 1332 und Chordachwerk 1333/34 [d]). Auch der Zugang von der Straße zum Langhaus, ein Doppelportal mit Schulterbögen und bemalter Nische darüber, wurde frühestens im 14. Jahrhundert eingebaut. In dieser Zeit entstand in mehreren Bauabschnitten auch der flach gedeckte, ausgemalte Kreuzgang, dessen drei Außenmauern noch umfangreiche Reste der profanen Vorgängerbebauung bewahren. Eine Gemeinschaftslatrine des Klosters wurde 1982 im heutigen Augustinerplatz entdeckt. Sie enthielt umfangreiches Fundmaterial des späten 13. bis 15. Jahrhunderts. Der archivalisch überlieferte Brand von 1462 ließ sich bauhistorisch nicht nachweisen.

Ein großes, parallel zur Stadtmauer stehendes Gebäude ragt im Südosten in den Kreuzgang hinein. Es wurde in den 1490er Jahren spätgotisch ausgebaut mit tiefen Kellern und zwei Obergeschossen. Dieses Hauptgebäude des Klosters war ausgezeichnet mit eng gereihten Staffelfenstern zu einem großen Saal und Kreuzstockfenstern mit Maßwerk. Die Baumaßnahmen umfassten das ganze Kloster, so auch den 1491 (d) erneuerten Dachreiter. Dieser ist auf einer Stadtansicht, dem Großen Sickingerplan von 1589, deutlich über dem Chor erkennbar (Abb. 2). Wiedergegeben ist auch der zweigeschossige Kreuzgang, der im Westen ein Fachwerkobergeschoss aufwies. Das Portal zur Kirche war damals schon an die Westfassade versetzt.

Im 18. Jahrhundert kam es wieder zu intensiveren Baumaßnahmen. So wurde das Langhaus erhöht, mit zehn Okuli versehen und ein dreistöckiges Dach (1706 [d]) aufgerichtet. Im Inneren wurden die Halle stuckiert und zu beiden Seiten des neuen Westportals zwei Kapellen eingerichtet. Ein Brand im Osthof 1707 führte dort zum Abbruch der Stallungen und zum Bau von Küche und Winterrefektorium. 1716 wurde die Stadtmauer im oberen Teil abgebrochen und zwei neue Flügel im Westen (1716/25) und Osten (1735 [d]) errichtet, die in den Rondenweg der Stadtbefestigung vorspringen. Die Kreuzgänge wurden erhöht, eingewölbt und auf drei Geschosse aufgestockt. Im aufgeschütteten ehemaligen Stadtgraben wurde ein barocker Ziergarten angelegt. Kriegsschäden 1744 führten zur Neustuckierung der Kirche und zur Bemalung des Chorbogens durch Benedikt Gambs.

Nach Umzug und Auflösung des Konvents wurde die Kirche durch Kreisbaumeister Christoph Arnold 1822 zum städtischen Theater umgebaut und 1846 ein Vorbau zum Augustinerplatz angefügt. Das restliche Kloster nutzte man als Bürgerkaserne und ab 1874 als Schule. Nach Fertigstellung des neuen Stadttheaters 1910 begannen die Planungen für einen Museumsbau, der 1922/23 durch Stadtbaumeister Karl Gruber als neobarocke Rekonstruktion der Klosteranlage erstellt wurde.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Von der ehemaligen Ausstattung des Klosters ist sehr wenig erhalten beziehungsweise sicher zuweisbar. Vier fast lebensgroße, weiß gefasste Heiligenfiguren aus Nadelholz, um 1750/55 von Johann Michael Winterhalter geschaffen, stammen vermutlich vom Hochaltar (Abb. 6).52 Die barocke Kanzel befindet sich heute in der ehemaligen Benediktinerabteikirche →St. Trudpert im Münstertal.

Bibliographie

Quellen: Höhn 1744; Gesterkamp 1972.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 216 (Dagmar Zimdars); HelvSac IV,6, S. 21–42, 93–143 (Petra Zimmer/Kathrin Utz-tremp); KB Freiburg Bd. 1,2, S. 921 f. (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Augustinerkloster Freiburg (Michael K. Wernicke).

Literatur: Schlippe 1970; Henze 2006 (c); Löbbecke/Wimmenauer 2010.

Anmerkungen

  • 1 UAF A 106/144.
  • 2 StadtA FR A 1 XVI A e 1417 November 26.
  • 3 EAF A 4/30.
  • 4 Ebd.
  • 5 Fr UB (Hefele) I, Nr. 317 S. 285 f.; GLA 65 Nr. 11221, S. 10.
  • 6 GLA 65 Nr. 11221, S. 4 f.: series conventuum almae provinciae Rheni et Sueviae ordinis FF Eremit. S. P. Augustini.
  • 7 GLA 65 Nr. 11221, S. 10.
  • 8 GLA 65 Nr. 11221, S. 11.
  • 9 GLA 65 Nr. 11221, S. 20.
  • 10 EAF U 1, 1462 September 10.
  • 11 GLA 65 Nr. 11221, S. 12 (1302 u. 1304), S. 16 (1358), S. 26 (1464).
  • 12 GLA 65 Nr. 11221, S. 29.
  • 13 EAF U 1, 1483 August 18.
  • 14 GLA 65 Nr. 11221, S. 22.
  • 15 StadtA FR C 1 Kirchensachen 60 Nr. 11.
  • 16 Ebd.
  • 17 Ebd.
  • 18 GLA 65 Nr. 11221; s. auch StadtA FR B 1 Nr. 40.
  • 19 S. auch StadtA FR B 1 Nr. 37.
  • 20 EAF A 4/33.
  • 21 Ebd.
  • 22 EAF U 1, 1388 November 9, 1395 Juli 28, 1488 Mai 25.
  • 23 EAF U 1, 1361 Dezember 26 u. 1369 März 21.
  • 24 StadtA FR B 2 Nr. 2; StadtA FR E 1 B II b 3 Nr. 22; StadtA Fr E 1 B II b 3 Nr. 2.
  • 25 StadtA FR C 1 Kirchensachen 59 Nr. 22.
  • 26 StadtA FR C 1 Kirchensachen 59 Nr. 2 4-26.
  • 27 StadtA FR C 1 Kirchensachen 59 Nr. 15.
  • 28 EAF A 4/30.
  • 29 StadtA FR B 1 Nr. 51, S. 1-96.
  • 30 StadtA FR E 1 BII b 3 Nr. 22; auch GLA 65 Nr. 11221, S. 94 (1651).
  • 31 GLA 65 Nr. 11221, S. 31.
  • 32 GLA 65 Nr. 11221, S. 78.
  • 33 GLA 65 Nr. 11221, S. 88 (1645), S. 90 (1646).
  • 34 GLA 65 Nr. 11221, S. 18 1-183. 35 Exemplarisch GLA 65 Nr. 11221, S. 12, S. 108, S. 151 f.; EAF U 1, 1512 August 23.
  • 36 GLA 65 Nr. 11221, S. 53.
  • 37 GLA 65 Nr. 11221, S. 78.
  • 38 EAF A 4/30.
  • 39 GLA 65 Nr. 11221, S. 109.
  • 40 GLA 65 Nr. 11221, S. 18.
  • 41 EAF A 4/31, S. 97 f.
  • 42 GLA 65 Nr. 11221, S. 25 (1451), S. 39 (1548 u. 1549), S. 44 (1590, 1596 u. 1599), S. 97 (1656); EAF A 4/31, S. 95 (1749).
  • 43 EAF A 4/31, S. 8 9-95.
  • 44 StadtA FR B 1 Nr. 51, S. 11 7-120. 45 EAF A 4/31, S. 3.
  • 46 GLA 65 Nr. 11221, S. 1-3: series reverendissimorum episcoporum ord. Eremit. S. P. Augustini ex alma provincia Rheno-Suevica et Saxonica.
  • 47 GLA 65 Nr. 11221, S. 3.
  • 48 GLA 65 Nr. 11221, S. 40 (1560), S. 181 (1725), S. 226 (1744).
  • 49 UB Freiburg Hs. 40.
  • 50 StadtA FR B 2 Nr. 42.
  • 51 StadtA FR E 1 B II b Nr. 3.
  • 52 Die vier Skulpturen sind Leihgaben des Erzbischöfliches Diözesanmuseum Freiburg i. Br. im Augustinermuseum Freiburg Inv. Nr. DM S 072 a-d/D
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Sarah Mammola [Autor]
  • Frank Löbbecke [Autor]
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